21.02.2019

Laut Heidelberger Forscher Neuer Brustkrebs-Bluttest erkennt Krebszellen frühzeitig

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Entdeckt Krebsmarker im Blut mit hoher Genauigkeit – und vor allem früh: Ein neuer Brustkrebs-Bluttest von Heidelberger Medizinern könnte zukünftig eine vielversprechende Ergänzung für bisherige Früherkennungsverfahren sein.

Foto: iStock/undefined

Entdeckt Krebsmarker im Blut mit hoher Genauigkeit – und vor allem früh: Ein neuer Brustkrebs-Bluttest von Heidelberger Medizinern könnte zukünftig eine vielversprechende Ergänzung für bisherige Früherkennungsverfahren sein.

Ein Team der Uniklinik Heidelberg hat einen Brustkrebs-Bluttest vorgestellt, der die Erkrankung so frühzeitig erkennen soll, dass die Mammographie nicht mithalten kann. Was dahinter steckt.

Update vom 23. April 2019: Für großes Aufsehen sorgte im Februar dieses Jahres ein neuartiger Brustkrebs-Bluttest, auf den die "Bild" mit einem großen Artikel inklusive ärztlicher Stimmen aus der Forschung aufmerksam machte. Von einer "Weltsensation" wurde dort gesprochen. Nun rudern alle zurück.

Auffällig war bereits, dass es zwar seitens Universitäts-Frauenklinik eine Pressemeldung zusätzlich zum großen "Bild"-Artikel gab – aber noch keine Veröffentlichung in einer der renommierten Fachblätter. Wir berichteten bereits: Die Forscher wollten den Test erst noch auf einem Gynäkologen-Kongress vorstellen. Die öffentliche Berichterstattung jedoch sprach bereits von einem Meilenstein. Nun kam heraus: Vermutlich war alles eine groß angelegte PR-Kampagne.

Wir möchten an dieser Stelle noch einmal klarstellen: An Bluttests für Krebsarten wird derzeit oft geforscht. Ein wirklich aussagekräftiger Bluttest kann Leben retten. Bis es jedoch soweit ist und ein Test tatsächlich auf den Markt kommt, müssen zuvor zahlreiche Tests und Forschungen durchgeführt werden. Das dauert. Gerade bei solch sensiblen Themen ist es daher leider schnell irreführend, von einer "Weltsensation" zu sprechen. Wir distanzieren uns hiervon – und hoffen weiterhin, dass die Forschung bald soweit ist und die Medizin aussagekräftige Tests auf den Markt bringen kann, die dann tatsächlich Menschen helfen können.

Sobald es neue Erkenntnisse zum Bluttest gibt, werden wir Sie hier informieren.

Originalartikel vom 21. Februar 2019: Noch ein Bluttest für die Krebsfrüherkennung? Bereits in den vergangenen Jahren wurden solche neuartigen Tests oft als wahre Sensation gefeiert – jedoch oft mit dem Nachteil, dass zwar Krebszellen erkannt werden konnten. Allerdings nicht die Krebsart. In der Kritik stand außerdem immer wieder eine hohe Fehlerrate – und die Tatsache, dass erst in vielen Jahren mit Anwendungen gerechnet werden konnte.

Laut "Bild" soll sich das jetzt aber ändern: Der neue Brustkrebs-Bluttest soll in puncto Treffsicherheit mit der Mammographie vergleichbar sein – das erklärten die Forscher rund um das Projekt der Zeitung. Nun wollen sie den Test auf einem Gynäkologen-Kongress vorstellen. Hauptziel: Mehr Frauen zur Krebsvorsorge animieren.

Brustkrebs: Bluttest soll hohe Trefferquote haben

Einer der Köpfe der Forschungstruppe ist der ärztliche Direktor der Universitäts-Frauenklinik Heidelberg, Professor Christof Sohn. Er berichtete gegenüber "Bild", wie der sogenannte Heiscreen-Test funktionieren soll: "Wir weisen Botenstoffe nach, die aktive Zellen bei einer Krebserkrankung ins Blut aussenden." Insgesamt 15 Marker – also biochemische Substanzen, die bei bestimmten Krebsarten in höherer Konzentration im Körper, vor allem im Blut, auftreten – werden dabei untersucht.

Bisher scheint der Test laut Prof. Sohn in 75 Prozent der Fälle sicher aussagen zu können, ob eine Brustkrebs-Erkrankung vorliegt. Das ist so viel wie bei der Mammographie, die aktuell noch als Haupttestverfahren eingesetzt wird – nur ohne die Strahlenbelastung und wesentlich angenehmer für die untersuchte Frau. Ein Mammographie-Screening erkrennt Brustkrebs in 78 Prozent der Fälle – aber auch erst, wenn der Tumor bereits mindestens fünf Millimeter groß ist.

