05.04.2019

Erst das Gemüse Blutzucker nach dem Essen: Mahlzeiten aufteilen könnte helfen

Regelmäßig messen ist bei Diabetes sowieso Pflicht. Warum sich Blutzuckerspitzen nach dem Essen mit der Reihenfolge der Nahrungsmittelaufnahme sogar vermeiden lassen, wurde in einer Studie festgehalten.

Foto: iStock/Mladen Sladojevic

Regelmäßig messen ist bei Diabetes sowieso Pflicht. Warum sich Blutzuckerspitzen nach dem Essen mit der Reihenfolge der Nahrungsmittelaufnahme sogar vermeiden lassen, wurde in einer Studie festgehalten.

Zu hohe Werte nach der Mahlzeit: Viele Diabetespatienten leiden unter den Auswirkungen von Hyperglykämie. Wer erst Gemüse und Proteine isst und erst später den Kohlenhydrat-Bestandteil, könnte Blutzucker-Spitzen nach dem Essen allerdings vermeiden. Das zeigt eine US-Studie.

Wer unter Diabetes mellitus leidet, kennt vielleicht diese Zeiten nach dem Essen – Müdigkeit macht sich breit, man fühlt sich einfach schlapp. Dabei sollte die Nahrungsaufnahme doch zu neuer Energie verhelfen. Von einem Mittagstief oder "Fresskoma" kann hier nicht die Rede sein, eher von einer tiefen Erschöpfung. Forscher machen dafür den Spiegel des Blutzuckers nach dem Essen verantwortlich. Blutzuckerspitzen könnten die Müdigkeit hervorrufen. Man scheint diese Veränderung des Blutzuckerspiegels aber auch beeinflussen zu können – und zwar mit der Reihenfolge der Mahlzeit-Bestandteile.

Wie hoch darf der Blutzucker nach dem Essen sein?

Diabetes-Patienten müssen ihren Insulin-Haushalt in der Regel beobachten und bei der Einstellung dessen nachhelfen. Geschieht das nicht, steigt der Blutzucker (Glukose) nach der Nahrungsaufnahme stark an – eine Hyperglykämie entsteht. Auch mit guter Insulineinstellung haben manche immer noch mit solchen Spitzen und deren Auswirkungen zu kämpfen.

Bei gesunden Menschen liegt der Glukosespiegel nüchtern unter 100 Milligramm pro Deziliter (mg/dl) Blut und steigt nach dem Essen auch normalerweise nicht über 140 mg/dl. Bei Diabetes mellitus liegt der nüchterne Blutzuckerspiegel über 126 mg/dl, kann aber nach dem Essen über 200 mg/dl steigen.

Wer unter Diabetes leidet, muss seinen Blutzucker regelmäßig messen. Folgende Werte werden dabei erfasst:

  • Nüchternblutzucker: 6-12 Stunden nach der letzten Mahlzeit, meist vor dem Frühstück
  • Postprandiale Plasmaclucose (PPG): Blutzuckerspiegel 1-2 Stunden nach der Mahlzeit
  • Langzeitblutzucker HbA1c: spiegelt überdurchschnittliche Blutzuckerkonzentration wider, wird alle drei Monate gemessen

Damit Spitzen im PPG nach dem Essen nicht entstehen, spritzen sich viele Patienten schnell wirksames Insulin (Mahlzeiteninsulin) um die Insulinantwort eines gesunden Körpers nachzuahmen. Die Mahlzeiteninsuline wirken allerdings nicht ganz so schnell wie das in der Bauchspeicheldrüse bei gesunden Menschen gebildete und ausgeschüttete Insulin.

Warum ist die Hyperglykämie nach dem Essen gefährlich?

Postprandiale Hyperglykämien können nach Meinung mancher Forscher Spätfolgen von Diabetes mellitus in seinen Arten hervorrufen, etwa ein erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Augenschäden. Bei älteren Personen mit Typ 2 Diabetes können sich Blutzucker-Spitzen auch auf die kognitive Leistung auswirken.

Aber auch schon direkt während der Hyperglykämie können körperliche und psychische Symptome auftreten, etwa Hitzewallungen, Schweißausbrüche und Schwindel. Mancher reagiert auch mit schlechter bis trauriger oder gereizter, verängstigter Stimmung. Das beeinflusst den Alltag (Sozialleben, Arbeitsleben, Fahrtüchtigkeit). Einer Umfrage zufolge sagen sieben von zehn Betroffenen, sie seien weniger produktiv, fünf von zehn sagen, sie können sich schwerer konzentrieren.

