05.10.2018

Emotionaler Stress Herzinfarkt durch Stress: Wenn Gefühle das Herz angreifen

Eine starke emotionale Belastung, etwa ein Trauerfall oder eine andere schlimme Nachricht, kann einen Herzinfarkt durch Stress auslösen. Der entsteht anders als der klassische Infarkt, birgt aber dasselbe Risiko.

Foto: iStock/laflor

Eine starke emotionale Belastung, etwa ein Trauerfall oder eine andere schlimme Nachricht, kann einen Herzinfarkt durch Stress auslösen. Der entsteht anders als der klassische Infarkt, birgt aber dasselbe Risiko.

Herzinfarkt ist noch immer die häufigste Todesursache hierzulande. Das liegt unter anderem daran, dass er durch so vieles ausgelöst werden kann – auch durch emotionalen Stress, wie Forscher nun in Erinnerung rufen.

Dass körperliche Beschwerden wie Übergewicht oder hoher Blutdruck aufs Herz schlagen, ist allgemein bekannt. Aber auch stressige Situationen können sich schnell auf den Kreislauf auswirken. Ein Herzinfarkt durch Stress ist gar nicht so selten – auch bei sonst gesunden Menschen. Und da fällt vor allem emotionaler Stress immer mehr ins Auge der Mediziner.

Herzinfarkt durch Stress: Vor allem negative Emotionen belasten die Pumpe

Sind Menschen psychischen Belastungen ausgesetzt, steigt der Stresspegel. Und das wiederum beeinflusst Herz und Kreislauf – und zwar anscheinend vor allem, wenn der Stress aufgrund von zwischenmenschlichen Problemen auftritt. Dass belastende Situationen wie Trauer und auch Mobbing das Herz in Mitleidenschaft ziehen, darauf macht jetzt die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie – Herz und Kreislaufforschung (DGK) aufmerksam.

Demzufolge steigt durch große psychische Belastungen das Herzinfarkt-Risiko – und zwar nicht nur bei bereits unter einer koronaren Herzerkrankung leidenden Patienten, sondern auch bei bisher gesunden Personen, deren Herzkranzgefäße noch nicht erkrankt waren.

Zwischenmenschliche Probleme steigern das Risiko

Daran sei besonders auffallend, dass vor allem emotionale Belastungen einen stressbedingten Herzinfarkt auslösen können, wenn sie von Problemen in zwischenmenschlichen Beziehungen herrühren.

Das bestätigt Prof. Dr. med. Christiane Waller als Sprecherin der DGK-Arbeitsgruppe Psychosoziale Kardiologie: "Der übliche Alltagsstress wie eine verpasste Straßenbahn ist dabei lange nicht so relevant wie zwischenmenschlicher Stress, beispielsweise mit Arbeitskollegen, dem Partner oder der Familie."

Reaktion auf Stress: Körper in Alarm

Wird jemand starkem emotionalen Stress ausgesetzt, passiert Folgendes im Körper: Stresshormone werden ausgeschüttet, das sympathische Nervensystem wird aktiviert. Dadurch steigt die Herzleistung, der Herzmuskel benötigt mehr Sauerstoff, der Herzschlag beschleunigt sich.

Das wiederum belastet sowohl Herzmuskel als auch Gefäße enorm. Infolge der Stresssituation verengen sich nämlich die Gefäße, und der Blutdruck steigt. Zudem steigt die Zahl der aktivierten weißen Blutkörperchen, Blutplättchen verkleben.

Typischer Herzinfarkt-Auslöser bleibt aus

Normalerweise entsteht ein Herzinfarkt im klassischen Sinne, wenn die Herzkranzgefäße bereits angegriffen sind und ein Gerinnsel ein Herzkranzgefäß verschließt. Diese Art wird 'Typ-1-Herzinfarkt' genannt.

Aber bei 20 bis 30 Prozent aller Herzinfarkte können Ärzte keine Verschlüsse an den Herzkranzgefäßen finden. Der Herzinfarkt entsteht dann dadurch, dass das Herz mit Sauerstoff unterversorgt ist, weil die Durchblutung nicht ausreicht. Die Beschwerden bei diesem 'Typ-2-Herzinfarkt', zu dem auch der Herzinfarkt durch Stress gehört, sind allerdings identisch mit dem klassischen Infarkt.

Gebrochenes Herz: Vor allem Frauen nach den Wechseljahren

Warum die Herzkranzgefäße trotz Herzinfarkts in manchen Fällen keine Engstellen aufweisen, stellt die Forscher heute noch vor ein Rätsel – die Ursache dafür ist noch nicht geklärt. Man gehe laut DGK davon aus, dass ein Verkrampfen der Gefäße der Auslöser ist, ein Phänomen, das als 'MINOCA' bezeichnet wird. Ein Beispiel für solche herzinfarktähnlichen Erkrankungen ist das Broken-Heart-Syndrom – ebenfalls so lebensbedrohlich wie ein tatsächlicher Herzinfarkt.

Das Broken-Heart-Syndrom, auch Tako-Tsubo-Syndrom oder Stress-Kardiomyopathie, tritt zwar selten auf, kommt aber vor allem bei Frauen vor, die die Menopause gerade hinter sich gebracht haben. Achten Sie also auf Ihre Wechseljahrs-Symptome.

Wichtigste Vorbeugungsmaßnahme: Stress reduzieren

Ein durch (emotionalen) Stress ausgelöster Herzinfarkt muss auf gleiche Art behandelt werden wie ein klassischer Infarkt. Zudem ist er nicht minder gefährlich.

In der Nachsorge ist es dann aber besonders wichtig, auch auf die psychischen Auslöser einzugehen. Helfen können hier – je nach Patient – etwa Achtsamkeitsübungen oder auch Bewegung wie Spazierengehen oder Tai Chi, um Stress zu reduzieren. "Vielen hilft aber auch einfach das Lesen eines guten Buchs", erklärt Prof. Dr. med. Waller.

Egal, ob bereits eine koronare Herzkrankheit vorlag oder nicht: Der Umgang mit Stresssituationen, egal welcher Art, solle bewusst erfolgen. Ein gesunder Lebensstil kann hierbei helfen, stärkt aber auch Herz und Kreislauf und schützt damit auf vielen Ebenen vor Herzinfarkten. Übrigens kann aber auch Glück einen Herzinfarkt auslösen – auf ähnliche Weise. Wie gerade Frauen Herz-Kreislauf-Erkrankungen vorbeugen können, lesen Sie auch bei uns.

Die Pressemitteilung der DGK lesen Sie hier.

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