27.07.2018

Bluthochdruck durch Hormone Conn-Syndrom: Symptome der oft unentdeckten Hormonstörung

Wenn der Blutdruck zu hoch ist, aber senkende Medikamente einfach nicht anschlagen, kann auch ein ganz bestimmtes Hormon schuld sein – und das wiederum führt auf Nierenprobleme zurück.

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Wenn der Blutdruck zu hoch ist, aber senkende Medikamente einfach nicht anschlagen, kann auch ein ganz bestimmtes Hormon schuld sein – und das wiederum führt auf Nierenprobleme zurück.

Wenn Medikamente Bluthochdruck nicht senken können, ist oft das Conn-Syndrom schuld. Eine Nieren-OP kann helfen und den Blutdruck dauerhaft senken. Was Sie darüber wissen sollten.

Bluthochdruck ist eine Volkskrankheit, fast jeder dritte Deutsche ist betroffen. Bei drei Viertel der Patienten ist Hypertonie, so der Fachbegriff, mit ACE-Hemmern, Betablockern und Sartanen gut in den Griff zu bekommen. Bei den anderen wirken diese Medikamente nicht. Doch mehr als zwei Millionen von ihnen könnte geholfen werden. Denn die Ursache für ihren schwer zu behandelnden Bluthochdruck ist das sogenannte Conn-Syndrom, das sich durch spezielle Medikamente oder eine Operation behandeln oder sogar heilen lässt.

Symptom Nummer eins bei Conn-Syndrom: hartnäckiger Hochdruck

Wichtigstes Symptom für das Conn-Syndrom ist Bluthochdruck, der sich auch durch drei oder mehr Blutdrucksenker nicht gut einstellen lässt. Zusätzlich kann es durch den Bluthochdruck zu Abgeschlagenheit und Kopfschmerzen kommen sowie zu allen weiteren Symptomen, die bei Bluthochdruck auftreten können, wie Schlafstörungen, tagsüber jedoch Müdigkeit, erhöhtes Schwitzen, Schwindel, Nasenbluten, Gesichtsrötung, Ohrensausen.

Ein Drittel der Patienten weist neben dem Leitsymptom schlecht einstellbarer Bluthochdruck jedoch als weiteres Anzeichen zusätzlich zu niedrige Kaliumwerte im Blutserum auf. Betroffene leiden also unter Kaliummangel (Hypokaliämie). Das kann sich durch folgende Symptome zeigen:

  • Muskelkrämpfe
  • Muskelschwäche
  • Herzrhythmusstörungen
  • Verstopfung
  • gesteigertes Durstgefühl
  • vermehrtes Wasserlassen

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Ursachen für das Conn-Syndrom: Zu viel Aldosteron-Hormon

Um zu verstehen, wie es zu diesen so unterschiedlichen Anzeichen kommt, ist es wichtig, erst einmal die Frage zu klären: Was bedeutet Conn-Syndrom genau? Die Bezeichnung bezieht sich auf den Arzt Jerome Conn (1907 bis 1994), der dieses Krankheitsbild als erster beschrieb. Dem Syndrom liegt immer eine Erkrankung der Nebennieren zugrunde. Diese Nebennierenstörung kann vor allem zwei Ursachen haben:

  • Vergrößerung der Nebennieren (bilaterale Nebennierenhyperplasie)
  • gutartiger Tumor der Nebennieren (Aldosteron-produzierendes Adenom)

In sehr seltenen Fällen ist Nebennierenkrebs die Ursache, der Aldosteron produziert. Ebenfalls extrem selten sind die Formen Familiärer Hyperaldosteronismus Typ I bis III, also vererbbare Mehrproduktion des Nebennierenhormons.

Die krankhaften Veränderungen der Nebennieren führen dazu, dass zu viel Nebennierenhormon Aldosteron gebildet wird. Das Hormon wird in der äußersten Schicht der Nebennierenrinde (Zona glomerulosa) produziert. Es bildet sich ein Überschuss an Aldosteron. Das Conn-Syndrom wird medizinisch deshalb auch als primärer Hyperaldosteronismus bezeichnet (im Gegensatz zur sekundären Form, die nicht durch eine Störung der Nebennieren hervorgerufen wird und deshalb nicht zum Conn-Syndrom zählt). Aldosteron gehört zu den Steroiden, hat also eine ähnliche chemische Struktur wie Cortisol.

Die Überproduktion von Aldosteron stört den Wasser- und Salzhaushalt des Körpers. Die Nieren scheiden zu viel Kalium aus und es entsteht Kaliummangel. Der Körper hält zu viel Wasser zurück, was die Blutmenge erhöht und damit zu Bluthochdruck führt. Diese Form des Bluthochdrucks ist also hormonell bedingt.

So gefährlich ist das Conn-Syndrom

Bluthochdruck sollte immer behandelt werden. Aber Bluthochdruck, der durch zu viel Aldosteron verursacht wird, scheint den Körper noch mehr zu schädigen als andere Formen der Hypertonie. Wird das Conn-Syndrom nicht rechtzeitig behandelt, führt es besonders häufig zu den gefährlichen Folgekrankheiten von Bluthochdruck – Herzinfarkt, Schlaganfall, Augenschäden. Experten vermuten, dass Aldosteron direkt den Blutgefäßen schadet.