Blutzucker-Spitzen natürlich vermeiden?

Abhilfe schaffen kann dabei neben regelmäßiger Rücksprache mit Ärztin oder Arzt, Medikamenten sowie einem insgesamt gesunden Lebensstil auch eine gesunde, ausgewogene und geregelte Ernährung – auch zum Vorbeugen von Diabetes Typ 2 und Übergewicht. Einer aktuellen Studie aus den USA zu folge scheint dabei aber auch die Reihenfolge der Aufnahme der einzelnen Lebensmittel ausschlaggebend zu sein. Gerade bei Diabetes-Typ-2-Patienten scheint das vorherigen Untersuchungen zufolge der Fall zu sein, wie das Deutsche Gesundheitsportal berichtet.

Die Teilnehmer der Studie, allesamt Prädiabetes-Patienten, sollten an drei aufeinanderfolgenden Tagen die gleichen Mahlzeiten zu sich nehmen – nur in unterschiedlicher Reihenfolge der einzelnen Bestandteile.

Gemüse und Proteine – erst dann die Kohlenhydrate

Am ersten Tag wurden zuerst die Kohlenhydrate verzehrt, zehn Minuten später Gemüse und Proteinbestandteil. Am zweiten Tag starteten die Teilnehmer mit Gemüse und Proteinen, dann erst folgten zehn Minuten später die Kohlenhydrate. Am dritten Tag wurde erst Gemüse gegessen, dann die Proteine und am Schluss die Kohlenhydrate.

Nach dem Essen wurden Blutzucker- und Insulinspiegel der Probanden gemessen. Die Ergebnisse waren recht eindeutig. Wenn mit Kohlenhydraten gestartet wurde, schwankte der Blutzuckerspiegel wesentlich stärker als an den beiden anderen Tagen.

Der Blutzuckerspiegel der Probanden stieg deutlich weniger an, wenn die Mahlzeit mit Gemüse oder mit Gemüse und Protein begonnen wurde. Dann erst sollten die Kohlenhydrate gegessen werden. Sogar drei Stunden später ließ sich diese Entwicklung noch feststellen – also genau dann, wenn viele Diabetes-Patienten eigentlich unter einer postprandialen Hyperglykämie leiden.

Gewisse Reihenfolge scheint Blutzuckerspiegel zu beeinflussen

Zwar haben die Forscher bisher nur mit 15 Probanden gearbeitet, und alle wiesen lediglich Prädiabetes, also eine Vorstufe von Diabetes auf. Dabei ist der Blutzuckerspiegel bereits erhöht, aber noch nicht in typischen Diabetes-Bereichen angekommen.

Bei allen traten aber ähnliche Ergebnisse auf. Es scheint, als könne man mit der Reihenfolge der Lebensmitteleinnahme bei einer Mahlzeit den Anstieg des Blutzuckerspiegels zumindest positiv beeinflussen. Nun muss weiter geforscht werden und geschaut werden, ob auch bei Diabetes-Patienten ein Einfluss erfolgt.

Das Gute: Wer Probleme mit dem Blutzucker nach dem Essen hat und solche Spitzen bei sich selbst feststellt, kann mit dieser einfachen Regel selbst testen, ob eine Reihenfolge beim Essen vielleicht sogar hilft. Zumindest zum Schutz vor Diabetes scheint diese Art der Ernährung zu unterstützen. Jedenfalls scheint es nicht zu schaden, eine Mahlzeit mit Gemüse und Proteinen oder nur Gemüse zu beginnen und erst dann die Kohlenhydrate zu sich zu nehmen.

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Vorherige Beobachtungen haben außerdem gezeigt, dass die Art der Kohlenhydrate eine Rolle spielt. Komplexe Kohlenhydrate wie Stärke werden weit aufgenommen als einfache Kohlenhydrate wie Fruktose. Der glykämische Index zeigt dies an. Von der Reihenfolge und der Auswahl der Mahlzeitenbestandteile und Kohlenhydrat-Art können so auch Menschen profitieren, die nicht unter Diabetes leiden.

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