29.08.2019 - 15:29

Kein Ausweg mehr? Studie: Restless-Legs-Syndrom erhöht Suizid-Risiko

Schlafprobleme sind beim Restless-Legs-Syndrom keine Seltenheit. Eine Studie hat jetzt herausgefunden, dass die Erkrankung wahrscheinlich mehr mit der Psyche zusammenhängt als gedacht: Das Selbstmordrisiko ist signifikant erhöht.

Foto: iStock/cindygoff

Schlafprobleme sind beim Restless-Legs-Syndrom keine Seltenheit. Eine Studie hat jetzt herausgefunden, dass die Erkrankung wahrscheinlich mehr mit der Psyche zusammenhängt als gedacht: Das Selbstmordrisiko ist signifikant erhöht.

Es quält, vor allem, weil es einfach nie aufhört: Dass das Restless-Legs-Syndrom mit einem höheren Selbstmordrisiko verbunden sein soll, wie eine Studie jetzt belegt, wundert daher nicht.

Zwar sind nur rund fünf Prozent der Bevölkerung betroffen – doch die leiden. Wohl mehr, als sich dies viele nicht Betroffene vorstellen können. Eine Studie hat jetzt gezeigt: Es gibt einen Zusammenhang zwischen dem Restless-Legs-Syndrom (RLS) und dem Suizidrisiko. Demnach ist die Selbstmordgefahr unter RLS-Patienten fast dreimal höher als bei Menschen, die nicht darunter leiden.

Restless-Legs-Syndrom: Suizidgefahr ist signifikant erhöht

Dass das Restless-Legs-Syndrom psychische Probleme hervorruft, ist nicht weiter verwunderlich. Betroffene der manchmal als "Willis-Ekbom-Krankheit" bezeichneten neurologischen Störung leiden darunter, dass sie ständig den Drang haben, sich zu bewegen oder zu dehnen – vor allem die Beine. Aber auch Arme und Kopf können betroffen sein. Dadurch soll unterdrückt werden, dass sich die Gliedmaßen unangenehm anfühlen.

Betroffene leiden ständig darunter – auch nachts. Das führt schnell dazu, dass Körper und Geist zu wenig Schlaf bekommen. Patienten beschreiben das Gefühl wie ein unangenehmes Krabbeln oder wie Kohlensäure unter der Haut. Es lässt nach, wenn die entsprechenden Stellen bewegt werden.

Laut Studie beeinflusst die Erkrankung die Psyche der Betroffenen so sehr, dass sich Menschen mit RLS mit 2,7-facher Wahrscheinlichkeit eher selbst verletzen oder gar umbringen als gesunde Menschen.

Alter und Geschlecht spielen keine Rolle

Untersucht wurden für die Studie Daten von 24.179 Menschen mit RLS sowie als Vergleich Daten von 145.194 gesunden Menschen. Eingeflossen sind auch Faktoren wie Depression, Schlafstörungen oder Diabetes. Alter und Geschlecht scheinen dabei den Zusammenhang zwischen der Suizidrate und RLS nicht zu beeinflussen. Das Restless-Legs-Syndrom kann bei Menschen jeder Altersgruppe auftreten und somit auch Kinder betreffen.

Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass RLS als Krankheit ein ausschlaggebender Faktor für das Suizidrisiko sowie das Risiko von selbstverletzendem Verhalten von Personen ist. Hier müsse allerdings weiter geforscht werden, schreiben die Studienautoren.

Problem der schwierigen Diagnose

Das Restless-Legs-Syndrom ist selten – aber auch daher, weil es schwer zu diagnostizieren ist. Die Symptome werden oft nicht als solche wahrgenommen, viele Patienten laufen von Arzt zu Arzt und wissen nicht mehr weiter. "Unterschätzt" nennen viele die Krankheit – auch das, was sie offenbar mit der Psyche anstellt. Aber auch Auslöser des Syndroms könnten demnach psychische Erkrankungen sein. Hier sei laut Forschern weitere Forschung dringend nötig, um den Zusammenhang zu verstehen – vor allem aufgrund der schlechten Diagnoserate.

Die Wissenschaftler geben Ärzten nun allerdings den Rat, bei RLS-Patienten vermehrt auf ein möglicherweise erhöhtes Selbstmordrisiko zu achten.

Weiterhin gilt RLS als Risikofaktor zudem für Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Bluthochdruck und Herzinfarkt. Auch in vorherigen Studien wurden bereits Zusammenhänge zwischen RLS und Depression sowie Suizidgedanken geäußert.

Weitere Informationen zu Schlafstörungen finden Sie auf unserer Themenseite.

Woher das Syndrom kommt, weiß man noch nicht. Forscher vermuten allerdings, dass es vorrangig genetisch bedingt ist, aber auch Eisenmangel sowie niedrige Dopaminwerte im Gehirn verantwortlich sein könnten. Die Studie zum Zusammenhang zwischen dem Restless-Legs-Syndrom und einer erhöhten Suizidrate gibt es hier.

Wenn Sie depressiv sind, das Gefühl haben, in einer ausweglosen Lage zu sein oder Suizid-Gedanken haben, zögern Sie nicht, umgehend Hilfe in Anspruch zu nehmen.

Die Hilfsangebote der Telefonseelsorge (www.telefonseelsorge.de) sind jederzeit erreichbar, per Mail, Chat oder Telefon unter der kostenlosen Hotline 0800-1110111 oder 0800-1110222. Dort erhalten Sie Unterstützung von Beratern, die Auswege aus schwierigen Situationen aufzeigen können.

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