14.12.2018

Ab zum Urologen Hodenentzündung: Im schlimmsten Fall droht Unfruchtbarkeit

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Eine gute Beratung beim Arzt ist bei Schmerzen im Hodenbereich wichtig. Falls eine Hodenentzündung vorliegt, sollte der Urologe eingreifen, bevor ernsthafte Komplikationen entstehen.

Foto: iStock/Korrawin

Eine gute Beratung beim Arzt ist bei Schmerzen im Hodenbereich wichtig. Falls eine Hodenentzündung vorliegt, sollte der Urologe eingreifen, bevor ernsthafte Komplikationen entstehen.

Schmerzen und Schwellungen der Hoden sind Warnsignale, die Männer ernst nehmen sollten. Warum es wichtig ist, auf seine Testikel zu achten.

Wenn es um Zeichen der Männlichkeit geht, stiehlt der Penis seinen Mitstreitern meist die Show. Dabei hätten die Hoden ebenfalls viel Aufmerksamkeit verdient. Denn genau hier, in den Keimdrüsen innerhalb des Hodensacks, werden die für die Fortpflanzung benötigten Spermien und das männliche Geschlechtshormon Testosteron produziert.

Kein Wunder also, dass Entzündungen in dem Bereich nicht nur wehtun, sondern sogar schwerwiegende Folgen haben können. Im schlimmsten Fall führt eine selten auftretende Hodenentzündung (Orchitis) oder eine Nebenhodenentzündung (Epididymitis) zu Unfruchtbarkeit. Dies ist einer von zahlreichen guten Gründen, seine Hoden vor solchen Erkrankungen zu schützen.

Ursachen der Hodenentzündung – meist ist Mumps-Erreger schuld

Wenn plötzlich Schmerzen in einem oder in beiden Hoden auftreten und es zu Schwellungen und Rötungen kommt, sprechen Experten von einem "akuten Skrotum". Die Ursachen dafür sind vielfältig – neben einer Hodenentzündung und einer Nebenhodenentzündung kann zum Beispiel eine Hodenverdrehung (Hodentorsion) für die Symptome verantwortlich sein.

Während im Kindes- und Jugendalter häufig eine solche Hodentorsion hinter den Schmerzen steckt, sind im Erwachsenalter eher Hoden- und Nebenhodenentzündungen schuld an den Beschwerden. Eine Kombination dieser beiden Entzündungen ist ebenfalls möglich – sie wird in der Fachsprache als Epididymoorchitis bezeichnet.

Sowohl Viren als auch Bakterien können über Harnwege, Samenleiter, Blut- oder Lymphbahnen zum Hoden gelangen und sich dort breitmachen. Dafür, dass sich die Hoden entzünden, sorgen vor allem Virusinfektionen. Mögliche Auslöser sind zum Beispiel folgende Grunderkrankungen:

In den meisten Fällen verursacht der Mumps-Erreger die Hodenentzündung. Laut Robert Koch-Institut ist die Orchitis im Erwachsenenalter eine häufige Komplikation bei Mumps – bis zu 38 Prozent der erwachsenen Männer mit der Infektion erleiden diese Begleiterkrankung.

Seltener kommen für eine Orchitis auch Bakterien wie Tripper, Syphilis oder Chlamydien als Ursache infrage. Eine Infektion mit Chlamydien kann vor allem zu einer Nebenhodenentzündung führen. Bis zum 35. Lebensjahr sind Chlamydien sogar die häufigste Ursache einer Epididymitis.

Als weitere Ursachen für eine Nebenhodenentzündung sind vor allem Harnwegsinfektionen oder im fortgeschrittenen Alter auch Prostataentzündungen denkbar. Träger von Dauerkathetern können ebenfalls betroffen sein. Laut Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) sind Nebenhodenentzündungen auch mögliche Folgeerkrankungen von einer Prostataoperation oder einer Sterilisation (Vasektomie) Vor der Pubertät tritt eine Nebenhodenentzündung nur selten auf.

Symptome einer Hodenentzündung: Schmerzen und Schwellungen

Die Entzündung eines Hodens oder beider Hoden ist eine schmerzhafte Angelegenheit. Symptome treten meist erst einige Tage nach der Infektion mit dem Grundkrankheitserreger auf. Betroffene merken, dass etwas nicht stimmt, wenn ihre Testikel sehr druck- und berührungsempfindlich sind. Typische Symptome:

  • Schmerzen
  • Rötungen
  • Schwellungen

Auch Fieber, Abgeschlagenheit und ein allgemeines Krankheitsgefühl können auftreten. Es ist zudem möglich, dass die Schmerzen in die Leistenregion ausstrahlen. Oft nehmen die Schmerzen ab, wenn der Hoden angehoben wird. Bei einer Nebenhodenentzündung sind ein Wärmegefühl an den Hoden sowie Schmerzen beim Wasserlassen weitere mögliche Anzeichen.

Diagnose einer Hodenentzündung: wie der Urologe hilft

Wer solche Anzeichen bemerkt, sollte nicht zögern den Arzt aufzusuchen – dazu raten die Experten der Deutschen Gesellschaft für Urologie und des Berufsverbands der Deutschen Urologen. Erste Anlaufstelle kann der behandelnde Hausarzt sein. Um Männern die Suche nach einem Facharzt in ihrer Nähe zu erleichtern, haben die beiden Vereine als Hifestellung eine Urologensuche ins Netz gestellt: www.urologenportal.de.

