05.09.2019

Selbsthilfe und neue Medikamente Wie Sie Kopfschmerzen am effektivsten vorbeugen

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Bei Kopfschmerzen kann Vorbeugen wirklich helfen. Was bei welcher Art der Volkskrankheit helfen kann, lesen Sie hier.

Foto: iStock/GlobalStock

Bei Kopfschmerzen kann Vorbeugen wirklich helfen. Was bei welcher Art der Volkskrankheit helfen kann, lesen Sie hier.

Die unterschätzte Volkskrankheit – 54 Millionen Menschen hierzulande leiden unter Kopfschmerzen! Zeit, sich am Tag des Kopfschmerzes einmal mehr damit zu befassen. Vorbeugen ist das wichtigste Mittel dagegen.

Um die Öffentlichkeit über die verschiedenen Schmerzarten und ihre mögliche Behandlung aufzuklären, ist am 5. September der bundesweite Tag des Kopfschmerzes. Tatsächlich gibt es medizinisch gesehen mehr als 200 unterschiedliche Arten von Kopfschmerzen. Vorbeugen kann man am wirkungsvollsten, wenn man weiß, von welcher man betroffen ist.

Dumpfer Klassiker: Spannungskopfschmerz erkennen und vorbeugen

Fast jeder kennt den Spannungskopfschmerz, die häufigste Art der Kopfschmerzen. Es handelt sich um leichten bis mittelschweren, dumpfen Druck in beiden Kopfhälften. Der Schmerz strahlt meist vom Hinterkopf zur Stirn aus. Betroffene berichten von einem Gefühl "wie im Schraubstock". Die Dauer variiert von einer halben Stunde bis zu sieben Tagen. Als chronisch gilt dieser Kopfschmerz, wenn er in drei Monaten an mehr als 14 Tagen auftritt. Eine konkrete Ursache ist oft nicht feststellbar.

Häufig tragen Stress, Alkoholkonsum oder Nackenverspannungen zu den Kopfschmerzen bei. Vorbeugen lassen sie sich also vor allem durch das Beheben dieser Faktoren: Alkoholkonsum einschränken, ausreichend Wasser trinken und Verspannungen der Halswirbelsäule mit speziellen Übungen gegen Kopfschmerzen und Migräne sowie Physiotherapie behandeln. Und natürlich: Stress reduzieren bzw. die Reaktion auf Stress verändern – wenn wir unter Spannung stehen, betrifft das auch den Kopf. Deshalb ist es so wichtig, Entspannungsverfahren wie Meditation zu erlernen. Außerdem können Sie nachgewiesenermaßen mit Ausdauersport, wie Joggen oder Schwimmen, Kopfschmerzen vorbeugen.

Migräne-Kopfschmerzen vorbeugen mit verschiedenen Medikamenten-Arten

Rund acht Prozent der Männer und 20 Prozent der Frauen weltweit leiden unter Migräneattacken. Diese meist anfallartig auftretenden halbseitigen Kopfschmerzen werden als stechend oder pulsierend wahrgenommen. Bei manchen Patienten kündigt sich eine Migräne etwa eine Stunde vor Einsetzen der Schmerzen durch eine sogenannte Aura an. Darunter versteht man Seh- und andere Sinnesstörungen. Körperliche Aktivität kann den Schmerz verstärken. Die Anfälle dauern zwischen vier und 72 Stunden und werden oft auch von Übelkeit und Erbrechen begleitet.

Migränepatienten sind in ihrer Lebensqualität stark eingeschränkt und leben mit dem Risiko, dass sich die Erkrankung chronifiziert. Deshalb ist eine fachkundige Behandlung so wichtig, die dieser neurologischen Krankheit und den damit zusammenhängenden Kopfschmerzen vorbeugen kann. Verschiedene Medikamente stehen zur Migräne-Prophylaxe zur Verfügung. Neurologen verschreiben beispielsweise Antidepressiva, Blutdrucksenker oder Epilepsie-Medikamente. Auch Botox-Injektionen in bestimmte Gesicht- und Kopfregionen kommen in Einzelfällen in Frage. Außerdem sind Maßnahmen wie Entspannungsverfahren, ein geregelter Tagesablauf und Ausdauersport wichtig, um die Migräne-Vorbeugung zu unterstützen.

Neue "Migräne-Impfung", die Kopfschmerzen vorbeugen kann

Seit 2018 ist in Deutschland eine neuartige Therapie zur Migräne-Prophylaxe verfügbar, die landläufig auch "Migräne-Impfung" genannt wird. Dabei wird in ein- oder mehrmonatigen Abständen ein Wirkstoff injiziert, der die Häufigkeit und Schwere der Attacken reduzieren kann. Es ist eine komplett neue Klasse von Medikamenten, in die Patienten und Wissenschaft große Hoffnungen setzen.

Die Wirkstoffe aus der Gruppe der CGRP-Antikörper (CGRP: Calcitonin-GeneRelated-Peptide) sind Antikörper, die im Nervensystem jene Botenstoffe blockieren, die zur Auslösung der Kopfschmerzen beitragen. Vorbeugen per Spritze kann man derzeit (Stand: September 2019) in Deutschland mit drei zugelassenen Wirkstoffen, wie die Schmerzklinik Kiel informiert: Erenumab, Galcanezumab und Fremanezumab.

Die Therapie kommt für Erwachsene infrage, die episodisch mindestens vier Tage oder chronisch mindestens 15 Tage im Monat von einer Migräne betroffen sind und bei denen andere Prophylaxe-Medikamente nicht wirken. Die Wirkstoffe zur Antikörper-Therapie sind verschreibungspflichtig, vor allem in spezialisierten Schmerzzentren kann über sie informiert werden.

Wichtig: Es sind noch keine Langzeit-Prognosen zu Wirkung und Nebenwirkungen der CGRP-Antikörper-Therapie für Migräne möglich. Klinische Studien für die Zulassung erstreckten sich maximal über drei Jahre.

Unerwünschte Nebenwirkung: Schmerzen durch Schmerz-Medikamente

Schmerzen können auch als Nebenwirkung bei der Einnahme von Medikamenten auftreten. Dann spricht man von medikamenteninduzierten Kopfschmerzen. Davon besonders gefährdet sind Menschen, die unter chronischen Schmerzen leiden und regelmäßig Medikamente dagegen nehmen – das gilt auch für rezeptfreie Mittel aus der Apotheke, wie z.B. Ibuprofen, Naproxen oder Paracetamol. Das Führen eines Schmerztagebuchs bei Migräne kann diesen Medikamentenübergebrauch-Kopfschmerzen vorbeugen, indem es die Einnahme bewusster macht. Es gilt die 10:20-Regel – Schmerzmittel sollten an maximal 10 Tagen im Monat eingenommen werden, 20 Tage müssen Schmerzmittel-frei bleiben. Nur so lassen sich chronische Kopfschmerzen vorbeugen. Gerade wegen dieser Begrenzung ist eine wirksame Prophylaxe so wichtig, damit der Schmerz nicht das Leben regiert.

In leichten Fällen helfen Hausmittel gegen Kopfschmerzen dann auf Dauer vielleicht auch besser.

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