23.11.2018

Gutartiger Hauttumor Hämangiom: Blutschwämmchen sind häufig bei Babys und Kleinkindern

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Ein Hämangiom ist zwar in der Regel ungefährlich, solange es nicht unkontrolliert wächst, sollte aber dennoch vom Hautarzt überprüft werden.

Foto: iStock/AlexRaths

Ein Hämangiom ist zwar in der Regel ungefährlich, solange es nicht unkontrolliert wächst, sollte aber dennoch vom Hautarzt überprüft werden.

Hämangiome sind leuchtend rote Hautmale, die so ähnlich aussehen wie Erdbeeren. Meist sind sie harmlos und verschwinden von alleine wieder.

Ein Hämangiom oder Blutschwämmchen ist ein gutartiger Tumor der Blutgefäße. Am häufigsten findet man Hämangiome bei Säuglingen, es gibt aber auch Formen, die erst im Erwachsenenalter auftreten. Selbst wenn das Wort Tumor bedrohlich klingt, bedeutet es medizinisch erstmal nichts anderes als Schwellung.

Hämangiome sind fast immer harmlos. Entfernen muss man sie nur, wenn sie stören, gesundes Gewebe verdrängen oder plötzlich unkontrolliert zu wachsen beginnen. Lesen Sie hier, wie Blutschwämmchen entstehen und wie man sie behandeln kann, falls sie sich nicht von alleine wieder zurückbilden.

Was ist ein Hämangiom?

Hämangiome sind die häufigsten gutartigen Tumore bei Säuglingen und Kleinkindern, man spricht dann auch vom infantilen Hämangiom. Etwa fünf bis zehn Prozent aller Babys haben sie. Bei den meisten entwickelt sich das Blutschwämmchen erst im Laufe der ersten Lebenswochen, einige Kinder kommen jedoch schon damit auf die Welt.

Die Ursache für die Entstehung ist bisher noch nicht abschließend geklärt. Man vermutet aber, dass sich kleine Teile der Plazenta irrtümlich in der Haut des ungeborenen Kindes ablagern. Nach der Geburt beginnen diese Zellen zu wachsen, bis der Körper sie irgendwann als fremd erkennt und sie abzubauen beginnt. Frühgeborene haben durchschnittlich häufiger Hämangiome als zeitgerecht geborene Kinder, außerdem sind Mädchen öfter betroffen als Jungen.

Aus medizinischer Sicht unterscheidet man zwei Hauptformen:

  • Kapilläres Hämangiom: Es tritt an den kleinsten Blutgefäßen auf, den Kapillaren, die zwischen Arterien und Venen liegen.
  • Kavernöses Hämangiom (Kavernom): Es betrifft die größeren, venösen Blutgefäße und tritt in Form von weiteren Aussackungen auf.

Außerdem gibt es noch das arteriovenöse Hämangiom. Genau genommen handelt es sich hier aber nicht um ein echtes Hämangiom, sondern um eine angeborene Fehlbildung der Blutgefäße, bei der die Arterien direkt mit den Venen verbunden sind, wobei das dazwischenliegende Kapillargebiet fehlt.

Wie erkennt man ein Hämangiom?

Hämangiome sind meistens leuchtend rot, haben eine erhabene, körnig-gefurchte Oberfläche und eine gummi- oder schwammartige Konsistenz. In ihrem Aussehen erinnern sie an Erdbeeren, weshalb man sie auch Erdbeerflecken nennt. Hämangiome können grundsätzlich überall am Körper entstehen, am häufigsten treten sie aber an der Haut im Bereich des Kopfs, im Gesicht und am Hals auf.

Unterscheiden muss man sie vom Storchenbiss (Naevus flameus), einer flachen Hautrötung, die meist im Nacken des Kindes sitzt. Hier hat der Storch das Kind festgehalten, so die Legende und deshalb der Name. Im Gegensatz zum Hämangiom ist ein Storchenbiss nicht erhaben und verblasst schon innerhalb der ersten Wochen nach der Geburt.

