04.01.2019

Häufig bei jungen Männern Hodenkrebs: Symptome, Ursachen und Heilungschancen

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Eine gute Beratung beim Arzt ist bei Schmerzen im Hodenbereich wichtig. Falls eine Hodenentzündung vorliegt, sollte der Urologe eingreifen, bevor ernsthafte Komplikationen entstehen.

Foto: iStock/Korrawin

Eine gute Beratung beim Arzt ist bei Schmerzen im Hodenbereich wichtig. Falls eine Hodenentzündung vorliegt, sollte der Urologe eingreifen, bevor ernsthafte Komplikationen entstehen.

Hodenkrebs betrifft vor allem junge Männer. Warum die Selbstuntersuchung zur Vorsorge so wichtig ist und wie man die Anzeichen für Hodenkrebs erkennt.

Kaum ein Bereich des männlichen Körpers ist so sensibel wie die Genitalien – im körperlichen wie im übertragenen Sinne. Kein Wunder, dass die Diagnose Hodenkrebs für jeden Mann traumatisch ist. Doch zum Glück sind die Heilungschancen so gut wie bei kaum einer anderen Krebsart. Nicht zuletzt deshalb, weil der Tumor meistens sehr früh von den Männern selbst ertastet wird.

Jährlich erkranken in Deutschland etwa 4.000 Männer an Hodenkrebs. Im Vergleich zu anderen Krebsarten sind Hodentumoren damit eher selten. Doch im Gegensatz zum Prostatakrebs trifft Hodenkrebs in erster Linie junge Männer. In der Altersgruppe der 20- bis 45-Jährigen Männer ist er sogar die häufigste Krebsart.

Was ist Hodenkrebs?

Als Hodenkrebs bezeichnet man eine bösartige Neubildung im Bereich der Hoden. Normalerweise ist nur eine Seite betroffen. Nur bei etwa zwei Prozent tritt der Krebs auf beiden Seiten auf. Die meisten Hodentumore gehören zu den sogenannten Keimzelltumoren.

Man unterscheidet verschiedene Formen:

  • Seminome (mit etwa zwei Drittel der Fälle die häufigste Form)
  • Nicht-Seminome (seltener)

Außerdem gibt es noch andere Tumorformen wie den Leydigzell-Tumor, die allerdings sehr selten auftreten.

Risiken und Ursachen für Hodenkrebs

Wie bei den meisten Krebserkrankungen lässt sich ein Auslöser oder eine Ursache selten ausmachen. Erwiesenermaßen haben aber Männer mit Hodenhochstand ein deutlich erhöhtes Risiko für die Entwicklung eines Hodentumors. Normalerweise sollten bei männlichen Babys die Hoden, die ursprünglich im Bauch angelegt sind, bis zum fünften Lebensmonat durch den Leistenkanal hinunter in den Hodensack wandern. Das ist wichtig, weil es den Spermien im Lauf der Zeit im Bauchraum zu warm wird.

Bleiben die Hoden auf ihrem Weg in Bauch oder Leiste stecken, spricht man vom Hodenhochstand. In diesem Fall sollten sie bis zum Ende des zweiten Lebensjahres operativ in den Hodensack verlegt werden. Geschieht das nicht, hat der Mann später ein zwanzigfach höheres Risiko für Hodenkrebs. Nach einem operierten Hodenhochstand besteht ebenfalls noch ein leicht erhöhtes Risiko.

Abgesehen davon gibt es eine familiäre Häufung von Hodentumoren. Söhne oder Brüder von Betroffenen – insbesondere Zwillingsbrüder – haben ein deutlich höheres Risiko ebenfalls an Hodenkrebs zu erkranken. Ernährung, Lebensstil oder Umweltfaktoren spielen hingegen nach heutigem Erkenntnisstand für die Entwicklung von Hodenkrebs keine Rolle.

Symptome und Anzeichen – so erkennt man Hodenkrebs

Ein Hodentumor verursacht lange keine Schmerzen oder Funktionsausfälle irgendwelcher Art. Erstes Anzeichen ist in den meisten Fällen ein einseitig geschwollener, aber normalerweise nicht schmerzhafter Hoden. Beim Abtasten ist eine verhärtete, knotenartige Schwellung spürbar.

