13.02.2019

Hochrechnung von Forschern Zahl der Diabetes-Erkrankten steigt bis 2040 explosionsartig

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Tests auf Zuckerkrankheit werden in den kommenden 20 Jahren wohl häufiger stattfinden. Bis 2040, so vermuten Wissenschaftler, könnte die Zahl der Diabetes-Kranken in Deutschland auf bis zu 12 Millionen steigen.

Foto: iStock/andriano_cz

Tests auf Zuckerkrankheit werden in den kommenden 20 Jahren wohl häufiger stattfinden. Bis 2040, so vermuten Wissenschaftler, könnte die Zahl der Diabetes-Kranken in Deutschland auf bis zu 12 Millionen steigen.

Die Krankheitsfälle der sogenannten Wohlstandskrankheit Diabetes sollen laut neuesten Hochrechnungen in den kommenden 20 Jahren rasant ansteigen. Die Schätzzahl: bis zu 12 Millionen Patienten. Was können wir tun?

Dass Diabetes-Erkrankungen seit einigen Jahren ansteigen, ist bekannt. Jetzt aber erschreckt eine neue Hochrechnung: Bis 2040 rechnen Experten mit bis zu 12 Millionen Diabetes-Patienten. Eine Zahl die schockiert. Was steckt dahinter – und vor allem: Was können wir machen, um dieses Schicksal abzuwenden?

Bis zu 12 Millionen Diabetes-Patienten: Nicht nur alternde Bevölkerung schuld

Die Studien summieren sich. Seit Jahren schon spricht die WHO davon, dass sich die Zahl derer, die an Diabetes Typ 2 erkranken, bis zum Jahr 2025 auf über 700 Millionen weltweit erhöhen wird. Britische Forscher unterstrichen dies erst kürzlich mit einer Studie: Bis 2045 werde einer von acht Menschen auf der Welt unter der Krankheit leiden.

Nun haben sich Wissenschaftler in Deutschland die Zahlen von rund 65 Millionen gesetzlich versicherten Menschen angesehen und sie mit denen des Statistischen Bundesamtes verglichen. Die Forscher des Deutschen-Diabetes-Zentrums (DDZ) und des Robert-Koch-Institunts (RKI) kamen dabei auf erschreckende Zahlen in ihren Hochrechnungen.

Eine so große und exakte Hochrechnung habe es für Deutschland noch nicht gegeben. Die Fallzahlen decken den Zeitraum zwischen 2015 bis 2040 ab und ziehen auch aktuelle Entwicklungen (neu auftretende Fälle, steigende Lebenserwartung und abnehmende Mortalitätsrate durch bessere medizinische Versorgung) mit ein. "In vorherigen Prognosen wurden entweder nur bestimmte Altersgruppen berücksichtigt oder zeitliche Entwicklungen zur Sterberate sowie zu neu auftretenden Fällen nicht mit eingerechnet", sagt dazu Dr. Ralph Brinks, der Leiter der Studie am DDZ.

Erstmals verschiedene Größen in Beziehung zueinander gesetzt

Damit die Zahl möglichst genau prognostiziert werden kann, haben sich die Forscher also nicht mehr nur auf den demografischen Wandel bezogen – also auf die alternde Bevölkerung. Auch Sterberate und Neuerkrankungsrate wurden mit einbezogen:

  • Prävalenz: Krankheitshäufigkeit – so viele Menschen sind in Deutschland zu einem bestimmten Zeitpunkt an Diabetes erkrankt
  • Inzidenzrate: Neuerkrankungsrate – die Anzahl der neuen Diabetes-Fälle in einem bestimmten Zeitraum
  • Mortalitätsrate: Sterberate von Menschen mit und ohne Diabetes
  • Diabetesbezogene Übersterblichkeit: Verhältnis der Sterberaten im Vergleich, mit Diabetes und ohne Diabetes

Bisher sterben doppelt so viele Diabetes-Patienten

Noch sterben in Deutschland im Vergleich zu Gesunden rund doppelt so viele Diabetes-Erkrankte. Allerdings gehen die Forscher davon aus, dass diese Zahl, die Sterberate, in den kommenden Jahren sinken wird, da Diabetes und seine Folgeerkrankungen immer besser behandelt werden können.

Doch gleichzeitig gehen sie davon aus, dass die Zahl an Neuerkrankungen steigen wird – und zwar aufgrund von Risiko-Faktoren wie schlechter Ernährung, Mangel an Bewegung und Adipositas. Die sind nämlich oft ausschlaggebend dafür, dass Diabetes mellitus überhaupt entsteht.

Steigende Lebenserwartung ebenfalls ausschlaggebend

Da die Lebenserwartung steigt und weniger Patienten an der Krankheit sterben, ist klar, dass die Zahl der erkrankten Personen steigen wird. Für die anderen Faktoren testeten die Forscher verschiedene Annahmen der Entwicklung.

Dabei kamen sie auf eine relative Zunahme der Typ-2-Diabetes-Fälle um 54 bis 77 Prozent. Das entspricht zwischen 3,8 und 5,4 Millionen neuen Fällen bis zum Jahr 2040. Zusammen mit den dann schon erkrankten errechneten sie in ihrer Prognose eine Zahl an Diabetes-Patienten zwischen 10,7 bis 12,3 Millionen. Dabei würden demnach vor allem ältere Menschen betroffen sein.

Ergebnis: Deutschland braucht mehr Spezialisten und mehr Prävention

"Nach diesen Berechnungen des DDZ- und RKI-Expertenteams müssen sich Praxen und Kliniken noch mehr als bisher angenommen auf die Behandlung von älteren Menschen mit Typ-2-Diabetes einstellen", schließt Prof. Michael Roden, der Vorstand des DDZ und Direktor der Klinik für Endokrinologie und Diabetologie am Universitätsklinikum Düsseldorf in der Meldung des DDZ.

Notwendig seien jetzt mehr spezialisierte Zentren und auch Expertenschulungen. Vor allem aber müsse man in den kommenden Jahren vermehrt Arbeit in Präventionsmaßnahmen stecken. Denn so ließe sich die Zahl der Neuerkrankungen am effektivsten senken – und damit auch die prognostizierte Zahl der im Jahr 2040 an Diabetes Typ 2 erkrankten.

Sie selbst können einiges dafür tun, um sich vor Diabetes zu schützen. Etwa kann die richtige Ernährung bei Diabetes auch schon vorbeugend wirken.

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