07.02.2019

Kampf dem Vergessen Studie: Wie man an den Augen Alzheimer früher erkennen kann

Von

Alzheimer lässt sich mithilfe einer Netzhautuntersuchung erkennen, sogar schon vor dem Ausbruch der Krankheit

Foto: iStock/gilaxia

Alzheimer lässt sich mithilfe einer Netzhautuntersuchung erkennen, sogar schon vor dem Ausbruch der Krankheit

Alzheimer gilt bisher (noch) als unheilbar. Die Früherkennung ist somit immens wichtig. Hier ist amerikanischen Forschern offensichtlich eine medizinische Sensation gelungen.

Alzheimer ist die am weitesten verbreitete Form von Demenz. In Deutschland gibt es ca. 1,2 Millionen Betroffene. Ärzte müssen sich bei Ausbruch der schweren Gehirnkrankheit bisher auf die Linderung der Symptome beschränken und versuchen, der Verschlechterung, dem Fortschreiten der Krankheit, entgegenzuwirken. Es lässt sich durch Medikation nur etwas verzögern. Das Problem: Nur ca. 50 Prozent der Patienten sprechen auf die Medikamente an. Doch eine amerikanische Studie zeigt jetzt: Anscheinend lässt sich Alzheimer an den Augen erkennen.

Alzheimer an den Augen erkennen? Früherkennung ist das Wichtigste

Eines der größten Probleme ist die späte Erkennung der Krankheit. Oft wird Alzheimer erst diagnostiziert, wenn die Betroffenen selbst, ihre Verwandten und Freunde Besonderheiten beim Erkrankten bemerken: Die geistige Leistungsfähigkeit nimmt ab, die Vergesslichkeit nimmt zu.

So erging es beispielsweise Fußballmananger Rudi Assauer, bei dem die Krankheit 2012 diagnostiziert worden war und der nun verstorben ist. Ob sein Tod eine Folge der Demenzerkrankung war, ist nicht bekannt. Aber zurückgezogen hatte sich der einst so umtriebige Assauer. Denn Alzheimer, wie andere Demenz-Erkrankungen, verändert das Leben – und die Persönlichkeit.

Ohne medikamentöse Therapie entwickelt sich die Krankheit von leichten Gedächtnisstörungen über eine mittlere Demenz und kann bis zur kompletten Orientierungslosigkeit führen. Typisch für das Endstadium von Alzheimer sind dann auch körperliche Fehlfunktionen.

Bahnbrechend scheint aber eine neue Methode der Frühdiagnostik zu sein, die in diesem Jahr auf der Alzheimer’s Association International Conference in Chicago vorgestellt wurde: Die Augen spielen dabei eine große Rolle.

Alzheimer lässt sich an der Netzhaut erkennen

Mit verschiedenen Tests arbeitet man heute, die auf die Erkrankung hinweisen, etwa dem Uhrentest. Aber dafür müssen sich bereits Symptome zeigen. Und dann ist es meist zu spät, um die Krankheit noch gut genug einschränken zu können. Heilbar ist sie nicht.

Eine Studie der Washington University School of Medicine aus dem Jahr 2018 mit 30 Teilnehmern im Alter von Mitte 70 hat nun aber Erstaunliches gezeigt. Die Wissenschaftler konnten belegen, dass es einen Zusammenhang zwischen Veränderungen der Augen und der Diagnose Alzheimer gibt.

Bei Patienten mit für Alzheimer typischen Eiweißablagerungen im Gehirn – fachspezifisch wird von einem erhöhten Amyloid- oder Tau-Spiegel gesprochen – konnte eine deutliche Verdünnung der Netzhaut festgestellt werden, bemerkt Forschungsleiter Prof. Dr. med. Rajendra S. Apte. Und das Bemerkenswerte: Diese Form von Plaques lagert sich oft schon ein bis zwei Jahrzehnte vor dem Ausbruch der Alzheimer-Krankheit im Gehirn ab.

