07.01.2019

Große Hoffnung Epigenetik Gen-Test revolutioniert Diagnose von Gebärmutterhalskrebs

Der Pap-Abstrich ist aktuell noch die Standardmethode zum Test auf Krebszellen. Das könnte sich vielleicht in ein paar Jahren ändern. Ein neuer Gen-Test zur Diagnose von Gebärmutterhalskrebs könnte die Vorsorge revolutionieren.

Foto: imago/Science Photo Library

Der Pap-Abstrich ist aktuell noch die Standardmethode zum Test auf Krebszellen. Das könnte sich vielleicht in ein paar Jahren ändern. Ein neuer Gen-Test zur Diagnose von Gebärmutterhalskrebs könnte die Vorsorge revolutionieren.

Jährlich erkranken mehr als 4.500 Frauen an Gebärmutterhalskrebs, rund 1.500 davon sterben am Zervixkarzinom. Ein neuer Früherkennungstest könnte jetzt die Wendung bringen.

Ein neuer Test zur genauen frühzeitigen Diagnose von Gebärmutterhalskrebs soll die Erkrankung effektiv erkennen können – und könnte gleichzeitig den Weg ebnen für die Diagnose anderer Krebsarten.

Neue Diagnose von Gebärmutterhalskrebs: Die Gene sind ausschlaggebend

Eigentlich wird bei der Früherkennung von Gebärmutterhalskrebs in Deutschland auf den Pap-Abstrich sowie mittlerweile ab 35 Jahren zusätzlich auf den HPV-Test zurückgegriffen. Komplett sicher sind beide Testmethoden aber nicht, gerade der Pap-Abstrich steht in der Kritik für Falschdiagnosen.

Nun haben Forscher in Großbritannien einen Test entwickelt, mit dem sich Gebärmutterhalskrebs zu 100 Prozent genau nachweisen lässt.

Im International Journal of Cancer haben die Wissenschaftler der englischen Queen Mary University of London ihre Ergebnisse vorgestellt, die sie im Rahmen einer klinischen Screening-Studie herausgefunden haben. Die Untersuchungen haben sie mit einem neuen Gen-Test an 15.744 Frauen im Alter zwischen 25 und 65 Jahren über fünf Jahre in Kanada durchgeführt. Tumorerkrankungen wurden dabei zu 100 Prozent festgestellt, fehlerhafte Ergebnisse gab es demnach keine.

Vorteil gegenüber Pap-Abstrich

Der hierzulande bis zum 35. Lebensjahr jährlich durchgeführte Pap-Abstrich, bei dem ein Zellabstrich vom Gebärmutterhals genommen wird, erkennt einen Gebärmutterhalskrebs dagegen lediglich in rund 50 Prozent der Fälle. Der HPV-Test hingegen prüft "nur" auf die Anwesenheit des Humanen Papillomvirus, der zu über 90 Prozent aller Gebärmutterhalskrebs-Erkrankungen führt. Den Virus, der zur Gruppe der Herpes-Viren gehört, tragen viele Menschen in sich, einen Schutz vor Gebärmutterhalskrebs durch HPV gibt es nur durch eine Impfung. einen Tumor verursacht er aber nicht immer. Das Krebsrisiko erkennt der Test daher nicht.

So funktioniert der Gentest

Im neuartigen Test werden chemische Marker in der DNA ausgekundschaftet, die Krebs identifizieren können – und zwar eindeutig.

Die Ergebnisse zeigen, dass die sogenannte Epigenetik eine vielversprechende Methode ist, Krebs verschiedener Arten sehr früh zu erkennen. Die Epigenetik beschreibt alle Vorgänge, die die Aktivität eines Genes im Laufe des Lebens verändern. Chemische Prozesse bewirken dabei, dass einzelne DNA-Abschnitte blockiert werden. Sprich: Krebserkrankungen machen sich auf der DNA ebenfalls bemerkbar – und lassen sich mit dem Test erkennen.

Das betont Studienleiter Professor Attila Lorincz: "Wir erkennen immer mehr Anzeichen dafür, dass sich durch die Epigenetik eine Reihe von Krebsarten im Frühstadium erkennen lässt, einschließlich Gebärmutterhalskrebs, Analkrebs, Rachenkrebs, Dickdarmkrebs und Prostatakrebs."

Test könnte in fünf Jahren auf den Markt kommen

Wird ein Zervixkarzinom frühzeitig erkannt, stehen die Chancen auf Heilung äußerst gut. Bei Früherkennung von Gebärmutterhalskrebs ist eine Therapie oft erfolgreich. Der neue Test könnte also jede Menge Leben retten. Bis der Test serienreif wird, vergeht aber noch einige Zeit. Die Gruppe um Professor Lorincz erwartet, dass der Test in rund fünf Jahren in England als Vorsorgeuntersuchung etabliert sein könne. Der Vorteil – neben der Genauigkeit – ist, dass weniger Screeningtermine notwendig sein würden und der Test zudem günstiger als der Pap-Abstrich ist. Das würde auch für Krankenkassen große Kostenersparnisse bedeuten.

Bis dahin gilt in Deutschland erst einmal die Vorherrschaft des Pap-Abstrichs sowie die Richtlinien zur Gebärmutterhalskrebs-Vorsorge für Frauen ab 35.

________________________________________

Die Studienergebnisse zum Gen-Test können Sie hier in englischer Sprache nachlesen.

Seite