26.07.2019

Nicht gleich Parkinson Zittern! Was kann hinter einem Tremor stecken?

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Wenn die Hand plötzlich nicht mehr still hält, denken viele direkt an Parkinson. Dem sogenannten Tremor können aber viele andere Ursachen zugrunde liegen.

Foto: Shutterstock/Orawan Pattarawimonchai

Wenn die Hand plötzlich nicht mehr still hält, denken viele direkt an Parkinson. Dem sogenannten Tremor können aber viele andere Ursachen zugrunde liegen.

Plötzlich zittern die Hände, immer wieder kommen die Anfälle. Das macht vielen Angst. Ein Neurologe erklärt die häufigsten Tremor-Ursachen.

Gerade bei älteren Leuten kennt man zittrige Hände, öfter wird etwas verschüttet, kleine Bewegungen wie zum Öffnen eines Knopfs fallen durch den Tremor (von lat. tremere = zittern) immer schwerer. Allerdings finden sich auch schon viele Jüngere in dieser Situation und machen sich dann meist große Sorgen, fragen sich: Bin ich schwer krank? Wie weit wird das Zittern noch gehen?

Wo kommt ein Tremor her?

Hier erklärt Neurologe Prof. Dr. Klaus Jahn, Chefarzt für Neurologie der Schön Klinik Bad Aibling Harthausen und Tremor-Experte, was in den häufigsten Fällen hinter dem Zittern steckt und wie es behandelt werden kann. Er kann zunächst beruhigen: "Zittern an sich ist eine normale Reaktion des Körpers, wenn der Sympathikus aktiviert ist, also z. B. bei Angst. Tritt der Tremor häufiger oder sogar dauerhaft auf, hat das andere Ursachen."

Der Sympathikus ist Teil des vegetativen Nervensystems, durch das gesteuert wird, was im Körper "automatisch" abläuft. Bei Stress, Angst etc. versetzt der Sympathikus den Körper in den bekannten Kampf-oder-Flucht-Modus, also in Alarmbereitschaft. Die Folgen sind z. B. schnellerer Herzschlag und in Folge der überschießenden Nervenimpulse kann es auch zu Zittern kommen. Deshalb ist Tremor auch bei Menschen mit Angst- und Panikstörungen nicht selten. In diesen Fällen ist aber die Psyche die Ursache der körperlichen Reaktion. Die häufigsten körperlichen Ursachen für Tremor sind laut Prof. Jahn:

Essentieller Tremor als vererbtes Leiden

Essentieller Tremor – ein Zittern, das auf eine genetische Veranlagung zurückgeht. Es sind mehrere Menschen in der Familie betroffen und meistens tritt der Tremor in der zweiten Lebenshälfte, ab dem 40. Lebensjahr, zum ersten Mal auf. Als erstes werden oft die zitternden Hände wahrgenommen, etwa wenn beim Eingießen der Kaffeetasse etwas verschüttet wird. Das Zittern wird mit Bewegung stärker und nimmt auch mit dem Alter zu.

Prof. Jahn: "An sich ist essentieller Tremor nicht gefährlich, d. h. es werden keine Nervenzellen geschädigt. Allerdings kann das Zittern sehr belastend sein, wenn dadurch alltägliche Tätigkeiten beeinträchtigt sind, z. B. Schreiben oder Zähneputzen. Dann ist es ratsam, den Tremor zu behandeln, was auch effektiv möglich ist."

Achtung: Essentieller Tremor wird oft schwächer, wenn Alkohol getrunken wird. Es ist aber völlig falsch, das Zittern mit Alkoholkonsum selbst "heilen" zu wollen. Es drohen Schäden durch das Trinken, die letztendlich den Tremor noch verschlimmern und natürlich die besonders hohe Gefahr in eine Sucht abzurutschen. Was der Experte zur Tremor-Behandlung rät:

Betablocker – also Mittel gegen zu hohen Blutdruck, sie wirken beruhigend auf das Nervensystem und können bei vielen Menschen das Zittern zum Verschwinden bringen oder immerhin stark reduzieren. "In extremeren Fällen rate ich zur Tiefen Hirnstimulation, auch 'Hirnschrittmacher' genannt. Winzige Elektroden aktivieren dabei die entscheidenden Regionen in beiden Gehirnhälften", so Prof. Jahn.

Parkinson als Auslöser für Zittern

Parkinson – In selteneren Fällen steckt hinter Zittern die Parkinson-Erkrankung, auch Schüttellähmung genannt. Auch sie tritt meist in der zweiten Lebenshälfte zum ersten Mal auf. Im Gegensatz zum essentiellen Tremor, zeigen sich Parkinson-Symptome vor allem im Ruhezustand und werden bei Bewegung besser. Außerdem ist das Zittern typischerweise einseitig, also z. B. nur eine Hand oder eine Körperseite zittert. Parkinson wird durch das Absterben von Nervenzellen ausgelöst und kann nicht an sich geheilt werden. Allerdings kann mit einer Parkinson-Behandlung das Fortschreiten der Erkrankung aufgehalten und die Auswirkungen eingedämmt werden.

Prof. Jahn: "Bei Parkinson ist der Botenstoff Dopamin im Gehirn nicht mehr ausreichend vorhanden, daher helfen Medikamente, die den Dopamin-Spiegel wieder erhöhen. Neben dem Tremor verbessert das auch weitere Parkinson-Symptome, wie verlangsamte Bewegungen, schleppender Gang, psychische Erschöpfung oder auch Verkleinerung der Handschrift. Bei wem diese medikamentöse Behandlung nicht in Frage kommt oder nicht ausreichend anschlägt, könnte ebenfalls die Tiefe Hirnstimulation helfen."

Seltenere Tremor-Ursachen sind beispielsweise Nebenwirkungen von Medikamenten, Schwankungen des Blutdrucks und Blutzuckerspiegels und seltene Stoffwechselerkrankungen.

Wann mit Zittern zum Arzt?

"Ein Arzt sollte beim Auftreten von Tremor – typischerweise zunächst das Hände-Zittern – dann aufgesucht werden, wenn sich die Betroffenen davon beeinträchtigt fühlen. Häufig ist nicht so sehr das Zittern an sich störend, aber es entstehen große Ängste", so Prof. Jahn. Da Parkinson und seine Symptome vielen bekannt sind, befürchten die viele Menschen mit Tremor, es handele sich darum. Das kann natürlich sein, allerdings sind andere, harmlosere Tremor-Ursachen viel häufiger. Ein Neurologe kann dies diagnostizieren und kennt die möglichen Behandlungswege.

Mehr über Prof. Dr. Jahn und die Tremor-Behandlung finden Sie hier.

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