Der Arzt wird zur Untersuchung den betroffenen Bereich abtasten. Auch Urin-, Blut- oder Ultraschalluntersuchungen können ihn bei der Diagnosefindung unterstützen. Die ersten beiden Untersuchungen sind vor allem von Bedeutung, wenn es darum geht, den auslösenden Erreger ausfindig zu machen. Nach diesem Ergebnis richtet sich die medikamentöse Behandlung: Liegt eine Geschlechtskrankheit vor, muss die Sexualpartnerin mitbehandelt werden.

Behandlung von Hodenentzündungen

Die Behandlung einer Hodenentzündung richtet sich nach der Schwere und sollte so früh wie möglich beginnen. Auch die Dauer der Hodenentzündung ist individuell und vom Auslöser abhängig.

Nach der aktuellen Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Kinderchirurgie und der Deutschen Gesellschaft für Urologie zum akuten Skrotum im Kindes- und Jugendalter können in Absprache mit dem Arzt zum Beispiel folgende Behandlungsmethoden bei einer Hodenentzündung infrage kommen:

  • Bettruhe
  • Hochlagern der Hoden
  • Kühlen der Hoden
  • Einnahme von Schmerzmitteln
  • Einnahme von Antibiotika bei bakteriellem Infekt
  • In seltenen Fällen: operative Eingriffe

Wissenschaftliche Untersuchungen beschäftigen sich außerdem damit, ob zukünftig die Gabe von Testosteron eine Entzündung der Hoden bremsen könnte. Ein Forschungsteam an der Justus-Liebig-Universität Gießen hatte dazu in einem Experiment mit Ratten bereits einen bestehenden Zusammenhang entdeckt. Hier können Sie die Ergebnisse des Experiments im Fachmagazin "The Journal of Immunology“ nachlesen.

Unfruchtbarkeit – mögliche Folge einer Hodenentzündung

Nach Angaben der Gesundheitsberichterstattung des Bundes gehört eine Chlamydieninfektion weltweit zu den häufigsten sexuell übertragenen Krankheiten. Sie ist tückisch, denn bei 70 bis 80 Prozent der Frauen und bei etwa 50 Prozent der Männer verläuft sie symptomlos und bleibt deshalb unerkannt. Ein frühzeitiges Erkennen und Behandeln der Erkrankung ist aber äußerst wichtig – auch, weil die Folgeerkrankung der Nebenhodenentzündung unbehandelt zur Unfruchtbarkeit führen kann.

Laut Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung können auch andere frühere oder akute Infektionen der Hoden oder Nebenhoden die Fruchtbarkeit des Mannes in Mitleidenschaft ziehen. Der Grund dafür liegt nahe: Wird das Gewebe in den Hoden geschädigt, kann dadurch die Spermienproduktion beeinträchtigt werden. Hier können Sie noch mehr über das Thema Unfruchtbarkeit erfahren.

Hodenentzündungen vorbeugen – mit Mumps-Impfung und Safer Sex

Hodenentzündungen sind in jedem Alter ein Thema – für erwachsene Männer, Kinder und sogar für Frauen. Auch, wenn das weibliche Geschlecht nicht selbst von der Erkrankung betroffen sein kann, sollte sich frau besser damit auskennen. Denn auch sie wird nur durch Safer Sex vor der Ansteckung mit Chlamydien bewahrt. Unbehandelt kann eine Infektion bei Frauen zu chronischen Schmerzen und einer Verklebung der Eileiter führen, eine Ursache von Unfruchtbarkeit oder Eileiterschwangerschaften. Wenn der Partner also betroffen ist, heißt es auch für sie: Ab zum Arzt! Hier können Sie nachlesen, auf welche Chlamydien-Symptome Sie achten sollten.

Mütter und Väter sollten für das Thema ebenfalls sensibilisiert sein: Wird im Säuglingsalter bereits eine Impfung gegen Mumps durchgeführt, bietet das einen guten Schutz für den Nachwuchs, sich nicht mit dem Erreger zu infizieren. Am besten informieren Eltern ihren männlichen Sprössling darüber, wie die Hoden selbst untersucht werden können und wie wichtig es ist, bei Beschwerden sofort und ohne Scham Bescheid zu sagen. Als Hilfestellung hat der Berufsverband für Kinder- und Jugendärzte unter dem Titel "Achte auf deine Nüsse" eine Broschüre mit Anleitung für Jungs zum Download bereitgestellt: www.kinderaerzte-im-netz.de

Wichtiger Hinweis für Eltern: Bei starken Schmerzen mit Kindern zum Arzt

Die Deutsche Gesellschaft für Kinderchirurgie rät allen Eltern, plötzliche und starke Hodenschmerzen bei Kindern ernst zu nehmen und schnellstmöglich einen Arzt aufzusuchen. In etwa ein Fünftel der Fälle kann hierbei eine Hodentorsion vorliegen, die eine zügige Behandlung erfordert. Da die Blutzirkulation im Hoden durch die Verdrehung gestört ist, muss innerhalb weniger Stunden ein operativer Eingriff erfolgen.

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