12.07.2019

Wenn die Stimme wegbleibt… Woran Sie Kehlkopfkrebs erkennen

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Kehlkopfkrebs lässt sich nur in wenigen Fällen ertasten. Wie Sie die eher unspezifischen Symptome richtig deuten, verrät unser Experte.

Foto: Shutterstock/GBALLGIGGSPHOTO

Kehlkopfkrebs lässt sich nur in wenigen Fällen ertasten. Wie Sie die eher unspezifischen Symptome richtig deuten, verrät unser Experte.

Kehlkopfkrebs bleibt lange unentdeckt, denn die Symptome sind subtil. Wer regelmäßig raucht und trinkt sollte besonders achtsam sein.

Der häufigste Krebs im Kopf-Halsbereich ist der Kehlkopfkrebs, in Deutschland erkranken jährlich etwa 4000 Menschen daran, der Großteil Männer. Allerdings steigt die Zahl der weiblichen Betroffenen stetig, denn die beiden Hauptrisikofaktoren Trinken und Rauchen haben in den letzten Jahrzehnten bei Frauen zugenommen.

Kehlkopfkrebs-Symptome sind oft unspezifisch, Heiserkeit etwa wird für eine verschleppte Erkältung gehalten, ein Kloß im Hals für ein vorrübergehendes Problem. Umso eher die Krankheit erkannt wird, desto besser sind die Erfolgsaussichten der Behandlung und auch die Chancen, schwere Folgen wie Stimmverlust zu vermeiden. Hier erklärt Prof. Dr. Jens E. Meyer, HNO-Arzt und Spezialist für Kopf- und Halschirurgie der Asklepios Klinik St. Georg in Hamburg, auf welche Anzeichen Sie achten müssen, was die Hauptursachen für Kehlkopfkrebs sind und wie er behandelt wird.

Was löst Kehlkopfkrebs aus?

Prof. Meyer: "Die größten Risikofaktoren für Kehlkopfkrebs sind Rauchen und Trinken. Nikotin und Alkohol sind Zellgifte, die vom Moment der Aufnahme wirken, also auch im Mund- und Halsbereich. Im Speichel und im Schleim sind diese Schadstoffe gelöst und die Schleimhäute werden geschädigt. In manchen Fällen sind auch Humane Papillomviren (HPV) der Auslöser. Ein Kehlkopfkrebs entwickelt sich langsam und tritt oft erst 15 bis 20 Jahre, nachdem das schädliche Verhalten begonnen wurde bzw. die Infektion erfolgte, auf."

Wie zeigen sich Kehlkopfkrebs-Symptome?

Prof. Meyer: "Der Kehlkopf in der Mitte des Halses hat eine Ventilfunktion und stellt die Verbindung zwischen Rachen und Luftröhre dar. Kehlkopfkrebs zeigt erste Symptome je nachdem, wo sich der Tumor befindet."

  • In etwa 70 Prozent der Fälle sitzt der Tumor im Bereich der Stimmbänder. Dann zeigt sich die Erkrankung meistens als erstes durch anhaltende Heiserkeit oder das häufige Bedürfnis sich zu räuspern. Wer solche Beschwerden länger als 14 Tage hat, sollte sich beim HNO-Arzt untersuchen lassen.
  • In 25 – 27 Prozent der Fälle entwickelt sich der Krebs am oberen Teil des Kehlkopfes. Wenn der Tumor dann den Luft- oder Speiseweg einengt, kommt es zu Atem- und Schluckbeschwerden, wie häufiges Verschlucken mit Hustenanfällen, einem Fremdkörpergefühl im Hals oder schlimmstenfalls auch zur Luftnot. Diese Kehlkopfkrebs-Symptome sind meist erst wahrnehmbar, wenn das Tumorwachstum schon fortgeschritten ist.
  • In einigen Fällen macht sich Kehlkopfkrebs aber erst bemerkbar, wenn sich schon Metastasen gebildet haben. Die Betroffenen bemerken dann oft einen tastbaren Knoten am Hals.

Wie bei den meisten Tumorerkrankungen verursacht Kehlkopfkrebs zunächst keine Schmerzen, was die frühe Entdeckung erschwert.

Funktioniert die Behandlung von Kehlkopfkrebs ohne Chemo?

Prof. Meyer: "Die Behandlung von Kehlkopfkrebs richtet sich nach verschiedenen Faktoren. Natürlich muss zunächst der Nikotin- und Alkoholkonsum eingestellt werden. Je nachdem in welchem Stadium sich die Erkrankung befindet, kommen Operation, Strahlentherapie und Chemotherapie, bzw. eine Kombination, in Frage.

Bei Krebs gibt es vier Tumorstadien, in Stadium eins bis drei reicht bei Kehlkopfkrebs oft, das betroffene Gewebe chirurgisch zu entfernen. Das kann danach nach Bedarf mit Bestrahlung und / oder Chemotherapie ergänzt werden. Nur in seltenen Fällen ist eine OP nicht möglich oder nicht sinnvoll. Die neuartigen Antikörper-Therapien werden derzeit bei Kehlkopfkrebs nur in Rückfällen ausprobiert, wenn der Krebs innerhalb von fünf Jahren wieder auftritt."

Verliert man durch Kehlkopfkrebs die Stimme?

Prof. Meyer: "Mittlerweile gibt es große Fortschritt bei den Operationsmethoden für Kehlkopfkrebs. In vielen Fällen kann durch präzise und minimal invasive Eingriffe der Kehlkopf und auch seine Funktion erhalten werden. Viele assoziieren mit Kehlkopfkrebs immer noch automatisch, dass die Fähigkeit zu sprechen komplett verloren geht. Durch Anspannung und Entspannung der Stimmlippen ermöglicht der Kehlkopf das Sprechen. Dieser Mechanismus kann mittlerweile selbst bei Komplett-Entfernung in vielen Fällen durch den Einsatz einer Stimmprothese nachgebildet werden, wenngleich das auch nicht immer dem vorherigen Zustand entspricht."

Was kann jeder zur Prävention von Kehlkopfkrebs tun?

Prof. Meyer: "Für die Prävention von Kehlkopfkrebs sind folgende Maßnahmen ausschlaggebend: Zigaretten- und Alkoholkonsum einstellen oder immerhin einschränken. Außerdem schützt eine Impfung gegen HP-Viren in den Fällen, in denen Kehlkopfkrebs von diesen Erregern ausgelöst wird. Deshalb macht generell eine Impfung von Mädchen und Jungen Sinn, da die Viren über Sexualkontakt übertragen werden und neben dem bekannten Gebärmutterhalskrebs eben auch Tumore im Kopf- und Halsbereich auslösen können."

Krebserkrankungen können fast im ganzen Körper auftreten, haben verschiedenste Ursachen und immer unterschiedliche Heilungsprognosen. Mehr zum Thema Krebs und Krebsarten lesen Sie auf unserer Themenseite.

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