26.10.2018

Medikament gegen Bluthochdruck Studie belegt: ACE-Hemmer erhöhen Krebs-Risiko

ACE-Hemmer wirken gegen hohen Blutdruck – stehen aber auch im Verdacht, Lungenkrebs auszulösen und wachsen zu lassen.

Foto: iStock/digicomphoto

ACE-Hemmer wirken gegen hohen Blutdruck – stehen aber auch im Verdacht, Lungenkrebs auszulösen und wachsen zu lassen.

Bestimmte Blutdruck-Medikamente stehen wohl im engen Zusammenhang mit Lungenkrebs-Fällen. Das hat eine Studie nun herausgefunden. Das Fatale: Die Medikamente sind weltweit stark verbreitet. Was Sie jetzt wissen müssen.

Eigentlich sollten sie helfen, besser zu leben. Stattdessen scheinen sie zumindest in manchen Fällen Nebenwirkungen mitzubringen, die nicht ohne sind: Forscher fanden heraus, dass bestimmte, weit verbreitete Blutdruck-Medikamente Lungenkrebs auslösen können oder zumindest das Risiko erhöhen, daran zu erkranken.

Studie zeigt: Blutdruck-Medikamente erhöhen Risiko für Lungenkrebs

Die Forscher der McGill University Montreal fanden in einer Studie heraus, dass sogenannte ACE-Hemmer, die in weiten Teilen der Welt als Blutdruck-Senker sowie zur Behandlung gegen chronische Herzinsuffizienz eingesetzt werden, das Risiko erhöhen, bei den Patienten Lungenkrebs entstehen zu lassen. Die Ergebnisse der Studie wurden jetzt in einem Fachmagazin veröffentlicht.

Um 14 Prozent erhöht sei demnach die Wahrscheinlichkeit, bei regelmäßiger Einnahme ein Lungenkarzinom zu entwickeln. Je länger die Einnahme, desto höher dabei das Risiko: Bei Probanden, die fünf Jahre lang ACE-Hemmer eingenommen haben, war das Risiko auf 22 Prozent gestiegen, nach zehn Jahren regelmäßiger Einnahme sogar auf 31 Prozent.

Als Grund vermuten die Wissenschaftler, dass ACE-Hemmer den Stoff Bradykinin in der Lunge anhäufen lassen, der wiederum die Entstehung von Karzinomen beeinflussen kann.

Großstudie mit fast einer Million Teilnehmer

Die Untersuchung fand in Großbritannien statt, ist aber aufgrund der hohen Anzahl an Probanden recht aussagekräftig: 992.000 Patienten haben die Forscher zwischen 1995 und 2015 untersucht. All diesen wurden im angegebenen Zeitraum Medikamente gegen Bluthochdruck verschrieben.

Eine Gruppe bekam dabei auf ACE-Hemmern basierende Tabletten, die zweite Gruppe sollte einen Angiotensin-Rezeptor-Blocker (sogenannte Sartane) einnehmen, der wiederum anders wirkt. Beim Vergleich der beiden Gruppen konnten die oben genannten Risiko-Unterschiede erkannt werden. Einbezogen in die Studie wurden Alter, Geschlecht, Gewicht, sowie Alkohol- und Zigarettenkonsum – nicht jedoch die Ernährung.

ACE-Hemmer sind weltweit verbreitet.

Bei welchen Medikamenten sollte man nun also hellhörig werden? Der am häufigsten verschriebene ACE-Hemmer ist Ramipril. Allein in England wurde dieser Stoff im Jahr 2017 über 27 Millionen Mal ausgegeben. Bekannt als ACE-Hemmer sind auch die Bezeichnungen Captopril, Cilazapril und Enalapril.

"ACE" steht kurz für Angiotensin-Converting-Enzym. Wird dieses Enzym blockiert, also gehemmt in seiner Funktion, können sich die Blutgefäße weiten. Der Blutdruck sinkt und wird reguliert.

Das sind derzeit die gängigen Blutdrucksenker:

  • ACE-Hemmer
  • ATI-Rezeptor.Antagonisten (die oben genannten Angiotensin-Rezeptor-Blocker, Sartane)
  • Betablocker
  • Calcium-Antagonisten
  • Diuretika

Welches Medikament – oder welche Mischung bei wem angewendet wird, muss der Arzt individuell bestimmen.

Wie geht es nun weiter?

Nun müssen, so die Wissenschaftler, weitere Forschungen folgen, vor allem sollten Patienten, die solche ACE-Hemmer über lange Zeit einnehmen, jetzt genau untersucht werden.

Und genau das rät auch die Deutsche Hochdruckliga. Die und die ihr anhängenden Kardiologen kritisieren die Studie zu ACE-Hemmern und ihrem Lungenkrebs-Risiko nämlich. Sie sei lediglich beobachtend, wichtige Faktoren wie Übergewicht und Rauchen seien nicht ausreichend beachtet worden. Die Fachexperten warnen daher vor eigenmächtigem Absetzen.

WICHTIG! Sollten Sie also einen der genannten Stoffe einnehmen müssen, um Ihren Blutdruck zu regulieren, setzen Sie das Medikament aber keinesfalls einfach so ab! Sprechen Sie in jedem Fall mit Ihrem Hausarzt oder Kardiologen, um sich gründlich durchzuchecken und gemeinsam über Alternativen oder Risiken zu sprechen.

Bereits im Sommer 2018 war das Blutdruckmedikament Valsartan zurückkgerufen worden, weil es in manchen Chargen krebserregende Verunreinigungen enthalten hatte.

Tabletten sind nicht immer die einzige Lösung

In Deutschland leben rund 20 bis 30 Millionen Menschen mit Bluthochdruck, weltweit kommt man auf etwa ein Viertel der gesamten Bevölkerung. Um Herz-Kreislauf-Erkrankungen entgegenzuwirken, werden entsprechend viele Blutdrucksenker verschrieben.

Vermutlich kommt diese hohe Zahl an Blutdruckpatienten vor allem durch Übergewicht, zu wenig Bewegung, Rauchen und Alkohol – eben einen ungesunden Lebensstil. Wer gegen diese vier Dinge aktiv angeht, kann seinen Blutdruck oft schon ohne Medikamenteneinnahme senken – und ganz nebenbei dem Krebs ein Schnippchen schlagen. Vor allem Bewegung hilft enorm beim Vorbeugen gegen Krebs. Auch die Lunge reinigen kann helfen.

So einfach ist es jedoch nicht für jeden. Zwar lassen sich Alkohol und Rauchen ganz gut reduzieren, aber gerade Bewegungsmangel und Übergewicht können auch durch andere Faktoren und Krankheiten begünstigt werden. Und auch der Bluthochdruck hat manches Mal andere Ursachen. Unser Herz-Kreislauf-System ist eben ein komplexes Gefüge, in das vieles mit einfließt.

Die Studie finden Sie in englischer Sprache hier.

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