05.07.2019

Wirbelgelenke als Ursache Wie das Facettensyndrom Rückenschmerzen auslöst

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Pulsierende Schmerzen in der Lendenwirbelsäule – oder seltener auch in der Halswirbelsäule? Da könnte das Facettensyndrom hinter stecken. Und das ist zwar wenig bekannt, tritt aber häufiger auf, als Sie denken.

Foto: iStock/PORNCHAI SODA

Pulsierende Schmerzen in der Lendenwirbelsäule – oder seltener auch in der Halswirbelsäule? Da könnte das Facettensyndrom hinter stecken. Und das ist zwar wenig bekannt, tritt aber häufiger auf, als Sie denken.

Wenn der Schmerz in den Rücken fährt, denken viele: Bandscheibe! Dahinter steckt aber häufig auch das Facettensyndrom, das weniger bekannt ist.

Rückenleiden sind eine wahre Volkskrankheit, praktisch jeder leidet in seinem Leben einmal daran. Sie sind der häufigste Grund für Krankschreibungen und können, wenn nicht richtig behandelt, sogar bis zur Schwerbehinderung führen. Dass etwa 40 Prozent der Rückenschmerzen-Fälle mit dem Facettensyndrom zusammenhängen, ist aber kaum bekannt. Wir erklären Symptome, Ursachen und Behandlung des schmerzhaften Phänomens.

Haupt-Symptom beim Facettensyndrom: Rückenschmerzen!

Beim Facettensyndrom (auch Wirbelgelenkarthrose genannt) pulsiert meist am unteren Rücken ein dumpfer Schmerz, strahlt kreisförmig aus. Jede Berührung schmerzt, die betroffenen Bereiche sind sehr druckempfindlich. Die Rückenschmerzen können beim Umdrehen im Bett genauso auftreten, wie bei den ersten Schritten nach dem Aufstehen, oft fühlt sich die Wirbelsäule morgens regelrecht steif an.

Bei vielen Betroffenen werden die Beschwerden zum Abend hin schlimmer, vor allem, wenn sie viel auf den Beinen waren. Auch ein Wetterwechsel in Richtung Kälte und Nässe kann beim Facettensyndrom die Probleme auslösen. Hier erklärt Orthopäde Dr. Reinhard Schneiderhan, wie die Schmerzzustände entstehen.

Facettensyndrom: Ursache steckt zwischen den Wirbeln

"Beim Facettensyndrom handelt es sich um arthrotische Veränderungen an den kleinen Wirbelgelenken rechts und links der Wirbelsäule“, sagt Dr. Schneiderhan. Der Rücken-Experte behandelt in seiner Münchner Praxis regelmäßig Menschen, die wegen ihrer Rückenschmerzen zu ihm kommen und noch nie vom Facettensyndrom gehört haben. Viel bekannter ist der Bandscheibenvorfall . Er kann vom Facettensyndrom ausgelöst werden, und andersherum können die Facettengelenke durch geschädigte Bandscheiben belastet werden. Es besteht folgender Unterschied:

  • Bandscheibenvorfall: Die Bandscheiben sind sozusagen die Stoßdämpfer der Wirbelsäule. Die elastischen Scheiben liegen zwischen den Wirbeln und nutzen sich durch Belastung ab. Das kann dazu führen, dass die Bandscheibe hervortritt und aufs Rückenmark drückt, was u.a. Schmerzen und Taubheit zur Folge haben kann.
  • Facettensyndrom: Es ist ein Verschleiß der winzigen Knochenfortsätze, die die einzelnen Wirbel miteinander verbinden. Da sich die Wirbelgelenke nach und nach abnutzen, kann auch der Knorpel Schaden nehmen. Dadurch verliert das gesamte Aufrichtesystem an Stabilität.

"Der Körper versucht das auszugleichen, baut Knochenmasse an den Gelenkrändern auf, um eine zusätzliche Stabilität zu erreichen", sagt Dr. Schneiderhan. "Als Folge entzünden sich die Gelenkkapseln. Sie schwellen an und genau das verursacht dann Schmerzen." Meist ist der untere Bereich der Wirbelsäule betroffen, weil dort die Belastung am größten ist. Manchmal tritt das Leiden aber auch an der Halswirbelsäule auf. Unbehandelt drohen nicht nur ebenfalls schmerzende Muskelverspannungen, sondern auch eine Spinalkanalstenose – eine Verengung des Kanals, in dem das Rückenmark verläuft.

Diagnose und Behandlung des Facettensyndroms

Ein Orthopäde kann die druckempfindlichen Bereiche entlang der Wirbelsäule schnell ertasten. Der Einsatz bildgebender Verfahren sei aber ebenfalls nötig, um zu sehen, wie weit eine eventuelle Arthrose schon fortgeschritten ist, so Dr. Schneiderhan.

  • Zur akuten Behandlung rät er: "In der Frühphase der Erkrankung kann es ausreichen, entzündungshemmende und muskelentspannende Medikamente zu verabreichen. Auch so genannte Infiltrationen mit einem kortisonhaltigen Lokalanästhetikum können helfen."
  • Langfristig hilft aber nur eines: Muskeln aufbauen! "Sollte die Akut-Maßnahmen ausreichen, die Beschwerden zu bekämpfen, ist es ganz wichtig, dass Patienten regelmäßig die Muskulatur trainieren. Nur ein ausreichend stabiles Muskelkorsett kann verhindern, dass es zu einem erneuten Facettensyndrom kommt," stellt der Experte klar.

Facettensyndrom: Operation kann sinnvoll sein

Bei einen schon weiter fortgeschrittenen Facettensyndrom kann laut Dr. Reinhard Schneiderhan ein minimal-invasiver Eingriff nötig sein. Er erklärt ein Verfahren, das er anwendet: "Bei der so genannten Thermokoagulation führen wir eine Thermosonde bis hin zur Schmerzfaser. Dort angelangt geben wir zunächst ein Betäubungsmittel. Dann erhitzen wir die Sondenspitze auf bis zu 80 Grad und veröden die Schmerzfaser, die das Wirbelgelenk versorgt. So ist es möglich, die Schmerzleitung zu unterbrechen. Bereits vorliegende Verknöcherungen können außerdem mit feinen Mikroinstrumenten abgetragen werden."

Neben den modernen Maßnahmen der Orthopädie kann jeder selbst viel tun, um ein Facettensyndrom zu lindern und vor allem gar nicht erst auftreten zu lassen. In unseren Themenschwerpunkt zu Rückenschmerzen und Sport und Fitness: Bleiben Sie geschmeidig! bekommen Sie wertvolle Tipps, um Ihren Rücken stark und beweglich zu erhalten.

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