So entwickeln sich Hämangiome

Typischerweise sieht man bei der Geburt noch nichts oder höchstens eine kleine rote Stelle. In den ersten Lebenswochen beginnt das Blutschwämmchen dann zu wachsen. Seine endgültige Größe erreicht es meist mit etwa einem Jahr. Dann folgt eine lange Phase des Stillstandes, bis es langsam beginnt sich zurückzubilden. Zeichen dafür ist oft eine weißliche Verschuppung der Oberfläche. Mit der Zeit wird das Hämangiom immer heller und flacher und ist bis etwa zur Schulzeit bei den meisten Kindern völlig verschwunden. Selten kann die Rückbildung auch bis in die Pubertät hinein dauern. Manchmal bleibt eine leichte Narbe zurück.

Behandlungsbedarf? Erst einmal abwarten und beobachten

Vermuten Eltern bei ihrem Kind ein Hämangiom, sollten sie dies in jedem Fall vom Kinderarzt abklären lassen. In den meisten Fällen ist die Hautveränderung völlig harmlos und man kann getrost abwarten und beobachten, ob sie sich von alleine zurückbildet. Die Kinderärzte empfehlen dazu aber häufig, das Hämangiom regelmäßig zu fotografieren, um das Wachstum zu dokumentieren.

Wann muss das Hämangiom entfernt werden?

Manchmal entstehen Blutschwämmchen allerdings an Stellen, wo sie die Entwicklung des Kindes stark beeinträchtigen können, etwa am Auge, am Naseneingang oder im Ohr. Sobald ein Blutschwämmchen eine Gefahr für die gesunde Entwicklung des Kindes darstellt, muss es entfernt werden. Das gilt insbesondere, wenn wichtige Sinnesfunktionen oder gar die Atmung eingeschränkt werden. Insgesamt sind etwa ein Viertel der Hämangiome bei Babys behandlungsbedürftig.

  • Häufige Gründe, ein Hämangiom zu entfernen sind:
  • prominenter Sitz mitten im Gesicht
  • mögliche Beeinträchtigung der Seh- oder Sprachentwicklung
  • Beeinträchtigung der Atmung
  • extrem schnell wachsende, wuchernde Hämangiome
  • schmerzhafte Geschwürbildung (Ulzeration), weil das Hämangiom sehr tief in die Haut hineinreicht

Hämangiome im Erwachsenenalter

Hämangiome sind nicht den kleinen Kindern vorbeihalten, selbst wenn sie bei ihnen überdurchschnittlich häufig auftreten. Es gibt einige Formen, die vor allem im Erwachsenenalter vorkommen. Im Normalfall finden sie sich ebenfalls im Bereich der Haut oder der Schleimhäute, sie können aber auch manchmal an inneren Organen, am Auge, in der Wirbelsäule und sogar im Rückenmark sitzen.

Seniles Hämangiom

Diese Art der Hämangiome tritt vor allem bei älteren Menschen auf. Senile Hämangiome, auch eruptive Hämangiome genannt, sind punktartige, stecknadelkopfgroße Papeln, die sich aus den kleinsten Blutgefäßen der Haut herausbilden. Sie zeigen sich als rubinrote oder kirschrote kleine Knötchen, deshalb bezeichnet man sie auch als Rubinflecken oder Kirschangiome. Diese kleinen Blutschwämmchen entstehen bevorzugt am Oberkörper. Sie sind nicht gefährlich und müssen nicht entfernt werden, es sei denn, sie stören einen.

Manchmal kommt es vor, dass sich ein Hämangiom schwarz färbt, wenn es aufgrund einer mechanischen Reizung zu einer leichten Einblutung kommt. Dann sollte man es vom Hautarzt ansehen lassen, um sicherzugehen, dass es sich nicht um eine Art von Hautkrebs bzw. ein Symptom dessen handelt.

Hämangiom der Wirbelsäule (vertebrales Hämangiom)

Hämangiome sind die häufigsten gutartigen Tumore an der Wirbelsäule. Etwa zehn Prozent aller Menschen haben sie. Im Normalfall machen sie keine Probleme und werden deshalb meist eher zufällig bei bildgebenden Untersuchungen wie MRT oder CT entdeckt. Am häufigsten findet man sie im Bereich der Brustwirbelsäule zwischen den Wirbeln T3 bis T9. Solange sie keine Beschwerden verursachen, müssen sie nicht behandelt werden.