Früher Alarm für weitere Untersuchungen

"Wir möchten mit dem Blut-Test früher Alarm schlagen können", erklärt Prof. Sohn. Dabei solle der Test als "Frühwarnsystem" fungieren, an das sich weitere Untersuchungen anschließen.

Bei Patientinnen unter 50 liege die Trefferquote sogar noch höher, nämlich bei 86 Prozent. Allein aufgrund der einfacheren Durchführung sei der Test entsprechend vor allem für Frauen geeignet, die aufgrund ihrer Genstruktur eine höhere Wahrscheinlichkeit aufweisen, an Brustkrebs zu erkranken. Bei Risikopatientinnen gehen die Mediziner von einer Genauigkeit von 90 Prozent aus.

Die Zuverlässigkeit setzt sich dabei aus der "Sensitivität", also der Treffsicherheit, den Krebs bei erkrankten Frauen zu erkennen, und der "Spezifität", der Zahl an Falschdiagnosen, zusammen. Zum Vergleich: Bei der Mammographie ist zwar die Sensitivität hoch, die Spezifität jedoch nicht. Daher gebe es beim Screening auch verhältnismäßig viele falsch-positive Befunde. Prof. Sohn gegenüber "Bild": "Unser neuer Bluttest erkennt Brustkrebs rechnerisch bei fast genau so vielen Frauen wie das Mammographie-Screening – er ist aber spezifischer, liefert also weniger falsch-positive Ergebnisse. Und zwar etwa halb so viele."

Test schlägt auch bei Eierstockkrebs an

Neben Brustkrebs schlägt der Bluttest aber auch bei Eierstockkrebs an – und zwar zu 82 Prozent sicher. Das ist vor allem wichtig, weil diese Krebsart zwar selten vorkommt, aber oft erst viel zu spät erkannt wird.

Theoretisch könnten auch noch weitere Krebsarten mit dem Test nachgewiesen werden, so Prof. Sohn, etwa Bauchspeicheldrüsen- oder Dickdarm-Krebs. Das müsse aber noch getestet werden – und das wiederum könne noch drei bis fünf Jahre dauern.

Wo liegt der Unterschied zu bisherigen Bluttest-"Meilensteinen"?

In früherer Vergangenheit gab es mehrere Meldungen zu neuartigen Bluttests, die Krebs frühzeitig erkennen sollen. So soll die sogenannte "Liquid Biopsy" ganze acht Krebsarten erkennen – darunter auch Brustkrebs. Allerdings liege hier die Gefahr falscher Diagnosen noch sehr hoch, und auch nicht immer könne die Lage des Krebses ausfindig gemacht werden.

Ähnlich sieht es mit einem Krebstest aus, den australische Forscher Ende 2018 vorgestellt hatten. Hier wird auf eine einzigartige DNA-Struktur getestet, die anscheinend bei allen Krebsarten zu finden ist. Das Problem: Noch lassen sich mit dem schnellen Bluttest – er soll in 10 Minuten Krebs erkennen können – Krebsarten nicht unterscheiden.

Zwar stehen beim Heidelberger Brustkrebs-Bluttest nun auch noch noch weitere Studien an, um die Sicherheit zu beweisen. Bisher haben die Mediziner ihn an 650 Frauen getestet – die Hälfte war an Brustkrebs erkrankt, die andere Hälfte war gesund. Laut "Bild" könnte der Test aber noch in diesem Jahr auf den Markt kommen.

Geklärt werden muss bis dahin aber auch noch, wie viel der Heiscreen-Test dann kosten soll und ob die Krankenkassen ihn übernehmen. Dann soll er, wie Prof. Sohn betont, eine Ergänzung zu Verfahren wie Mammographie und MRT darstellen. Er hofft, dass mehr Frauen einen solchen ersten Bluttest im Rahmen der Vorsorge wahrnehmen, als dies jetzt bei der oft argwöhnisch betrachteten Mammographie der Fall sei.

Wir drücken jedenfalls die Daumen, dass die Forschung weiterhin schnell vorangetrieben werden kann. Dass immer wieder neue Möglichkeiten entdeckt werden, Krebs zu finden und zu identifizieren, ist ein gutes Zeichen – und das könnte in Zukunft viele Leben retten. Bis dahin bleiben die anderen Früherkennungs-Wege im Vordergrund. Darunter auch die regelmäßige Selbstuntersuchung zur Krebsvorsorge mit Abtasten der Brust. Wer außerdem Brustkrebs-Symptome schnell erkennt, kann dank frühzeitiger Therapie seine Heilungschancen erhöhen.

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Die Berichterstattung der Rhein-Neckar-Zeitung zum aufgedeckten "PR-Skandal zum Brustkrebs-Bluttest" finden Sie hier.

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