30.11.2018

Wegen High Heels und Co. Krallenzeh: Weitverbreitete Fehlstellung der Kleinzehen

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Ein Hammerzeh lässt sich mit Fußgymnastik in vielen Fällen wieder etwas ausgleichen. Wie Sie dabei vorgehen sollten und was Sie sonst noch machen können, um die Fußfehlstellung zu behandeln.

Foto: iStock/spukkato

Ein Hammerzeh lässt sich mit Fußgymnastik in vielen Fällen wieder etwas ausgleichen. Wie Sie dabei vorgehen sollten und was Sie sonst noch machen können, um die Fußfehlstellung zu behandeln.

Falsches Schuhwerk kann auf Dauer die Fußmuskulatur so stark schwächen, dass sich die Kleinzehen einkrallen und nicht mehr strecken lassen.

Hammerzehen und Krallenzehen gehören zu den häufigsten Zehenfehlstellungen überhaupt. Der Arzt nennt sie Hallux malleus oder Digitus malleus bzw. Digitus flexus. Betroffen sind fast immer die drei mittleren kleinen Zehen, also der zweite bis vierte Zeh. Die Formen von Hammerzehen und Krallenzehen sind sehr typisch. Der Arzt kann die Fehlstellung in der Regel mit dem bloßen Auge erkennen.

Hammerzeh: Krumm wie ein Hammer

Bei gesunden Kleinzehen liegen alle drei Zehenglieder im Stand flach auf dem Untergrund auf. Beim Hammerzeh ist dagegen das Zehenendgelenk so stark nach innen gebeugt, dass die Zehenspitze quasi wie ein Hammer nahezu senkrecht auf den Boden trifft.

Noch etwas stärker gekrümmt ist der Krallenzeh. Neben dem Endglied ist hier zusätzlich auch noch das Mittelgelenk nach innen geneigt, während das Zehnengrundgelenk meist überstreckt ist. Das führt dazu, dass der Krallenzeh häufig nicht mehr auf den Boden trifft, sondern eingerollt nach oben vom Fuß absteht. Zusätzlich kann es auch noch zu Achsverschiebungen kommen. Das heißt, dass der gebeugte Zeh auch noch nach rechts oder links abweicht und damit den Nachbarzeh bedrängt.

Ursache von Hammer- und Krallenzeh: Fehlstellungen sind überwiegend hausgemacht

Hammer- und Krallenzehen sind nur in den seltensten Fällen angeboren. Meist werden Hammer- und Krallenzehen mit der Zeit erworben und entstehen allmählich durch eine Kombination aus schwachem Bindegewebe und dauerhaftem Tragen von zu engem und zu hohem Schuhwerk. Frauen sind deshalb auch deutlich häufiger betroffen als Männer. Ihr Bindegewebe ist schwächer und die Schuhe oft modisch eng und mit hohem Absatz.

Hammer- und Krallenzehen treten deshalb auch oft zusammen mit anderen Fuß- und Zehenfehlstellungen auf, die ebenfalls häufig durch ein schwaches Bindegewebe und meist auch genetisch begünstigt sind. Dazu gehören Senk-, Spreiz-, Hohl- und Knickfuß. Aber auch ein Hallux valgus, also der Ballenzeh, wird oft in Zusammenhang mit Hammer- und Krallenzehen beobachtet. In sehr seltenen Fällen können allerdings auch neurologische Erkrankungen oder Unfallverletzungen für die Entstehung von Hammer- und Krallenzehen verantwortlich sein.

Symptome: schmerzhafte Druckstellen durch Platzprobleme im Schuh

In der Anfangsphase werden Hammer- und Krallenzehen von vielen Betroffenen vor allem als kosmetisches Problem empfunden, denn die Fehlstellung tut zu Beginn oft gar nicht weh und muss auch später nicht zwangsläufig immer Schmerzen bereiten. Das kann auch lange Zeit so bleiben, wenn konsequent bequeme und passende Schuhe getragen werden, die den krummen Zehen vor allem nach oben hin genügend Platz lassen.

Gerade Frauen neigen aber dazu Schuhe ohne Rücksicht auf die eigene individuelle Fußform zu wählen und inzwischen folgen auch immer mehr Männer diesem für die Füße nachteiligen Trend. Laut "Deutschem Schuhreport 2010" tragen tatsächlich acht von zehn Deutschen die für ihre Füße falschen Schuhe.

Wird die Fußform bei der Wahl der Schuhe aber dauerhaft ignoriert, verformen sich die Zehen immer stärker. Durch die Krümmung benötigen die Zehen im Schuh nach oben hin dann immer mehr Platz. In normalen Schuhen ist dieser aber nicht unbegrenzt verfügbar, sodass die Zehen ständigem Druck ausgesetzt sind und zudem anstoßen.

In der Folge bilden sich auf den Zehengelenken und oft auch an der Spitze der Zehen unangenehme Druckstellen und/oder schmerzhafte Hühneraugen. Außerdem kann es durch die Fehlstellung der Zehen auch zu einer Instabilität des Fußes sowie einer insgesamt veränderten Druckverteilung kommen. Das wiederum kann zu einer Überbelastung der Mittelfußgelenke führen.

Da dieser Bereich des Fußes für eine körpertragende Belastung aber nicht ausgelegt ist, kann es auf Dauer zu einer schmerzhaften Schädigungen der Mittelfußköpfchen mit Ergussbildung kommen. Außerdem entstehen häufig zusätzliche Druckstellen und Schwielen an den Unterseiten der Füße, die ebenfalls sehr schmerzhaft sein können.