Deshalb sollte jeder, der Bluthochdruck hat und bei dem die gängigen Blutdrucksenker kaum helfen, sich genauer untersuchen lassen, ob nicht womöglich Hyperaldosteronismus dahinter steckt.

Die wichtigsten Untersuchungen und Diagnose bei Conn-Syndrom

Dank verbesserter Untersuchungsmöglichkeiten ist es heute einfacher geworden, dieser Krankheit auf die Spur zu kommen. Besonders aussagekräftig ist ein Screening-Test, der Aldosteron und Renin im Plasma bestimmt. Bei Renin handelt es sich um einen Botenstoff, der in den Nieren produziert wird und der wiederum die Bildung von Aldosteron stimuliert. Die Blutabnahme erfolgt in der Regel morgens, zwei Stunden nach dem Aufstehen. Im Labor wird aus dieser Probe der Aldosteron-Renin-Quotient (ARQ) festgestellt. Ist er zu hoch, sind weitere Untersuchungen nötig. Dazu gehören:

  • Kochsalzbelastungstest: Zuerst wird dem Patienten Blut abgenommen. Danach erhält er als Infusion über vier Stunden hinweg eine Kochsalzlösung. Im Anschluss wird erneut Blut abgenommen. Beide Blutproben werden auf den Aldosteronspiegel geprüft. Normalerweise müsste nach der Infusion mindestens 50 Prozent weniger Aldosteron im Blut kreisen. Ist das nicht der Fall, liegt mit Sicherheit ein Conn-Syndrom vor.
  • Captopril-Test: Dabei wird dreimal Blut abgenommen und untersucht – einmal, bevor der Patient eine Tablette Captropril einnimmt, dann 60 und nochmals 120 Minuten danach. Captopril ist ein ACE-Hemmer (Angiotensin Converting Enzyme) also ein Blutdrucksenker. Er bewirkt unter anderem, dass der Aldosteronspiegel abfällt. Sind die Werte nach ein und zwei Stunden jedoch noch so hoch wie vor der Einnahme, gilt das als sicherer Nachweis für primären Hyperaldosteronismus.
  • Kernspintomografie (MRT), Computertomografie (CT) oder Positronen-Emissions-Tomografie (PET): Damit lässt sich erkennen, welche Ursache der Hyperaldosteronismus hat – eine Vergrößerung der Nebennieren (bilaterale Nebennierenhyperplasie), einen gutartigen Tumor der Nebennieren (Aldosteron-produzierendes Adenom) oder womöglich eine der sehr seltenen Auslöser wie ein Karzinom.

Behandlung von Conn-Syndrom: Wann Medikamente helfen

Haben die Untersuchungen ergeben, dass die Diagnose Conn-Syndrom durch Nebennierenhyperplasie heißt, greift eine medikamentöse Therapie. Der Arzt verordnet dabei Medikamente, die gegen das zu viel gebildete Aldosteron wirken. Das sind sogenannte Aldosteron-Antagonisten wie Spironolacton oder Eplerenon. Diese Substanzen blockieren auf den Zellen die Aldosteron-Rezeptoren, so kann das Nebennierenhormon nicht mehr wirken, der Blutdruck sinkt und der Kaliummangel wird behoben. Die Aldosteron-Antagonisten müssen bei einem Conn-Syndrom lebenslang eingenommen werden.

Nebennieren-Adenom: Die Operation gegen Bluthochdruck

Liegt dagegen ein Aldosteron-produzierender gutartiger Tumor vor, der den Hyperaldosteronismus verursacht, werden die Nebennieren operativ entfernt. Dies geschieht in den meisten Fällen minimal-invasiv. Häufig normalisiert sich dadurch der Blutdruck dauerhaft. Der bis dahin schwer behandelbare Bluthochdruck ist durch die Operation sozusagen geheilt worden. Manchmal sinken die Werte jedoch nicht ausreichend. Dann ergänzen Blutdrucksenker die Therapie.

Zusätzlich können Sie auch unterstützen, indem Sie Ihren Blutdruck mit natürlichen Mitteln wie der richtigen Ernährung senken.

Handelt es sich um das extrem seltene Nebennierenkarzinom, steht ebenfalls die Operation im Vordergrund. An diese Behandlung schließen sich je nach Stadium des bösartigen Tumors Bestrahlung und Chemotherapie an. Bei familiärem Hyperaldosteronismus dagegen lässt sich je nach Form eine Behandlung mit Kortikoiden durchführen.

Weitere wichtige Informationen zum primären Hyperaldosteronismus finden Sie beim deutschen Conn-Register.

Wichtig ist es übrigens beim späteren Beobachten des Blutdrucks, diesen richtig zu messen. Denn falsche Messwerte, die von der Realität abweichen, können die Behandlung beeinflussen. Wie Sie das machen, sehen Sie auch im Video:

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