Außerdem sei noch ein weiterer Hinweis auf die Demenzerkrankung feststellbar gewesen, nämlich eine verschlechterte Durchblutung der Augen. Jeder Mensch hat in der Mitte der Netzhaut einen kleinen Teil, an dem keine Adern verlaufen. Die Probanden mit Alzheimer im Frühstadium wiesen in der Untersuchung einen besonders starken Bereich ohne Blutgefäße auf.

Plaques-Untersuchungen sind beim Augenarzt möglich

Eigentlich verlaufen Demenz und Alzheimer in drei Stadien. Das Besondere an den Studienerkenntnissen ist nun also, dass die Krankheit noch vor Eintreten der kognitiven Beeinträchtigung erkannt werden kann und die Betroffenen entsprechend frühzeitig behandelt werden können. Im Idealfall die typischen Symptome also gar nicht erst auftreten.

Diese Art der Netzhautuntersuchung bedarf keiner wissenschaftlichen Methoden oder Gerätschaften und sind somit in jeder Augenarztpraxis möglich.

Zwar macht auch diese Früherkennung Krankheiten wie Alzheimer und Demenz noch nicht heilbar, aber die Studie, auch wenn sie klein ist, gibt Hoffnung. Wenn man Alzheimer an den Augen erkennen kann, lässt sich auch frühstmöglich mit der Behandlung beginnen – und vielleicht sogar vorbeugend handeln. "Wir hoffen, dass sich die neue Technik nutzen lässt, um zu erkennen, bei wem sich ungewöhnliche Eiweißablagerungen im Gehirn ansammeln, die zur Entwicklung von Alzheimer führen können", erklärt Studienleiterin Bliss E. O'Bryhim. Weitere Studien sind jetzt aber noch notwendig, bis das Verfahren angewendet wird.

Bisherige Verfahren: Uhrentest und Co.

Bis dahin müssen Ärzte auf die althergebrachten Tests zurückgreifen, die sich erst anwenden lassen, wenn bereits Symptome wie schlechte Orientierung da sind. Der wohl bekannteste ist der Uhrentest. Der Patient soll innerhalb von fünf Minuten auf ein Papier mit einem Kreis die Ziffern 1-12 eintragen und dann bestimmte Uhrzeiten bestimmen. Dabei wird der Getestete beobachtet:

  • Wie verhält sie oder er sich?
  • Gibt es irgendwo Probleme?
  • Wirken Bewegungen ungelenk?
  • Wo beginnt die Nummerierung?
  • Ist die Schrift lesbar?
  • Sind die Zahlen richtig angeordnet, fehlen welche oder sind welche doppelt?

Ärzte können aus diesem Test einen Hinweis erhalten, ob Orientierungsprobleme vorliegen oder das räumlich-visuelle Vorstellungsvermögen gestört ist. Allerdings müssen hier weitere Tests anschließen.

Selbst testen können Angehörige auf Probleme, indem sie dem Gegenüber etwa die Aufgabe stellen, 30 Waren aufzuzählen, die sie im Supermarkt kaufen können oder sie bitten, Zahlen von Schrift in Ziffern umzuwandeln und umgekehrt: also "dreiundneunzig" in "93" schreiben oder "156" auszuschreiben. Tatsächliche Diagnosen kann aber nur der Arzt geben.

Demenz und Alzheimer sind Erkrankungen, die Betroffenen und auch deren Verwandten und Freunden das Leben sehr schwer machen können, die Symptome gehen von Orientierungslosigkeit, Konzentrationsproblemen und Vergesslichkeit über Antriebsarmut sowie Problemen bei Routineaufgaben im Alltag bis hin zu Stimmungsschwankungen. Die Ursachen von Demenz und Alzheimer sind vielschichtig, hängen aber auch mit dem Lebensstil zusammen. Eine Früherkennung, wie es die Möglichkeit, Alzheimer an den Augen zu erkennen, geben würde, könnte daher vielen helfen, länger ein normales Leben zu führen – vor allem, da Alzheimer keine "Alterskrankheit" ist, wie man immer denken könnte. Auch junge Menschen können erkranken.

Hier sind die Untersuchungsergebnisse detailliert nachzulesen.

Seite