25.01.2019

Gelenkverschleiß Arthrose: Wenn Finger und Handgelenke schmerzen

Schmerzhaft und einschränkend im Alltag: Arthrose im Finger. Wie Sie die Schmerzen zumindest eindämmen können, lesen Sie im Artikel.

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Schmerzhaft und einschränkend im Alltag: Arthrose im Finger. Wie Sie die Schmerzen zumindest eindämmen können, lesen Sie im Artikel.

Steife Gelenke sind im Winter keine Seltenheit. Wenn die Gelenke in den Fingern aber auch noch krumm sind und vor allem bei Belastung Schmerzen auftreten, sollten Sie aufhorchen.

Auch wenn nur ein einzelner Finger schmerzt: Wenn bestimmte Bewegungen wie das Ballen zur Faust oder das Greifen auf Dauer nicht mehr richtig funktionieren, weil die Gelenke einfach zu steif sind oder schmerzen, kann Arthrose im Finger dahinter stecken. Den Alltag kann das sehr belasten.

Arthrose im Finger: Wenn Knochen auf Knochen reibt

Bei Arthrose wird der Knorpel zwischen Gelenken dünn. Gerade in den Fingern kann das schnell passieren – etwa durch genetische Veranlagung oder hormonelle Gründe – und dann sehr belastend sein. Denn Arthrose ist ein fortschreitender Prozess.

Eigentlich fungiert der Knorpel zwischen den Gelenken als eine Art Puffer, der die Knochenhaut schützt. Seine Nährstoffe erhält der nicht durchblutete Knorpel lediglich durch Gelenkflüssigkeit – er besteht zu 70 Prozent aus Wasser. Die Gelenkflüssigkeit kann sich nur durch Bewegung im Knorpel verteilen. Knorpel altert jedoch auch.

Zuerst entstehen Risse im alternden Knorpel, dann setzen sich abgeriebene Teilchen des Knorpels an der Gelenkinnenhaut fest und reizen sie, bis sie sich entzündet. Schwellungen entstehen. Ist der Knorpel gänzlich abgerieben, reiben irgendwann die Knochen direkt aneinander. Die empfindliche Knochenhaut reibt sich ab und starke Schmerzen entstehen.

Das Problem: Der Körper versucht, den Knorpel durch Knochen zu ersetzen. Die Gelenke werden dadurch allerdings immer steifer. Die typischen knotigen Gelenke entstehen, Finger werden oft krumm.

Besonders merken Betroffene das am Anfang etwa, wenn sie Bluse oder Hemd zuknöpfen wollen. Die oberen Gelenke an Zeige- und Mittelfinger machen nicht mehr so mit, die Bewegung tut weh. Kleine Knötchen bilden sich. Oft sind eben auch Daumen und Handgelenke betroffen

Formen der Arthrose im Finger und Handgelenk

Unterschieden wird zwischen zwei Formen, denn nicht nur das Alter ist ausschlaggebend für die Entstehung von Arthrose:

  • Primäre Arthrose: meist erblich oder durch schlechte Durchblutung bei hormonellen Problemen bedingtes schwaches Knorpelgewebe – ganz klar ist die Ursache aber nicht.
  • Sekundäre Arthrose: durch mechanische Überbelastung etwa durch Fehlstellungen nach Knochenbrüchen oder angeborene Probleme sowie durch Gicht, Diabetes und andere Stoffwechsel-Krankheiten, rheumatoide Arthritis und Osteoporose. Überbelastung der Gelenke oder Bewegungsmangel führen zu Arthrose.

Arthrose-Therapie: Keine Heilung, aber Schmerzlinderung

Rückgängig gemacht werden können Arthrose-Erscheinungen nicht, aber wer bereits weiß, dass die genetische Veranlagung da ist oder aufkeimende Probleme bemerkt, kann versuchen, möglichst lange vorzubeugen und später gegen die Symptome vorzugehen.

Achten Sie auf jeden Fall auf genügend Bewegung der Hände. Fingerübungen halten die Gelenke geschmeidig, transportieren Gelenkflüssigkeit und helfen damit, Entzündungsstoffe aus den Gelenken abzutransportieren. Mit Bewegung können Sie Gelenkbeschwerden durch Arthrose auch vorbeugen – zumindest bis zu einem gewissen Grad. Ansonsten helfen folgende Hausmittel gegen Arthrose in den Fingern:

  • Wärme hilft gegen verkrampfte Muskeln und Schmerzen und regt den Stoffwechsel an.
  • Liegt eine akute Entzündung vor, hilft aber Kälte, am besten mit gut umwickelten Eispackungen.
  • Bestimmte Gewürze helfen gegen Arthrose. Ergänzen Sie Ihren Speiseplan um diese.
  • Insgesamt hilft bei Arthrose eine fleischarme Ernährung mit viel Gemüse, Obst und pflanzlichen Ölen, vielen Ballaststoffen und Omega-3-Fettsäuren. Diese versorgt den Körper zum einen mit wichtigen Nährstoffen und verhindert zum anderen Übergewicht und damit mehr Last auf Gelenke.
  • Auf tierische Fette, zu viel Fleisch und Wurst sollten Sie möglichst verzichten. Durch sie kann sich Arachidonsäure bilden, die Entzündungen fördern kann.

Mit physikalischer Therapie oder aber mit Traktions- und Kompressionsbehandlungen lassen sich ebenfalls Schmerzen lindern. Hier sollten Sie mit Ihrem Hausarzt sprechen.

Bei akuten Beschwerden helfen natürlich auch entzündungshemmende Schmerzmittel wie Ibuprofen. Diese sollten allerdings nicht dauerhaft eingenommen werden.

Letzter Ausweg: Operation

Hilft alles nichts mehr und die Schmerzen werden unerträglich, können Operationen zumindest Linderung bringen – diese schränken den Betroffenen aber meist weiter ein.

Die oberen Fingergelenke werden dabei meist in etwa fünf bis zehn Grad Beugestellung versteift. Meist funktioniert es dadurch wieder, zu greifen und eine Faust zu machen.

Auch am Handgelenk können Gelenke versteift werden. Bei dieser Arthrodese wird die Beweglichkeit ebenfalls eingeschränkt, aber die Schmerzen verschwinden und der Patient kann wieder kräftiger zupacken.

Bei Mittelgelenken im Finger kommen meist Prothesen aus Silikon als Platzhalter am Gelenk zum Einsatz, die die Knochenreibung verhindern. So stabil wie echte Gelenke sind die Silikongelenke aber nicht.

Frauen sind häufiger betroffen

Möglicherweise auch aufgrund hormoneller Ursachen leiden Frauen rund zehnmal häufiger an Arthrose im Finger als Männer. Dabei treten Gelenkschmerzen vermehrt in und nach den Wechseljahren auf. Dazu kommt, dass der Gelenkverschleiß im Alter generell zunimmt. Es gibt aber wohl zusätzlich noch andere Gründe, da nicht jeder im Alter unter Arthrose leidet. Doch die sind bislang noch unerforscht.

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