02.08.2019

In Schmuck, Brillen, Essen Nickelallergie: Wo sie lauert, was gegen den Ausschlag hilft

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Bei einer Nickelallergie kommt es meist zu juckendem Ausschlag. Kratzen sollten Sie besser vermeiden. Wie Sie die Kontaktallergie erkennen und was dann zu tun ist, um Ekzeme möglichst zu vermeiden...

Foto: iStock/Tharakorn

Bei einer Nickelallergie kommt es meist zu juckendem Ausschlag. Kratzen sollten Sie besser vermeiden. Wie Sie die Kontaktallergie erkennen und was dann zu tun ist, um Ekzeme möglichst zu vermeiden...

Aus dem Nichts bilden sich juckende Quaddeln am Hals, im Gesicht – Nickelallergie! Der Stoff steckt überall, in Schmuck und sogar Essen.

Die Nickelallergie ist die häufigste Kontaktallergie überhaupt. Das bedeutet, dass die Haut auf eine Substanz allergisch reagiert, mit der sie in Berührung war. Typischerweise zeigt sich das durch Hautrötungen, Ekzeme und Juckreiz. Allerdings ist die Nickelallergie nicht so einfach als Verursacher erkennbar, denn die Symptome treten meistens ein oder zwei Tage später auf, nachdem die Haut mit Nickel in Kontakt kam.

Bei Nickel handelt es sich um ein Metall, das unter der Erdkruste vorkommt und sowohl hart als auch biegsam ist. Deshalb ist es in der Industrieproduktion und für Konsumgüter äußerst beliebt und dementsprechend überall enthalten, z. B. in Modeschmuck, Reißverschlüssen und Knöpfen, Brillengestellen usw.

Das Risiko, eine Überempfindlichkeit gegen etwas zu entwickeln, ist umso höher, je häufiger man dem Stoff ausgesetzt ist. Dementsprechend verbreitet ist Nickelallergie. Laut der gemeinnützigen Allergieforschungsstiftung ECARF haben in Deutschland rund 15 Prozent der Erwachsenen eine Sensibilisierung für Nickel. Nicht bei allen bricht die Nickelallergie aus, aber Symptome einer Kontaktallergie (verschiedener Ursachen) zeigen rund 13 Prozent der Frauen, drei Prozent der Männer und sechs Prozent der Kinder.

Nickelallergie zeigt Symptome juckend und verspätet

Ein Hautarzt oder Allergologe tippt bei einem Ekzem unklarer Ursache oft schon auf Nickelallergie. Ein Allergietest auf der Haut kann dann Aufschluss darüber geben, ob Nickel und ggf. weitere Stoffe die Hautreizungen auslösen. Für den Epikutantest bekommen Patienten für mindestens 48 Stunden ein Pflaster mit Teilchen der verdächtigen Substanz aufgeklebt. Je nachdem, wie die Haut reagiert, erkennt man die Nickelallergie. Symptome, die Betroffene vorher schon selbst wahrgenommen haben, werden leider häufig mit anderen entzündlichen Erkrankungen, wie etwa Neurodermitis, verwechselt. Der Zusammenhang zwischen Ekzem und Nickel-Kontakt ist vielen lange nicht klar, weil die Betroffenen natürlich darauf achten, welchen möglichen Auslösern sie unmittelbar vor der Hautreaktion ausgesetzt waren, die Nickelallergie aber schon Tage zuvor ihren Anfang nahm.

