24.05.2019

Alarm-Zeichen des Körpers Lymphknoten geschwollen – was kann das sein?

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Geschwollene Lymphknoten sind meist harmlos, können aber auf ernsthafte Probleme hinweisen. Geht die Schwellung nicht zurück, lassen Sie Ihren Arzt nachschauen.

Foto: iStock/FatCamera

Geschwollene Lymphknoten sind meist harmlos, können aber auf ernsthafte Probleme hinweisen. Geht die Schwellung nicht zurück, lassen Sie Ihren Arzt nachschauen.

Ist ein Lymphknoten geschwollen, bekommen viele gleich Angst vor Krankheiten wie Krebs. Die sog. Lymphadenopathie kann einige Ursachen haben.

Plötzlich ertastet man einen Knubbel, der vorher nicht da war, meistens am Hals, unter den Achseln, oder an der Leiste. Ein Anlass zur Sorge? Jein. Lymphknoten im Normalzustand sind nicht spürbar und fallen nicht auf. Sie befinden sich überall im Körper und sind wichtige Stationen unseres Immunsystems, denn sie beinhalten Zellen, die der Immunabwehr dienen. Wenn die Lymphknoten geschwollen sind, ist das ein Zeichen, dass sich die Zellen vermehren, also der Körper gegen etwas kämpft. Lymphadenopathie ist allerdings keine Krankheit an sich. Aber wann muss man zum Arzt?

"Ein Lymphknoten, der nach ein bis zwei Wochen nicht abschwillt oder sich sogar vergrößert, ist etwas, das unbedingt abgeklärt werden sollte", erklärt Prof. Dr. Ahmet Elmaagacli, Chefarzt der Hämatologie, Onkologie und Stammzelltransplantation der Asklepios Klinik St. Georg in Hamburg. Vor allem, wenn man selbst bemerkt, dass der geschwollene Lymphknoten wächst, sollte man nicht zögern und sofort zum Hausarzt. In Panik braucht aber niemand zu verfallen.

Wie findet man heraus, warum die Lymphknoten geschwollen sind?

Prof. Elmaagacli: "Es können ganz banale Infekte sein, gerade bei Kindern kommt es sehr häufig vor, wenn sie z. B. eine Mandelentzündung und Halsschmerzen haben, dass in der Region der Mandeln als Reaktion die Lymphknoten am Hals angeschwollen sind. An sich ist das nichts Schlimmes, die Lymphknoten bleiben geschwollen solange der Infekt anhält."

Gerade bei Jugendlichen handele es sich häufig um das Pfeiffersche Drüsenfieber als Ursache für Lymphadenopathie. Die Infektion kommt vor allem bei unter 30-Jährigen häufig vor, das Virus verbreitet sich unter anderem über die Lymphbahnen im Körper. Bei Erwachsenen ist es zwar weniger häufig der Fall, dass bei einer Infektion mit Viren oder Bakterien auch die Lymphknoten geschwollen sind, aber eine bösartige Erkrankung ist nicht als erstes zu vermuten.

"Um herauszufinden, ob mehr dahintersteckt, betrachtet ein Arzt zunächst das Gesamtbild. Dabei ist unter anderem wichtig: Sind nur an einer oder mehreren Körperstellen Lymphknoten geschwollen? Wie ist der allgemeine Gesundheitszustand? Gibt es einen dazu passenden Infekt oder eine Wunde?", erklärt Prof. Elmaagacli.

Einfache Bluttests helfen dem Arzt dabei, Infekte zu bestätigen. Ist dies nicht der Fall und die Schwellung bleibt länger als insgesamt drei Wochen bestehen oder verschlimmert sich sogar, rät Prof. Elmaagacli zur Biopsie. Dafür wird der Lymphknoten operativ entfernt und im Labor untersucht, um herauszufinden, ob sich bösartige Zellen vermehrt haben, also Krebs bzw. ein sogenanntes malignes Lymphom vorliegt.

Was passiert, wenn es Lymphdrüsenkrebs ist?

"Es gibt viele verschiedene Formen von Lymphdrüsenkrebs. Sie können sie z. B. danach unterscheiden, wie schnell und heftig sich Symptome zeigen. Aggressive, schnell wachsende Lymphome haben oft früh Begleiterscheinungen wie schlechten Allgemeinzustand, Fieber und Gewichtsverlust ohne offensichtlichen Grund. Daneben gibt es aber auch ganz langsam wachsende Formen, die zum Teil Monate oder Jahre unbemerkt bleiben", so der Experte, der auf die Behandlung von bösartigen Lymphomen spezialisiert ist.

Selbst wenn die Diagnose Lymphdrüsenkrebs ist, kann das also bedeuten, dass erstmal nur weiter beobachtet wird oder nur eine lokale Bestrahlung notwendig ist, falls nur ein Lymphknoten betroffen ist und es sich um eine langsam wachsende Form handelt. Wie bei allen Krebsarten sind die Heilungschancen umso größer, je eher die Krankheit entdeckt wird. Auch für die Behandlungsmöglichkeiten macht Prof. Elmaagacli Hoffnung:

"Wir haben heutzutage viele Möglichkeiten zur Behandlung, vor allem Chemo- und Immuntherapie. Ist das Lyphom nicht nur an einer Stelle und / oder eine aggressive Form, würde man sich für eine Chemotherapie entscheiden, die den ganzen Körper von bösartigen Zellen befreit. Immuntherapie hilft zusätzlich um den Therapieerfolg zu vergrößern."

Weitere Informationen zur Behandlung von Lymphdrüsenkrebs und Lymphadenopathie allgemein, sehen Sie im Video-Interview von Asklepios mit Prof. Elmaagacli:

Asklepios: Lymphadenopathie und Lymphdrüsenkrebs

Andere Ursachen für geschwollene Lymphknoten

Weitere seltenere Ursachen für eine Lymphknotenvergrößerung können laut Prof. Elmaagacli sein: Autoimmunerkrankungen wie ein systemischer Lupus erythematodes oder Rheuma der Gelenke (rheumatoide Arthritis), Gefäßerkrankungen (Kawasaki-Syndrom vor allem bei Kindern). Auch bei seltenen gutartigen Erkrankungen können die Lymphknoten geschwollen sein, wie z. B. Sinushistiozytose mit Lymphadenopathie bei Kindern und Jugendlichen.

Es kann also viele verschiedene Ursachen haben, wenn die Lymphknoten geschwollen sind, niemand sollte gleich vom Schlimmsten ausgehen und etwa gar aus Angst einen Arztbesuch vermeiden. Lymphadenopathie trifft die meisten mal und verschwindet oft so schnell wie sie gekommen ist. Wenn nicht, zögern Sie nicht, Ihren Hausarzt um Rat zu fragen.

Mehr zu unserem Experten erfahren Sie auf der Seite der Asklepios Klinik.

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