30.11.2018

Ursache für Sodbrennen Zwerchfellbruch: Symptome und Behandlung der Hiatushernie

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Ein typisches Symptom bei Zwerchfellbruch: häufiges Sodbrennen.

Foto: iStock/skynesher

Ein typisches Symptom bei Zwerchfellbruch: häufiges Sodbrennen.

Jeder Vierte über 50 hat einen Zwerchfellbruch (Hiatushernie) – oft, ohne es zu ahnen. Welche Symptome typisch sind und wann eine OP nötig ist.

Die unkomplizierte axiale Hiatushernie, wie die leichteste Form des Zwerchfellbruchs von Fachärzten genannt wird, ist weit verbreitet: In der westlichen Welt sind Schätzungen zufolge rund 25 Prozent aller über 50-Jährigen betroffen – also etwa jeder vierte. Weil sie entweder keine Symptome haben oder aber typische Folgen wie Sodbrennen (Reflux) falsch deuten, ahnen viele Betroffene nichts von ihrem Zwerchfellbruch.

Wie kommt es zum Zwerchfellbruch?

Das Zwerchfell ist eine Muskel-Sehnen-Platte, die Brust- und Bauchhöhle voneinander trennt. Außerdem ist es der wichtigste Muskel unserer Atemmuskulatur. Oberhalb des Zwerchfells liegen Herz und Lunge, unterhalb Nieren, Leber und Verdauungstrakt.

Das Zwerchfell hat drei Öffnungen (Hiatus oder Foramen):

  • eine für die Speiseröhre (Ösophagus) und beide Vagus-Nerven: der Speiseröhrenschlitz (Hiatus oesophageus)
  • eine für die große Hohlvene (Vena cava): das Hohlvenenloch (Foramen venae cavae)
  • eine für die Hauptschlagader (Aorta): der Aortenschlitz (Hiatus aorticus)

Bei gesunden Menschen sind Speiseröhre, Aorta und Hohlvene durch muskuläre Fasern und Bindegewebe in der Ebene des Zwerchfells befestigt.

Bekannte Ursachen für einen Zwerchfellbruch sind beispielsweise:

  • krankhaftes Übergewicht (Adipositas)
  • Schwangerschaft
  • starkes Pressen (Verstopfung, Geburt)
  • schwere körperliche Belastung (insbesondere schweres Heben)
  • starkes Husten oder Erbrechen
  • anlagebedingte Bindegewebsschwäche

Häufigste Form des Zwerchfellbruchs: Axiale Hiatushernie

Die sogenannte axiale Hiatushernie (auch axiale Gleithernie genannt) ist die häufigste Variante des Zwerchfellbruchs: Sie kommt in 80 bis 90 Prozent aller Fälle vor.

Der Speiseröhrenschlitz ist von Bindegewebsfasern umschlossen. Diese Faserstrukturen verlieren mit steigendem Lebensalter nach und nach an Elastizität, sodass sie einem erhöhten Druck im Bauchraum irgendwann nicht mehr standhalten können. Dabei rutscht ein kleiner Teil des oberen Magens in die Brusthöhle. Im Prinzip "verlängert" sich also die Speiseröhre um den nach oben verrutschten Magenanteil.

Wie bemerkt man die axiale Hiatushernie?

Da in der Regel nichts ein- oder abgeklemmt wird, verursacht die axiale Hiatushernie in rund 60 Prozent keine Symptome. Bei den übrigen 40 Prozent kommt es meist zu einem gastroösophagealen Reflux (Sodbrennen): Weil Magen und Speiseröhre bei einem Zwerchfellbruch nicht mehr klar voneinander getrennt sind, fließt Magensäure in die Speiseröhre und kann dort ein unangenehmes Brennen, Aufstoßen, Schluckbeschwerden und Schmerzen hinter dem Brustbein verursachen. Die Schmerzen werden meist schlimmer, wenn sich der Patient hinlegt.

Starke Kontraktionen der Längsmuskulatur der Speiseröhre und die durch das Einwirken der Magensäure ausgelöste Entzündung können den empfindlichen Übergang zwischen Magen und Speiseröhre zusätzlich strapazieren. Sodbrennen und Hiatushernie können sich also in einem negativen Wirkungskreis gegenseitig verstärken.

Zweite Form des Zwerchfellbruchs: Paraösophageale Hiatushernie

Paraösophageal bedeutet "neben der Speiseröhre", was das Erscheinungsbild der zweiten Zwerchfellbruch-Variante gut veranschaulicht: Hier rutscht zwar ebenfalls ein Stück Magen in den Brustraum – anstatt die Speiseröhre einfach zu verlängern, bildet er aber einen von ihr abzweigenden Hohlraum.

Da bei dieser Art des Zwerchfellbruchs größere Magenanteile (manchmal sogar der komplette Magen – in diesem Fall spricht man von einem Upside-Down-Magen) und auch Teile des Dickdarms nach oben rutschen können, kann es eng im Brustraum werden. Folge ist häufig ein deutliches Druckgefühl. Es besteht die Gefahr, dass die Speiseröhre beschädigt wird, was zu Schluckbeschwerden und einem Aufstoßen von Mageninhalt führen kann. Wird das Herz zusammengedrückt, können Herzrhythmusstörungen entstehen. Durch das Abklemmen und Strangulieren verschiedener Organe können Geschwüre und innere Blutungen auftreten. Einige dieser Komplikationen sind lebensgefährlich und machen eine Not-OP nötig. Starke Schmerzen im Bereich des Zwerchfells sind meist ein klares Warnsignal!

