14.06.2019

Hyperazidität und ihre Folgen Hilfe, ist mein Magen übersäuert?

Von

Schmerzen nach fettigem Essen, Übelkeit und Sodbrennen können auf eine Magenübersäuerung, medizinisch Hyperazidität, hinweisen.

Foto: iStock/Piyapong Thongcharoen

Schmerzen nach fettigem Essen, Übelkeit und Sodbrennen können auf eine Magenübersäuerung, medizinisch Hyperazidität, hinweisen.

Von Sodbrennen und Aufstoßen bis zu Schmerzen und Erbrechen – Magenübersäuerung ist auf viele Arten quälend. Ist Hyperazidität auch gefährlich?

Tatsächlich haben wir alle reichlich Salzsäure im Magen, der Körper bildet sie, um Nahrung verdauen und Keime abtöten zu können. Wieviel die Zellen der Magenschleimhaut davon produzieren, hängt u. a. davon ab, was und wie viel wir essen und trinken, welche Medikamente wir nehmen, ob wir gestresst sind oder nicht. Es kann also zahlreiche mögliche Gründe geben, warum es zu einer Magenübersäuerung (Fachbegriff: Hyperazidität) kommt.

Wenn der Körper nur kurzzeitig aus dem Gleichgewicht gerät und zu viel Magensäure produziert, ist das meistens kein Problem und wird wahrscheinlich nicht einmal bemerkt. Richtig unangenehm und auch schädlich ist hingegen eine dauerhafte Hyperazidität. Sie kann unbehandelt bleibende Schäden an der Magenschleimhaut verursachen und damit u. a. zu Magenschleimhautentzündung sowie Magengeschwüren oder Refluxkrankheit führen. Deshalb ist es wichtig, eine Magenübersäuerung schnell zu behandeln und das Wiederauftreten zu verhindern.

Magenübersäuerung: Symptome ähnlich wie Magenschleimhautentzündung

Eine chronische Magenübersäuerung macht sich durch verschiedene Beschwerden bemerkbar. Hyperazidität-Symptome sind vor allem:

  • Druck- und Völlegefühl im Magen
  • Bauchschmerzen
  • Übelkeit bis hin zum Erbrechen
  • Sodbrennen und saures Aufstoßen
  • Appetitlosigkeit

All diese Beschwerden können allerdings auch andere Ursachen als eine Hyperazidität haben. Sie treten z. B. auch bei einer akuten Magenschleimhautentzündung (Gastritis) oder einem Zwölffingerdarmgeschwür (Ulcus duodeni) auf. Ein Facharzt für Gastroenterologie kann durch verschiedene Untersuchungen herausfinden, was genau hinter den Qualen steckt.

So wird Hyperazidität diagnostiziert

Für die Diagnose der Hyperazidität sind verschiedene Komponenten wichtig. Der Betroffene muss dem Arzt möglichst genau von seinen Beschwerden, ihrer Dauer, seinen Ess- und Lebensgewohnheiten berichten. Diese Informationen geben schon wertvolle Hinweise, wie wahrscheinlich eine Magenübersäuerung ist. Sie ist jedoch eine Ausschlussdiagnose, wofür weitere Untersuchungen nötig sind. Dies geschieht in der Regel durch eine Magenspiegelung (Gastroskopie).

Eine Magenspiegelung kann meist ambulant durchgeführt werden. Man bekommt eine örtliche Betäubung der Speiseröhre und ein Beruhigungsmittel. Dann führt der Arzt einen biegsamen Schlauch (Endoskop) mit einer Kamera vom Mund bis in den Magen. Dadurch kann er den Zustand des Magens und Zwölffingerdarms beurteilen und auch Gewebeproben entnehmen. Hiermit lässt sich u.a. eine Magenschleimhaut- oder Zwölffingerdarmentzündung feststellen oder ausschließen.

Weitere mögliche Tests können für das Bakterium Helicobacter pylori oder eine Refluxkrankheit gemacht werden. Bei einer sog. 24-Stunden-pH-Metrie wird über einen Tag mit einer kleinen Sonde die Säurekonzentration in der Speiseröhre gemessen. Zeigt sich ein Rückfluss sauren Mageninhalts in die Speiseröhre, ist das ein Hinweis auf die Refluxkrankheit. Sie kann auch durch Hyperazidität ausgelöst worden sein.

