15.05.2019

Leitlinien veröffentlicht Demenz vorbeugen: Das empfiehlt die WHO!

Immer in Bewegung bleiben, und zwar auch schon in jungen Jahren: Das ist eine der Leitlinien der WHO, die dabei unterstützen sollen, Demenz vorzubeugen. Denn die Zahlen und Prognosen sind alarmierend...

Foto: iStock/Rido

Immer in Bewegung bleiben, und zwar auch schon in jungen Jahren: Das ist eine der Leitlinien der WHO, die dabei unterstützen sollen, Demenz vorzubeugen. Denn die Zahlen und Prognosen sind alarmierend...

Allein in Deutschland leiden fast zwei Millionen Menschen an einer diagnostizierten Demenzerkrankung – Tendenz steigend. Erstmals hat die WHO jetzt Leitlinien veröffentlicht. So sollen Bürger endlich Anhaltspunkte bekommen, wie sie der unheilbaren Erkrankung vorbeugen können.

Die Zahl der Demenzkranken wird in den kommenden Jahren weiter steigen. Das liegt zum einen an der demografischen Entwicklung in Deutschland – wir werden im Durchschnitt immer älter –, aber auch an unserem Lebensstil. Demenz ist bisher nicht heilbar, doch wir können uns durch bestimmte Maßnahmen vor der fortschreitenden Erkrankung schützen. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat daher nun erstmals Leitlinien zum Vorbeugen von Demenz und Alzheimer vorgestellt.

Leitlinien gegen Demenz: Die Inhalte sind eigentlich bekannt

Wer sich diese Leitlinien einmal genauer ansieht, wird zunächst nichts Neues erkennen. Ein Heilmittel oder ein Wundermittel gegen Demenzerkrankungen wie Alzheimer gibt es noch immer nicht. Auch wird sich die Krankheit mit Einhalten der Leitlinien nicht ausmerzen oder verhindern lassen – zu vielseitig sind die Gründe. Und die wiederum sind bis heute nicht vollständig erforscht.

Dennoch: Wer sich an die Vorschläge der WHO hält, kann sein Demenz-Risiko signifikant verringern – genetische Veranlagung einmal außen vorgelassen.

Bewiesen ist aber, dass sich ein gesunder Lebensstil mit viel Bewegung, ausgewogener Ernährung und vor allem dem Verzicht aufs Rauchen und am besten auch auf Alkohol auf die Entwicklung des Gehirns im Alter auswirkt. Und nicht nur das: Auch Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Bluthochdruck sowie Diabetes und Übergewicht kann so Einhalt geboten werden. Zu diesen heute sehr häufigen "Volksleiden" stellt die WHO auch einen Zusammenhang mit Demenz her. Wer sich an die Leitlinien hält, kann so also gleich mehrere Fliegen mit einer Klappe schlagen.

Staaten und Gesundheitswesen sind gefragt

Allerdings sind die Demenz-Leitlinien nicht nur ein Aufruf an die Bevölkerung selbst, sondern vor allem auch an die Staaten und an das Gesundheitswesen weltweit. Denn nicht nur Deutschland ist mit rund 1,7 Millionen Patienten betroffen. Im Alter der 85-89-Jährigen leidet laut Deutscher Alzheimer Gesellschaft jeder Vierte an Demenz. Weltweit gelten rund 50 Millionen Menschen als Demenz- oder Alzheimerpatienten.

Zudem schätzt der Generaldirektor der WHO, Tedros Adhanom Ghebreyesus, dass die Zahl der Patienten in den nächsten 30 Jahren signifikant steigen wird – auf vermutlich das Dreifache. Dazu hält er fest: "Wir müssen alles tun, um unser Risiko für Demenz zu verringern", und hat eine einfache Formel an der Hand: Was gut ist für das Herz, ist auch gut für das Hirn.

