18.09.2019

Digitale Krankschreibungen Es ist beschlossen: Der "Gelbe Schein" wird abgeschafft!

Hat ab 2021 ausgedient: Der "Gelbe Schein" wird abgeschafft.

Foto: imago images/blickwinkel

Hat ab 2021 ausgedient: Der "Gelbe Schein" wird abgeschafft.

Endlich nach dem Arztbesuch nicht mehr geschwächt zur Post schleppen, um die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung an Krankenkasse und vor allem auch an den Arbeitgeber zu schicken? Würde so vieles einfacher machen – und das passiert bald auch. Damit soll Zeit und Geld gespart werden. Ab 2021 soll dann gelten: elektronische AU für alle.

Anstrengend ist es immer, mit der Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung nach dem Arztbesuch noch zur Post zu müssen, um die Durchschriften für Arbeitgeber und Krankenkasse abzuschicken. Damit ist wahrscheinlich bald Schluss: Denn der "Gelbe Schein" wird abgeschafft. Das ist das Ziel von Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) mit dem "Bürokratieentlastungsgesetz" (BEG III). Das Bundeskabinett hat diesem Entwurf jetzt zugestimmt.

Weniger Papierkram und weniger Arbeitsaufwand soll es demnach für Unternehmen geben, wenn der Schein digitalisiert wird. Die Krankenkasse könnte die "AU", wie die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung auch manchmal genannt wird, dann direkt digital an den Arbeitgeber übermitteln. Die Wirtschaft soll so mindestens 1,1 Milliarden Euro sparen.

"Gelben Schein" abschaffen: nicht mehr "zeitgemäß"

"Überbordende Bürokratie belastet die Wirtschaft, hemmt Innovationen und schwächt den Wirtschaftsstandort Deutschland", schreibt Altmaier in seinem Gesetzentwurf, der am 18. September im Bundeskabinett beschlossen wurde.

"Arbeitnehmer müssen noch immer ihre Krankschreibungen bei ihrem Arbeitgeber in Papierform einreichen", erklärt das Wirtschafsministerium im Entwurf. "Der damit verbundene manuelle Bearbeitungsaufwand ist angesichts der fortschreitenden Digitalisierung nicht mehr zeitgemäß." Und daher sollen künftig die Krankenkassen den Arbeitgeber elektronisch über Beginn und Dauer der Arbeitsunfähigkeit informieren.

Die meisten Arbeitgeber verlangen noch die Papierform

Der "Gelbe Schein" muss bisher in den meisten Unternehmen spätestens am dritten Krankheitstag beim Arbeitgeber eintrudeln. Manche Unternehmen bestehen sogar darauf, ihn schon am ersten Tag vorliegen zu haben. Das Wochenende zählt übrigens mit.

Zwar gibt es die eine oder andere Stelle, die es akzeptiert, wenn etwa eine Fotografie des Scheins via Mail geschickt wird, viele verlangen die AU aber in der vom Arzt ausgehändigten Papierform. Eine weitere Ausführung muss außerdem noch zur Krankenkasse, so verlangen es viele gesetzliche Krankenkassen jedenfalls noch. Also noch ein Brief, wenn es nicht, wie in Ausnahmefällen, bereits via App geht.

Dabei wäre es doch so einfach und auch umsetzbar, wenn der behandelnde Arzt einfach ein Häkchen im Programm machen müsste, und die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung wird daraufhin direkt zur Krankenkasse gesendet, die eine Kopie dann wiederum elektronisch an den Arbeitgeber schickt.

Krankenkassen testen schon, mitunter bereits länger

Dass Ärzte die AU direkt an die Krankenkassen übermitteln, ist sogar seit Mai 2019 schon möglich. Manche Krankenkassen erlauben es den Arbeitnehmern, die AU als Scan über eine App an die Kasse zu schicken. Auch die AOK erlaubt bereits, dass der Arzt die Krankmeldung direkt an die Kasse schickt. Ab 1. Januar 2021 sollen die Kassen dann komplett auf papierfrei umgestellt haben und die Arbeitgeber mit ins Boot nehmen.

Papierfrei arbeiten bereits manche Krankenkassen. So nutzt die TK die digitalen Scheine schon seit September 2017 unter dem Begriff "elektronische Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung" (eAU). Die TK zieht nach zwei Jahren Test eine erste positive Bilanz – demnach funktioniere die Entlastung.

Die BKK Linde wiederum hält das Gesetz zumindest in der Übergangszeit für eine Doppelbelastung, da sich Arbeitnehmer anfangs möglicherweise nicht sicher seien, ob die Bescheinigung wirklich beim Arbeitgeber angekommen sei. Es würde anfangs vermutlich weiterhin gelbe Scheine beim Arzt geben, die trotzdem geschickt werden – eventuell auch auf Nachfrage des Patienten. "Damit wird der Arzt keineswegs von der Bürokratie entlastet", sagt ein Sprecher der BKK Linde.

Außerdem: Aufbewahrung von Steuerunterlagen wird einfacher

Doch im Gesetzentwurf geht es nicht nur um den "Gelben Schein", sondern auch noch um weitere Ideen, den in Deutschland ja oft kritisierten bürokratischen Aufwand abzubauen. Demnach soll über das Gesetz auch die Aufbewahrung von Steuerunterlagen vereinfacht werden. Statt bisher zehn Jahre müssen elektronisch gespeicherte Dokumente dann nur noch fünf Jahre lang für die Finanzämter aufbewahrt werden.

Nun dauert es aber noch fast eineinhalb Jahre, bis das BEG III umgesetzt wird. Bis dahin heißt es leider noch: Ab zur Post mit der Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung – oder den "Gelben Schein" persönlich beim Arbeitgeber vorlegen und sich erst dann wieder ins wärmende Bett schleppen.

Wissen Sie eigentlich, wie man einen Reha-Antrag richtig stellt? Lesen Sie bei uns, was Sie dabei alles beachten müssen.

Mehr Infos zu rechtlichen Themen lesen Sie in unserem Ratgeber Recht.

Seite

Die neuesten Videos von BILD der FRAU

Beschreibung anzeigen