Magenübersäuerung: Ursachen sind vielfältig

Warum die Magensäure-Produktion aus dem Gleichgewicht geraten ist, lässt sich kaum einwandfrei feststellen. Es gibt allerdings einige bekannte Risikofaktoren für Hyperazidität, die Betroffene aktiv beeinflussen können. Folgende Faktoren führen häufig zur Magenübersäuerung:

  • Ernährung: Wer sich vor allem von fettreichen Lebensmitteln ernährt und große Portionen auf einmal isst, mutet seinem Körper einiges zu. Fette werden – anders als etwa Kohlenhydrate – schon zu einem beträchtlichen Teil im Magen aufgespalten. Um die plötzlich auftretende Menge an zu verdauenden Fetten zu bewältigen, wird mehr Magensäure gebildet.
  • Alkohol, Zigaretten und Kaffee: Sie sind wohl die liebsten Genussgifte, aber leider – vor allem im Übermaß – auch Gift für die Magen-Gesundheit. Alkohol, Nikotin und Kaffee kurbeln die Produktion von Salzsäure an, vor allem der Konsum großer Mengen, über längere Zeit und in Kombination führt schnell zur Magenübersäuerung.
  • Bestimmte Medikamente: Verschiedene (auch rezeptfreie!) Wirkstoffe können sich sehr negativ auf den Magen auswirken. Die weit verbreiteten Schmerzmittel aus der Gruppe der NSAR (Nichtsteroidale Antirheumatika) – z. B. Diclofenac, Aspirin, Ibuprofen – hemmen die Produktion von körpereigenen Stoffen, die die Magensäure neutralisieren. Auch Kortison kann zu Hyperazidität führen.
  • Stress: Großen Stress nimmt der Körper als potentiell gefährliche Situation wahr und verfällt in den "Angriff- oder Fluchtmodus". Dabei werden einige Körperbereiche schwächer durchblutet, darunter Magen und Darm. Die Verdauung stockt, die Produktion von Magensäure nimmt zunächst ab, schießt dann aber als Gegenreaktion übermäßig in die Höhe. Konstanter Stress kann so auf den Magen schlagen.

Daneben gibt es noch seltenere Ursachen für Hyperazidität, wie z. B. ein Befall der Magenschleimhaut mit dem Bakterium Helicobacter pylori. Es ist auch für manche Fälle der Magenschleimhaut- und Zwölffingerdarmentzündungen verantwortlich. Der Arzt kann es durch einen Test ausschließen.

Magenübersäuerung – was hilft?

Die Behandlung von Hyperazidität richtet sich vor allem nach den wahrscheinlichen Ursachen. Logischerweise sollte je nachdem auf Alkohol, Nikotin und Kaffee oder problematische Medikamente verzichtet und die Ernährung geändert werden. Dabei empfehlt es sich, auf sehr fettiges und scharfes Essen zu verzichten und zu leicht verdaulicher Kost zu greifen, etwa Haferflocken, Gemüse, Reis und Kartoffeln. Daneben gibt es Medikamente, die die Produktion von Magensäure eindämmen, z. B. Protonenpumpenhemmer oder H2-Blocker. Lassen Sie sich von Ihrem Arzt beraten, welche Präparate für Sie in Frage kommen.

Und natürlich gilt: Stress reduzieren! Die täglichen Herausforderungen, Zeitdruck und schwierige Situationen kann man nicht einfach wegzaubern. Aber jeder kann sich kleine Momente für sich nehmen und die Fähigkeit zu entspannen trainieren, etwa durch Meditation oder Atemübungen. Stressreduktion lohnt sich schließlich nicht nur, um Magenübersäuerung zu behandeln, sondern senkt auch das Risiko für viele weitere gesundheitliche Probleme.

Auch mit einem natürlichen Schutzprogramm können Sie den Magen beruhigen.

Seite

Die neuesten Videos von BILD der FRAU

Beschreibung anzeigen