Mögliche Warnzeichen für Hodenkrebs sind:

  • derbe, tastbare Verhärtung oder Knoten
  • Schwellung oder Flüssigkeitsansammlung
  • Spannungsschmerzen im Bereich der Hoden
  • Schweregefühl des Hodens
  • Ziehen im Hoden bis in die Leiste

In seltenen Fällen kommt es auch zu einer Vergrößerung der Brustdrüsen. Eine Schwellung an einer oder beiden Bürsten kann deshalb ebenfalls ein Warnzeichen sein. Rückenschmerzen können in einem späteren Stadium auftreten und deuten auf vergrößerte Lymphknoten im hinteren Bauchraum hin.

Abtasten der Hoden – Anleitung zur Selbstuntersuchung

Je früher die Diagnose, desto günstiger die Prognose. Männer sollten sich deshalb ab der Pubertät regelmäßig mindestens zweimal pro Jahr selber untersuchen. Wer zum Kreis der besonders gefährdeten Personen gehört, sollte die Tastuntersuchung monatlich durchführen. Dabei sollte man beachten:

  • Die Hoden sollten entspannt sein. Am besten geht das unter der Dusche oder in der Badewanne.
  • Hodensack in beide Hände nehmen und jeden Hoden einzeln und von allen Seiten mit Daumen und Fingern auf Schwellungen, Verhärtungen oder andere Veränderungen abtasten.
  • Die Nebenhoden nicht vergessen, die sich als weicheres Gewebe an der Hinterseite der Hoden ertasten lassen.
  • Falls etwas Ungewöhnliches festgestellt, möglichst schnell einen Kontrolltermin beim Arzt vereinbaren.

Diagnose: Wie stellt der Arzt Hodenkrebs fest?

Anzeichen wie Schmerzen, Schwellungen oder Knoten im Hoden müssen nicht notwendigerweise auf eine Krebserkrankung hinweisen. Auch andere Krankheiten wie eine Hoden- oder eine Nebenhodenentzündung, ein Leistenbruch oder eine Hodentorsion (Verdrehen des Hodens) können zu ähnlichen Symptomen führen. Nur der möglichst schnelle Weg zum Hausarzt oder Urologen bringt Gewissheit.

Der Arzt wird die Hoden zunächst gründlich abtasten und anschließend mit dem Ultraschall (Sonographie) genauer untersuchen. Eine Blutuntersuchung gibt Aufschluss über sogenannte Tumormarker. Das sind Substanzen, die bei einigen Krebsarten typischerweise erhöht sind. Bei Hodenkrebs sind das AFP und Beta-HCG. Unter Umständen müssen auch bildgebende Verfahren wie ein CT oder MRT durchgeführt werden, um eventuelle Tochtergeschwüre (Metastasen), die der Tumor gestreut haben könnte, zu erkennen.

Therapie: Entfernung des Hodens

Die Behandlung besteht normalerweise in der Entfernung des betroffenen Hodens. Man bezeichnet dies als Orchiektomie oder Semikastration. In den allermeisten Fällen bleibt dabei der zweite Hoden erhalten, es wird allerdings zur Sicherheit auch eine kleine Gewebeprobe (Biopsie) aus dem gesunden Hoden genommen und untersucht. Außerdem werden möglicherweise betroffene Lymphknoten entfernt. Begleitend wird je nach Form des Tumors und eventuellen Metastasen eine Bestrahlung durchgeführt (bei Seminomen) oder eine Chemotherapie (bei Nicht-Seminomen).

Prognose: Heilungschancen bei Hodenkrebs sehr gut

Hodenkrebs gehört zu den Krebsarten, die wenig zur Metastasenbildung neigen. Die Heilungschancen sind dabei sehr gut, vor allem wenn der Krebs frühzeitig entdeckt wird. Bei Seminomen, die nicht gestreut haben, liegt die Fünf-Jahres-Überlebensrate bei annähernd 100 Prozent. Und selbst wenn der Krebs bereits Metastasen gebildet hat, liegt die Heilungschance noch bei 95 Prozent. Hodenkrebs hat von allen bei Männern diagnostizierten Krebsarten die niedrigste Sterblichkeitsrate.