Häufig läuft die Entwicklung des Ekzems in mehreren Stufen hintereinander ab, manche haben auch nur schwächere, stark lokal begrenzte Ausprägungen einer Nickelallergie, z. B. am Ohr, wo Ohrringe mit Nickel getragen wurden. Allgemein sind die Anzeichen eines Kontaktekzems:

  • Rötung und Schwellung der Haut
  • Entstehung von nässenden Bläschen und Quaddeln
  • Jucken und Brennen der Stelle, empfindlich gegenüber Berührung etc.
  • Schuppung des angegriffenen Bereichs
  • Bei anhaltender Reizung dauerhafte Rötung und Verhornung

Versteckte Auslöser der Nickelallergie? Lebensmittel und Co

Tatsächlich befindet sich Nickel nicht nur in offensichtlich metallenen Gegenständen wie Schmuck, sondern auch in unserem Essen. Gerade Menschen mit einer schweren Nickelallergie können Lebensmittel meiden, die besonders viel Nickel enthalten, und erzielen damit manchmal eine Linderung ihrer gesamten Symptome.

Inwieweit Essen zur Nickelallergie beiträgt, oder Darmentzündungen begünstigt, ist unter Medizinern umstritten. Einen wirklichen Test für die sogenannte "Orale Nickelallergie" gibt es nicht. Sie wird nur dann vermutet, wenn schon (nachgewiesenermaßen) eine Kontaktallergie auf Nickel besteht und sich der Ausschlag auch dann nicht bessert, wenn die Haut über Wochen vom Stoff ferngehalten wurde. Dann empfehlen Ärzte und Ernährungsberater oft, ein oder zwei Monate konsequent eine nickelarme Ernährung durchzuhalten, und zu protokollieren, ob und wie sich die Hautsymptome verändern.

Wenn sich die Symptome dann deutlich verbessert haben, würde man dann eine "Provokation" durchführen, um sicher zu gehen, dass wirklich orale Nickelallergie vorliegt. Lebensmittel, die einen besonders hohen Nickelgehalt haben, müssen dann absichtlich vermehrt gegessen werden. Wenn die Beschwerden damit zurückkommen, kann man davon ausgehen, dass zusätzlich zur Kontaktallergie eine orale Nickelallergie vorliegt. Die Lösung kann dann nur sein, dauerhaft die Ernährung umzustellen.

Eine komplett nickelfreie Diät ist aber nicht möglich, das Metall ist in geringen Spuren fast überall enthalten, auch in natürlichen Nahrungsmitteln. Die Erde, in der Gemüse wächst und aus der sich Obstbäume nähren, enthält z. B. Nickel. Eine kurze Übersicht von besonders nickelhaltigen Lebensmitteln:

  • Nüsse
  • Hülsenfrüchte
  • Pilze
  • Spargel
  • Schokolade
  • Blumenkohl
  • Spinat
  • Kartoffeln
  • Vollkornprodukte

Hilfe bei Nickelallergie: Salbe und Vermeidung

Die wichtigste Maßnahme gegen Nickelallergie ist, den Auslöser zu meiden. Ekzeme entstehen da, wo das Metall mit der Haut in Kontakt war, typische Stellen für Nickelallergie sind Ohr, Gesicht, Handgelenk und Hals. Auf verdächte Ohrringe, Uhr etc. muss dann verzichtet werden, damit der Ausschlag abheilen kann und nicht wieder aufflammt. Echtschmuck enthält nur selten und in geringen Mengen Nickel, wenn das Schmuckstück aus einer Legierung von Gold oder Silber gemacht wurde (was aber kaum noch gebräuchlich ist).

Der Hautarzt verschreibt bei Nickelallergie eine Salbe mit Kortison, wenn das Ekzem trotzdem nach mehreren Wochen nicht verschwindet bzw. sich wieder verschlechtert. Daneben kann sich jeder selbst vor Kontaktallergien schützen. Je besser die Hautbarriere ist, desto schwerer fällt es den Allergenen, einzudringen. Deshalb sollte die Haut – auch wenn schon ein Ekzem vorliegt – stets mit reizarmen, feuchtigkeitsspendenden Cremes versorgt werden. Laut ECARF ist mittlerweile auch eine Immuntherapie (wie z.B. die Hyposensibilisierung gegen Heuschnupfen) gegen Nickelallergie in der Test-Phase.

Mehr über Allergien und Intoleranzen gibt's auf unserer Themenseite nachzulesen.

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