04.09.2019 - 15:02

Zu einseitig Nur Pommes und Chips: Junge erblindet wegen Mangelernährung

Die "Vorliebe" für Pommes und Chips wurde einem britischen Teenager zum Verhängnis.

Foto: imago images/CHROMORANGE

Die "Vorliebe" für Pommes und Chips wurde einem britischen Teenager zum Verhängnis.

Ein britischer Jugendlicher ist aufgrund einer starken Unterversorgung mit Nährstoffen erblindet. Schuld war seine Vorliebe für ausschließlich Pommes und Chips.

Dass Kinder und Jugendliche oft sehr "gewählt" essen, ist nichts Neues. Oft stehen nur bestimmte Lebensmittel auf der Liste der Vorlieben – wichtiges, gesundes Essen wird vergebens gesucht. Ein Fall aus Großbritannien aber zeigt, welch schwerwiegende Auswirkungen eine extrem einseitige Ernährung haben kann: Ein Jugendlicher ist erblindet – nachdem er sich nur von Chips und Pommes ernährt hat. Zuvor hatte er bereits Anzeichen von Taubheit gezeigt.

Jugendlicher erblindet wegen Chips und Pommes: Wichtige Nährstoffe fehlten

Gegenüber einer Ärztin hatte sich der heute 19-jährige Junge aus dem englischen Bristol einst geäußert, dass er eine Abneigung gegen die Konsistenz der meisten Lebensmittel habe und daher nur Pommes und Chips ertragen könne. Bereits mit 14 Jahren sei ihm ein hoher Vitamin-B12-Mangel diagnostiziert worden, ebenso wie ein Mineralstoffmangel. Ärzte hatten ihm daher im Vorfeld bereits zumindest die Einnahme von Vitaminpräparaten empfohlen – auf die er aber verzichtet habe.

Der Junge habe als Kind bereits extrem wenig gegessen, habe Obst und Gemüse verweigert, Brote unangetastet wieder mit nach Hause gebracht, wie die Mutter erklärte. Nur hin und wieder habe er nebst der geliebten Pommes von einem Imbiss sowie Chips auch mal ein Würstchen, ein bisschen Schinken oder eine Scheibe Weißbrot gegessen.

Da er aber davon nicht dick geworden sei, habe man sich erst einmal keine Gedanken gemacht. Erst mit 14 Jahren sei es ihm immer schlechter gegangen, er habe sich unwohl gefühlt und habe mit Taubheit zu kämpfen gehabt. Dann folgte die Diagnose des Mineralstoff- und Vitaminmangels sowie der Unmut, die empfohlenen Präparate einzunehmen. Drei Jahre später hatte der Jugendliche dann einen irreparablen Sehverlust erlitten. Augenprobleme sind ein häufiges Symptom von Vitamin-B-Mangel. Zudem sollen auch die Knochen des Jungen an Mineralstoffen eingebüßt haben.

Ekel vor Essen: Eltern sollten mögliche Essstörung der Kinder beobachten

Ein wichtiger Sehnerv war aufgrund des steten Mangels an Vitaminen und Mineralstoffen entstanden, wie seine behandelnde Ärztin der "BBC" gegenüber erklärte: "Er hat in der Mitte seines Sichtfelds blinde Flecken. Das heißt, er kann kein Auto fahren, nur unter Schwierigkeiten lesen, fernsehen oder Gesichter erkennen." Nur am Rande seines Sichtfelds nehme er noch Dinge wahr. Diese Form der Sehschwäche zählt offiziell als Blindheit.

Eigentlich ist diese Form der ernährungsbedingten optischen Neuropathie behandelbar, wenn sie früh genug bemerkt wird. Da der Patient seine Nahrungsergänzungsmittel aber nicht genommen habe, seien die Sehnerven letztlich abgestorben und die Sichteinschränkungen permanent geworden.

Grund für die "pingelige" Ernährung ist die Essstörung "ARFID" (Avoidant/Restrictive Food Intake Disorder, zu deutsch: Vermeidende/Einschränkende Ernährungsstörung). Es handelt sich um eine anerkannte psychische Störung, die professionell behandelt werden müsse.

Der heute 19-Jährige musste sein Studium abbrechen. Laut seiner Mutter habe er kein Sozialleben. "Es ist ein Albtraum", wird sie bei "Bild" zitiert.

Seine Ärztin warnt nun andere Eltern, auf die Ernährung ihrer Kinder zu achten. Jedoch solle man nicht in Panik geraten, wenn Kinder nicht gleich alles essen. Langsam und ruhig an neue Lebensmittel heranführen könne helfen, sie schonend zu einer gesünderen Ernährungsweise zu bringen. Einfach Nahrungsergänzungsmittel zu geben, davon rät sie ab. Diese können zwar zusätzlich bei einer Diät oder in Fällen wie dem oben genannten als "Notlösung" genommen werden, dienen aber nicht als Ersatz für eine gesunde, ausgewogene Ernährung. Zudem können Überdosierungen bestimmter Vitamine, wie sie über Nahrungsergänzungsmittel schnell passieren, andere schwerwiegende Probleme hervorrufen.

Bekannter als ARFID sind Essstörungen wie Binge Eating, eine Essstörung mit unkontrolliertem Heißhunger oder Bulimie, bei der unkontrolliert gegessen und am Ende erbrochen wird. Doch die Arten der Essstörungen sind enorm vielfältig. So kann auch der gegenteilige Fall zum oben geschilderten eintreten: Orthorexie nervosa: Wenn gesund essen krank macht.

Mögliche Ansprechpartner bei Essstörungen sind der Kinder- und Jugendarzt oder -psychiater, der Hausarzt oder ein Psychotherapeut. Eine Anlaufstelle kann auch die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung sein: Unter der Rufnummer 0221/89 20 31 kann man sich dort auch anonym beraten lassen. Weitere Möglichkeiten sind Spezialambulanzen oder Beratungsstellen für Essstörungen.

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