Behandlung des Hammerzeh frühzeitig beginnen

Ein Hammerzeh entsteht nicht von heute auf morgen, sondern in der Regel allmählich. Treten erste Verformungen auf, lassen sich die verkrümmten Zehen meist noch gut mit der Hand wieder in ihre natürliche Position zurückschieben. In dieser Phase können die Krallen- und Hammerzehen noch sehr gut mit konservativen Therapiemöglichkeiten behandelt werden. Zwar lässt sich die Fehlstellung nicht immer komplett korrigieren, aber zumindest ein Fortschreiten der Erkrankung kann häufig verhindert werden.

Das hilft gegen Krallen- und Hammerzehen:

  • A und O jeder Hammerzeh-Therapie ist es, passende und möglichst flache Schuhe aus weichem Material zu tragen, die Fuß und Zehen genügend Platz lassen und keinen Druck auf das empfindliche Gewebe ausüben.
  • Spezielle Polster und Filzringe können zusätzlich für Entlastung sorgen und Schmerzen reduzieren.
  • Auch orthopädische Einlagen, die das Quergewölbe stützen können für eine bessere Druckverteilung am Fuß sorgen.
  • Physiotherapie und regelmäßige Fußgymnastik helfen darüber hinaus ganz gezielt, die geschwächte Fußmuskulatur wieder aufzubauen und verkürzte Bänder und Sehnen effektiv zu dehnen und zu kräftigen. Um gute Ergebnisse zu erzielen, ist es allerdings wichtig die Übungen regelmäßig, am besten täglich, durchzuführen.
  • Neben klassischen Fußübungen, gilt auch die sogenannte Spiraldynamik als besonders geeignet die Fußmuskulatur zu kräftigen und den Fuß wieder beweglicher zu machen, um damit die natürliche Abrollbewegung nachhaltig zu fördern.
  • Laufen Sie so oft es geht barfuß! Das kräftigt die Fußmuskulatur auf ganz natürliche Weise. Diabetiker müssen hier allerdings wegen möglicher Verletzungsgefahr vorsichtig sein und sollten dieses Vorhaben immer zuerst mit dem behandelnden Arzt besprechen.
  • Mithilfe von Tape- und Zügelverbänden können die verkrümmten Zehen wieder in die richtige Position gezogen werden. Das sorgt für eine dauerhafte Dehnung der verkürzten Sehnen und Bänder sowie eine Druckentlastung der besonders strapazierten Fußbereiche.
  • Wenn die Zehen noch beweglich sind, kann eine Streckung von Hammer- und Krallenzehen auch durch spezielle Hammerzeh-Schienen erreicht werden, die im Orthopädie- und Sanitätsfachhandel erhältlich sind.

Fußgymnastik beim Hammerzeh kann etwa so aussehen:

Fußgymnastik bei Hammerzehen

Unsere 12 Tipps für gesunde Füße helfen Ihnen außerdem dabei, die Fußpflege nicht zu vernachlässigen und die Füße fit zu halten.

Therapie des Hammerzehs – manchmal hilft nur eine Operation

Da Hammer- und Krallenzehen im Anfangsstadium nur selten wehtun, wird das Problem von Betroffenen leider oft viel zu lange ignoriert, ähnlich wie beim Hallux valgus. Das führt dazu, dass die zu engen Schuhe ständig weiter getragen werden und die entsprechenden Muskeln, Bänder und Sehnen nach und nach immer mehr verkümmern und verkürzen.

Die Krümmung der Hammerzehen nimmt damit immer stärker zu, bis irgendwann kein Schuh mehr passt und jeder Schritt zur Qual wird. Unangenehme Druckstellen, Schwellungen und schmerzhafte Hautentzündungen sind dann an der Tagesordnung, etwa können auch Hühneraugen auftretenHühneraugen: Ursachen & sinnvolle Behandlungen oder eingewachsene Zehennägel sind Folge. Auch versteifen die Zehen mit der Zeit in der gekrümmten Stellung, sodass sie selbst mit der Hand nicht wieder in eine gerade Position gezogen werden können.

Eine Heilung mit konservativen Therapien ist in diesem Stadium nicht mehr möglich. Allenfalls kann eine Linderung der Beschwerden durch besonders weite und weiche Schuhe sowie Druckentlastungspflaster und -polster erzielt werden. Eine echte Verbesserung der Situation kann dann in der Regel nur noch eine Operation bringen.

Auch der Hallux valgus, der Ballenzeh, kommt oft von zu engem, hohen Schuhwerk. Darunter leiden auch viele Stars – aber schauen Sie selbst:

OP ist mittlerweile Routine-Eingriff

Je nach Grad der Fehlstellung stehen unterschiedliche Techniken zur Verfügung, bei der die Zehngelenke, Bänder und Sehnen auf chirurgischem Weg korrigiert werden, um die Zehen wieder in die Streckung zu bringen. Das Ergebnis wird in der Regel mit einem Draht oder Tapeverband für einige Wochen fixiert. Während dieser Zeit muss der Patient einen speziellen Entlastungsschuh tragen.

Eine Operation sollte aber immer der letzte Ausweg sein, da jeder Eingriff mit gewissen Risiken verbunden ist. Die Hammerzeh-Operation gilt heutzutage aber als erprobter Routine-Eingriff, der in Deutschland pro Jahr rund 100.000 Mal durchgeführt wird und in der Regel ambulant erfolgen kann. In den meisten Fällen führt die Korrektur zu einem langanhaltend guten Ergebnis, das meist auch ästhetisch eine echte Verbesserung der Füße bringt.

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