Dritte Form des Zwerchfellbruchs: Mischhernie

Die dritte Variante des Zwerchfellbruchs ist eine Mischform aus axialer und paraösophagealer Hiatushernie und kann ebenfalls gefährlich werden, weil alle Komplikationen der paraösophageale Hiatushernie auftreten können.

Zwerchfellbruch-Symptome und Zwerchfellbruch-Diagnose

Ein Zwerchfellbruch ohne Symptome wird meist gar nicht oder zufällig diagnostiziert. Solange die Anomalie keine Probleme verursacht, muss sie in der Regel auch nicht behandelt werden. Klagt ein Patient aber über länger anhaltendes Sodbrennen, Schluckprobleme oder Brustbeinschmerzen und verschwinden diese Symptome durch konservative Behandlungsmethoden nicht, so geht der Arzt üblicherweise dem Verdacht auf Hiatushernie nach:

Nach einer gründlichen Anamnese wird dann meist eine Magenspiegelung (Ösophago-Gastroskopie) durchgeführt. Auch eine Röntgenkonstrastmitteluntersuchung kann die Lage des Magens im Körper und damit einen Zwerchfellbruch sichtbar machen.

Wie sieht die Therapie bei Hiatushernie aus?

Die Behandlung des Zwerchfellbruchs geschieht bei einer unkomplizierten axialen Hiatushernie mit Symptomen wie Sodbrennen meist konservativ – also unter anderem mithilfe einer medikamentösen Säurehemmung: Der Arzt verordnet sogenannte Protonenpumpeninhibitoren (PPI), die den pH-Wert der Magensäure erhöhen und säurebedingten Schäden an der Speiseröhre vorbeugen – jedoch nichts an der Ursache der Beschwerden ändern.

Als nachhaltiger Bestandteil der Therapie gilt eine Umstellung der Lebensweise: Auf Alkohol und Nikotin sollten Sie verzichten, weil sie die Bildung von Magensäure noch weiter anregen. Auch Stress und andere negative Gefühle, die auch körperliche Schmerzen verursachen können, können Symptome beim Zwerchfellbruch verschlimmern. Viel Bewegung und das Erlernen einer Entspannungstechnik wirken sich positiv auf den Gesundheitszustand aus. Übergewichtige Patienten sollten Gewicht reduzieren: Übergewicht ist nicht nur ein Risikofaktor, sondern kann die Zwerchfellbruch-Symptome auch verschlimmern.

Umstellung der Ernährung bei Zwerchfellbruch

Um die Symptome des Zwerchfellsbruchs zu lindern, ist also eine Umstellung der Ernährung sinnvoll und wichtig. Positiv sind fettarme und basische Lebensmittel und Gerichte und Getränke wie zum Beispiel:

  • Kartoffeln
  • Reis
  • Nudeln
  • Salat
  • Suppe, Eintopf
  • Gemüseauflauf
  • Sauerkraut
  • fettarmer Fisch
  • Kräutertee
  • stilles Wasser

Milch und Milchprodukte, (weiche) Eier, Nüsse, Mandeln und ähnliches werden oft ebenfalls gut vertragen. Dies sollten Sie aber individuell ausprobieren.

Einschränken sollten Menschen mit Hiatushernie und Reflux den Konsum von Lebensmitteln, die viel Säure bilden, und Fettigem, wie zum Beispiel:

  • Zucker/Süßigkeiten
  • Weißmehl
  • Fleisch/Wurst
  • Alkohol
  • Koffein
  • Käse
  • Frittiertes
  • Mayonnaise/kalorische Soßen

Auch schwer Verdauliches kann Zwerchfellbruch Symptome wie Sodbrennen verstärken, beispielsweise:

  • Hülsenfrüchte
  • Kohl
  • Paprika
  • Wirsing
  • hart gekochte Eier
  • frisches Brot

Der Umfang der einzelnen Mahlzeiten sollte gering gehalten werden, um den Magen nicht zu überlasten. Besonders nach einer Zwerchfellbruch-OP sind kleine Portionen wichtig. Langsames, gründliches Kauen und Essen ist ebenfalls vorteilhaft. Wer unter Sodbrennen leidet, sollte direkt nach einer größeren Mahlzeit nicht liegen, da die Magensäure sonst leichter in die Speiseröhre fließen kann.

Zwerchfellbruch: OP nötig?

Schlagen Maßnahmen wie Ernährungsumstellung, Lebensstiländerung und Einnahme von Medikamenten langfristig nicht an, kommt es zu starken Schmerzen oder liegt eine gefährliche Paraösophageale Hernie, ein Upside-Down-Magen oder eine kritische Mischhernie vor, so muss eine Operation in Betracht gezogen werden.

Die gängigste Zwerchfellbruch-OP-Methode heißt Fundoplicatio (nach Nissen) und geht auf den Chirurg Rudolf Nissen zurück, der sie in den 1950er-Jahren entwickelte. Um den geschwächten Schließmuskel am unteren Ende der Speiseröhre zu stützen, vernäht der Chirurg auf beiden Seiten den oberen Teil des Magens zu einer Art Manschette. Die Fundoplicatio ist heute auch minimalinvasiv mit vier bis fünf kleinen Schnitten in die Bauchdecke möglich.

Der Zwerchfellbruch hat mit der Verdauung zu tun. Mehr dazu finden Sie auf unserer Themenseite.

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