Dafür muss aber auch von Staatsseite eine gute Versorgung und vor allem viel Aufklärung erfolgen. Mit ihren Leitlinien appelliert die WHO regelmäßig dafür.

"Ein körperlich aktiver Lebensstil ist verbunden mit der Gesundheit des Gehirns"

Die Demenz-Leitlinien beziehen sich auf groß angelegte Studien, die bewiesen haben, dass körperlich aktive Menschen seltener an Demenz und Alzheimer erkranken. "Physische Aktivität scheint einen vorteilhaften Einfluss auf die Struktur des Gehirns zu haben", heißt es. Zudem wird mit Bewegung auch der Blutdruck reguliert. Und Bluthochdruck wiederum ist nicht nur ein Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, sondern eben auch für Demenz.

Das können wir tun: Körper und Hirn in Bewegung halten

Zusammengefasst können folgende Handlungsempfehlungen das Ausbrechen und Fortschreiten der Krankheit aufhalten:

  • Verzicht auf Rauchen
  • Regelmäßige Bewegung (es muss kein Hochleistungssport sein – versuchen Sie beispielsweise, möglichst viel und möglichst flott zu Fuß unterwegs zu sein)
  • Ausgewogene Ernährung mit viel Gemüse und Obst sowie Ballaststoffen
  • Arbeiten Sie mit Bewegung und Ernährungsumstellung gegen eventuell vorhandenes Übergewicht an
  • Schränken Sie Ihren Alkoholkonsum ein.
  • Kognitives Training: Halten Sie mit Logikaufgaben, Rätseln und Co. Ihr Gehirn fit.
  • Soziale Kontakte: Auch wenn es im Alter schwer fällt und Freunde und Familie oft schwer erreichbar scheinen: Versuchen Sie, soziale Kontakte aufrecht zu erhalten.

Laut WHO ist die Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln wie Vitamin B und E allerdings wenig hilfreich. Damit weist sie auch den Gesundheitsmarkt darauf hin, dass solche Mittel nicht mehr zur Demenzvorbeugung beworben werden sollten. Ernährung und Alkohol gelten übrigens schon lange als Ursachen für Demenz und Alzheimer.

Warum das Vorbeugen so wichtig ist

Heilung und Impfung gegen Alzheimer, die häufigste Form der Demenz-Erkrankungen, gibt es noch immer nicht. Die Forschung stagniert leider. Forscher finden immer neue Ansätze, die letztlich aber häufig wenig erfolgversprechend sind. Dass die Forschung unermüdlich daran arbeitet, ist dennoch äußerst wichtig – ebenso wichtig aber aus diesem Grund auch die Vorsorge, für die jeder Einzelne von uns etwas tun kann.

Demenz ist nicht nur Alzheimer. Verschiedene Formen können auftreten, die nach dem Arzt Alois Alzheimer benannte neurodegenerative Erkrankung – er beschrieb sie 1906 erstmals – ist aber die häufigste Form. Die Symptome einer Demenz sind vielseitig. Wer darunter leidet, verliert nach und nach geistige Fähigkeiten. Der Verlauf von Demenz und Alzheimer hat rund drei Stadien. Die Persönlichkeit ändert sich, die Betroffenen können sich mit der Zeit nicht mehr selbst zurechtfinden und versorgen, werden stark bedürftig. Das betrifft sowohl die Psyche als auch die körperliche Verfassung. Angehörige werden nicht mehr erkannt, Passivität, aber auch Aggressivität sind Zeichen. Rückgängig machen lässt sich diese Entwicklung nicht.

Übrigens können auch Tiere an Alzheimer und Demenz erkranken.

Sie sind Angehörige oder Angehöriger einer Demenz-Patientin oder Patienten? Es gibt ein paar Tipps für Angehörige für den Umgang mit Demenz.

Bisher können Sie die Demenz-Leitlinien der WHO in englischer Sprache hier herunterladen. Fragen Sie am besten auch Ihre Ärztin oder Ihren Arzt nach weiteren Erklärungen.

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