Hämangiom der Leber (Leberhämangiom)

Leberhämangiome sind meist angeboren. Im Erwachsenenalter werden sie dann irgendwann zufällig bemerkt, meist bei Ultraschalluntersuchungen. Normalerweise sind sie harmlos, manchmal kann bei größeren Hämangiomen aber eine leichte Blutarmut (Anämie) auftreten. Wenn sie Beschwerden verursachen, sollten Leberhämangiome möglichst schnell entfernt werden, ansonsten dürfen sie verbleiben, wo sie sind.

Hämangiom der Augenhöhle (Orbitalhämangiom)

Im Unterschied zum Lidhämangiom, das häufig bei Babys zu finden ist, tritt diese Form eher im mittleren Lebensalter auf. Orbitalhämangiome wachsen sehr langsam. Sie sitzen in der Augenhöhle und können jedoch im Laufe der Zeit langsam den Augapfel nach vorne drücken. In diesem Fall müssen sie operativ entfernt werden.

Lippenangiom (Phlebektasie)

Lippenangiome entstehen meist erst nach dem 40. Lebensjahr. Sie bilden sich vorzugsweise am seitlichen Rand der Unterlippe, selten an der Oberlippe. Zunächst zeigt sich oft ein flacher blauroter Fleck, der sich wegdrücken lässt. Im Laufe der Zeit kommt es zu einem weichen, dunkelvioletten, erbsengroßen Knoten (Phlebektasie). Lippenangiome können entweder chirurgisch entfernt oder verödet werden.

Therapiemöglichkeiten: So wird ein Hämangiom entfernt

Kryotherapie

Kleine oberflächliche Hämangiome können mittels Kryotherapie vereist werden. Nach einer lokalen Betäubung wird das Blutschwämmchen mit einem Kältestift von minus 30 bis minus 40 Grad Celsius behandelt. Das funktioniert aber nur bei oberflächlichen Malen, da die Kälte nur etwa drei Millimeter tief in die Haut eindringt. Möglicherweise bleiben Pigmentstörungen oder leichte Narben zurück.

Lasertherapie

Die Lasertherapie gilt heute als die Methode der Wahl. Eine sehr schonende Art der Entfernung kleiner Hämangiome ist die farbstoffgepulste Lasertherapie. Sie eignet sich allerdings ebenfalls nur für eher oberflächliche Blutschwämmchen. Bei tiefergehenden Hämangiomen kommt ein ND-Laser zum Einsatz. Auch beim Lasern können kleine Narben zurückblieben.

Kauterisation (Veröden)

Das sogenannte Veröden oder Verätzen wird vor allem bei kleinen Blutschwämmchen wie Lippenangiomen angewendet. Mit einem Kauter verschließt der Hautarzt das Blutgefäß lokal. Das geschieht entweder mithilfe von elektrischem Strom, mit Laser oder Säureätzung.

Chirurgische Entfernung

Eine operative Entfernung von Hämangiomen ist selten notwendig und wird meist nur dann durchgeführt, wenn das Mal entweder sehr tief geht oder aber im Bereich der Kopfhaut liegt, da man auf diese Weise den Haarwuchs am besten erhalten kann.

Beta-Blocker können Hämangiome eindämmen

Mehr oder weniger durch Zufall haben Wissenschaftler entdeckt, dass das blutdrucksenkende Mittel Propanolol, auch als Beta-Blocker bekannt, Hämangiome schrumpfen lässt. Die Methode ist inzwischen erprobt und hat relativ wenig unerwünschte Nebenwirkungen.

Antibiotika-Salbe gegen Entzündungen

Manchmal entzünden sich Hämangiome – man spricht von lokalen Ulzerationen – und verursachen dann Schmerzen oder Juckreiz. Hier hilft am besten die Anwendung einer Antibiotikasalbe, die allerdings vom Haut- oder Kinderarzt verschrieben werden muss. Dieser kann aber auch gleich nachschauen und prüfen, ob es sich nicht um eine Form von Hautausschlag oder auch einen Hautpilz handelt.

Wie bereits erwähnt, sollte ein bestehendes Hämangiom immer zumindest untersucht und dann beobachtet werden. Sollten Sie andere Hautveränderungen bei sich oder Ihren Angehörigen entdecken, sollten Sie auch diese untersuchen lassen, falls es sich um eine Form von Hautkrebs handelt.

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