16.08.2018

Gegen Dauerschmerzen So hilft Elektrostimulation bei Skoliose

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Elektrostimulation bei durch Skoliose verursachten Schmerzen: Ein Schmerzband dient als Therapiemöglichkeit. Das externe Steuerungsteil ermöglicht eine individuelle Anpassung der Vibrationen.

Foto: Richard Rosicka

Elektrostimulation bei durch Skoliose verursachten Schmerzen: Ein Schmerzband dient als Therapiemöglichkeit. Das externe Steuerungsteil ermöglicht eine individuelle Anpassung der Vibrationen.

Bei ihrem Arzt galt Silvia Wittich mit ihrer Skoliose als austherapiert. Dabei übersteht sie den Tag nur mit starken Schmerzmitteln. Ihre Krankengeschichte beinhaltet Wirbelsäulenversteifung, Physiotherapie, Kortisonspritzen und diverse Schmerzmittel. Eine Elektrostimulation mittels Schmerzband soll nun die Lösung sein.

"Endlich kann ich wieder mit meinem Hund spazieren gehen, wieder ein fast normales Leben führen." Silvia Wittich kennt sich mit Schmerzen aus. Die Frührentnerin aus Büdingen (Hessen) entwickelte bereits als Kind eine schwere Skoliose und musste sich einer Wirbelsäulenversteifung unterziehen. "Sonst wäre ich im Rollstuhl gelandet." Doch nach ihrem 40. Geburtstag begannen die Schmerzen. Die heute 59-Jährige machte regelmäßig Krankengymnastik, bekam von ihrem Orthopäden Kortisonspritzen, deren Effekt nie lange anhielt. "Vor vier Jahren wurden die Schmerzen so schlimm, dass ich regelrecht verzweifelte." Konnte eine Elektrostimulation bei durch Skoliose verursachten Schmerzen helfen?

Wie eine Elektrostimulation Skoliose-Patienten helfen kann

Silvia Wittich rief bei dem Anbieter, den sie im Internet fand, an und sprach mit Dr. Tobias Weigl. Der Arzt und Schmerzexperte aus Bonn ist Miterfinder des Bomedus-Schmerzbandes. Er erklärt: "Wir haben kein Wundermittel und können auch nicht Ihre Skoliose behandeln. Aber wir können Ihr Schmerzempfinden wieder normalisieren. Das erreichen wir durch eine speziell entwickelte Elektrostimulation, die das Schmerzgedächtnis beeinflusst. Sie müssen dazu zweimal täglich für 20 Minuten unser Schmerzband umlegen, sollten sich zusätzlich bewegen, Dehnübungen machen."

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Silvia Wittich war sofort bereit, es auszuprobieren. "Das Band, das wie ein breiter Gürtel aussieht, lege ich mir direkt auf der nackten Haut um. Dann schalte ich die Vibration ein, die Stärke kann ich steuern, sodass sie immer erträglich bleibt. Es kribbelt, fühlt sich an wie ganz feine Nadelstiche." Dr. Weigl: "Vereinfacht gesagt, stimulieren wir damit die sogenannten Schmerzfasern. Wir haben das Verfahren bereits bei Patienten mit Skoliose und Arthrose, mit Nervenschmerzen, einer Polyneuropathie, aber auch Spinalkanalstenose eingesetzt. In zwei Dritteln der Fälle wurde eine Schmerzlinderung erreicht."

Übrigens: Zahlreiche Krankenkassen und Berufsgenossenschaften übernehmen die Kosten in Höhe von 599 Euro. Unabhängig davon können Patienten sich die Bänder leihen und therapieunterstützend zu Hause testen.

"Ich habe wieder Freude am Leben!"

Die Frührentnerin spürte bereits nach einer Woche eine Besserung und nutzt das Schmerzband seitdem täglich. "Nach zehn Minuten mache ich eine Pause, in der ich Übungen mache, um die Beweglichkeit des Rückens zu verbessern. Danach lege ich erneut für zehn Minuten das Schmerzband um. Ich bin unendlich glücklich und dankbar. Ich habe wieder Freude am Leben. Denn so ein Dauerschmerz macht einen ganz klein. Natürlich bin ich nicht völlig schmerzfrei. Aber er ist auf ein Maß reduziert, mit dem ich gut umgehen kann."

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Dieser Artikel erschien zuerst in der BILD der FRAU Nr. 27.

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