Nachkontrolle ist wichtig

Ein ganz entscheidender Aspekt für die guten Heilungschancen ist die sorgfältige Nachsorge nach der Behandlung und regelmäßige Kontrolluntersuchungen beim Arzt. Vor allem in der ersten Zeit sollten die Kontrollen monatlich, dann halbjährlich durchgeführt werden. Ein Rückfall (Rezidiv) ist bei Hodenkrebs zwar relativ selten, wenn es aber doch dazu kommt, dann meist in den ersten zwei bis drei Jahren nach der Erstbehandlung.

Kinder zeugen nach Hodenkrebs?

Eine große Sorge betroffener Männer gilt natürlich ihrer Fruchtbarkeit, zumal der Krebs häufig in einem Alter auftritt, wo die Familienplanung noch nicht abgeschlossen ist. Obwohl die Entfernung eines Hodens nicht zur Unfruchtbarkeit führen muss, wird generell empfohlen, vor der Operation sicherheitshalber Samenproben abzugeben und einfrieren zu lassen. Das Vorgehen ist das gleiche wie bei einer Samenspende. Generell ist die Zeugungsfähigkeit bei etwa einem Drittel der Männer nach der Behandlung eingeschränkt, weniger durch den entfernten Hoden als durch die begleitende Strahlentherapie, die die Keimzellen schädigt. Die Erektionsfähigkeit ist davon aber nicht betroffen. Sex ist also auch nach dem Entfernen eines Hodens uneingeschränkt möglich.

In seltenen Fällen kann sich die Entfernung eines Hodens auf die Testosteronproduktion im Körper auswirken. Das männliche Geschlechtshormon wird in den sogenannten Leydigzellen im Hoden produziert und ist wichtig für Wachstum, Muskelaufbau, Spermienproduktion und Libido. Ein Testosteronmangel kann unter anderem zu Erektionsstörungen und Osteoporose führen. Deshalb sollte der Testosteronspiegel vor der Operation gemessen und im Falle eines späteren Mangels Testosteron als Hormonersatztherapie gegeben werden. Das funktioniert ganz einfach mit einem Testosteron-Gel zum Auftragen auf die Haut oder in Form von Drei-Monats-Spritzen.

Hodenprothese: fühlt sich an wie ein echter Hoden

Männer, denen ein oder beide Hoden entfernt werden mussten, leiden mitunter sehr unter dem vermeintlichen Verlust ihrer Männlichkeit und dem damit verbundenen Selbstwertgefühl. Aus psychologischer Sicht ist es dann sinnvoll, den verlorenen Hoden durch eine Hodenprothese zu ersetzen. Dabei wird ein Implantat aus Kunststoff, ein sogenanntes Testicularimplantat, in den Hodensack eingesetzt. Es fühlt sich an wie ein gesunder Hoden und sieht von außen auch genauso aus. Diese Operation wird von der Krankenkasse allerdings nur übernommen, wenn der Mann nachweislich unter einer hohen psychischen Belastung leidet. Ansonsten fällt sie in den Bereich der Schönheitsoperationen und muss selber bezahlt werden.

Früherkennung: Vorsorgeuntersuchungen erst ab 45

Eine gezielte Vorsorgeuntersuchung gegen Hodenkrebs gibt es nicht. Ab dem 45. Lebensjahr übernimmt die Krankenkasse eine jährliche Untersuchung der Geschlechtsorgane, die eigentlich gefährliche Zeit für Hodenkrebs ist dann aber schon fast vorbei. Neben einer Untersuchung auf eine vergrößerte Prostata hin gehört zu dieser Vorsorge beim Männerarzt oder Urologen auch das Abtasten der Hoden. Dennoch werden die allermeisten Hodentumoren von den Männern selber ertastet. Insofern kann und sollte diese Vorsorgeuntersuchung das Selbstabtasten nicht ersetzen.

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