09.08.2019

Lymphödem erkennen Wenn Wasseransammlungen zur Qual werden

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Wenn Schwellungen sichtbar werden, ist das Lymphödem meist schon fortgeschritten. Wie Sie es erkennen und was zu tun ist, lesen Sie hier.

Foto: iStock/Motortion

Wenn Schwellungen sichtbar werden, ist das Lymphödem meist schon fortgeschritten. Wie Sie es erkennen und was zu tun ist, lesen Sie hier.

Schwere Beine hat jeder mal, so weit so harmlos. Doch Wasseransammlungen im Körper können Anzeichen eines Lymphödems sein.

Tatsächlich leiden mindestens 120.000 Menschen in Deutschland an Lymphödem, in mehr oder weniger schwerer Ausprägung. Wasseransammlungen in Beinen, Armen oder auch dem Gesicht machen ihnen das Leben schwer. Einerseits schränken Druck und Schmerzen die Beweglichkeit ein, andererseits leidet auch das Selbstbewusstsein, wenn Körperstellen dauernd sichtbar angeschwollen sind. Schuld ist allerdings niemand selbst an seinem Lymphödem.

Ursachen: Woher kommen Lymphödeme?

Die Lymphgefäße verlaufen parallel zu den Arterien und dienen dem Abtransport von Wasser aus dem Körper. Wenn dieser Prozess gestört ist, wird nicht mehr genügend Flüssigkeit ausgeschieden und sammelt sich im Gewebe zwischen den Gefäßen. Spürbare Folgen sind Druckschmerz und Schwellung unter der Haut.

Je nach Grund-Ursache ist ein Lymphödem primär oder sekundär. Ein primäres Lymphödem ist angeboren bzw. vererbt, es betrifft laut der Deutschen Gesellschaft für Lymphologie (DGL) hierzulande rund 40.000 Menschen. Das sekundäre Lymphödem ist häufiger (80.000 Betroffene) und bildet sich erst im Laufe des Lebens durch bestimmte Auslöser wie: Entfernung von Lymphknoten, Strahlentherapie, rheumatische Grunderkrankungen oder bestimmte Infektionen wie Borreliose. Besonders häufig treten Lymphödeme bei Brustkrebspatientinnen durch die Krebsbehandlung auf.

Lymphödem erkennen: Die Stadien im Überblick

Tatsächlich haben viele Menschen ein Lymphödem ohne es zu wissen, in der Anfangsphase hat es kaum Symptome. Doch wenn die Krankheit zu spät entdeckt und behandelt wird, können bleibende Schäden an Haut und Bindegewebe entstehen.

Für einen Arzt – idealerweise mit Kenntnissen in Lymphologie – ist ein Lymphödem meist schon durch das Hautbild und eine Tastuntersuchung zu erkennen. Zum Ausschluss anderer möglicher Ödem-Arten und bösartiger Ursachen dient eine Lymphszintigraphie, bei der abgebildet wird, wie das Lymphsystem arbeitet. Je nachdem, wie viel Schaden schon entstanden ist, gibt es mehrere Lymphödem-Stadien :

Stadium 0: Latentes Ödem

Noch ist das Lymphödem kaum sichtbar und es gibt keine wahrnehmbaren Beschwerden. Aber das lymphatische System kommt bereits ins Stocken. Die Teile, die Gewebeflüssigkeit nicht mehr richtig abbauen, können jedoch noch von gesunden Lymphgefäßen kompensiert werden.

Stadium 1: Reversibles Ödem

Es kommt nun zu kleineren Schwellungen, die sich unter der Haut abzeichnen, allerdings nicht dauerhaft. Diese Flüssigkeitsansammlungen sind weich und beweglich. Wenn das Gewebe entlastet wird, gehen sie wieder völlig zurück, z. B. wenn abends die Beine hochgelegt werden.

Stadium 2: Spontan irreversibles Ödem

Als Reaktion auf die Wassereinlagerungen bildet der Körper überschüssiges Bindegewebe. Die so entstandenen Verhärtungen sind als Dellen unter der Haut spür- und sichtbar. Die Schwellungen werden schmerzhaft und verschwinden nicht mehr von allein. Auch die Hautoberfläche zeigt erste Zeichen, wie Entzündungen und Farbveränderungen.

Stadium 3: Elephantiasis

Wenn das Bindegewebe weiter wuchert und verhärtet, führt das zu beinah unkontrollierbaren Schwellungen. In diesem Stadium ist der Alltag bereits stark beeinträchtigt, etwa die Fähigkeit zu laufen. Die Hautoberfläche ist als Reaktion auf die chronische Entzündung verdickt, die Wundheilung stockt, das Infektionsrisiko steigt.

Behandlung: Kann man Lymphödem heilen?

Leider nicht komplett. Das Lymphödem ist eine chronische Erkrankung, die zwar nicht heil- aber behandelbar ist, umso besser je eher sie erkannt wird. Natürlich muss bei jedem Patienten auch an den individuellen Ursachen gearbeitet werden. Die störenden Symptome kann aber jeder selbst aktiv bekämpfen. Folgende Maßnahmen gelten unter Ärzten als der "Goldstandard" zur Therapie von Lymphödem:

  • Manuelle Lymphdrainage (MLD): Speziell ausgebildete Therapeuten (z.B. Physio) regen in einer Art Tiefenmassage die gestaute Gewebeflüssigkeit zum Abtransport an.
  • Kompressionsbandagierung: Betroffene Stellen werden zunächst in Kompressionsbinden gewickelt, bis die Schwellung zurück geht. Dann werden Kompressionsstrümpfe angepasst.
  • Bewegungstherapie: Spezielle Übungen – erstellt vom Therapeuten – aktivieren die Muskeln und somit die Durchblutung der betroffenen Körperteile. Während der Bewegungstherapie sollten die Kompressionsstrümpfe bzw. -bandagen getragen werden.
  • Hautpflege: Durch ein Lymphödem ist die Haut stark beansprucht und in ihrer Abwehr geschwächt. Sie trocknet schneller aus und entzündet sich leichter, deshalb ist regelmäßige feuchtigkeitsspendende und beruhigende Hautpflege besonders wichtig.

Es gibt also zum Glück einiges, was jeder Betroffene selbst gegen ein Lymphödem tun kann – allerdings sollten alle Maßnahmen immer zuerst mit einem Arzt abgesprochen werden. Mehr Infos gibt's bei der DGL hier nachzulesen.

Im Sommer können geschwollene Füße und Beine übrigens häufig vorkommen – und haben da unterschiedliche Ursachen. Es muss kein Lymphödem dahinterstecken. Auch das Lipödem lässt die Beine und Arme anschwellen – hier liegt der Grund aber in einer krankhaften Fettverteilung.

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