02.07.2018

Nie wieder Medikamente Ernährung bei Diabetes: Zuckerkrankheit einfach wegessen

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Die richtige Ernährung ist bei Diabetes entscheidend. Wer auf die richtigen Lebensmittel setzt, kann die Erkrankung innerhalb der ersten Jahre sogar abwenden.

Foto: iStock/Dmitry_Tsvetkov

Die richtige Ernährung ist bei Diabetes entscheidend. Wer auf die richtigen Lebensmittel setzt, kann die Erkrankung innerhalb der ersten Jahre sogar abwenden.

Einmal zuckerkrank, immer zuckerkrank? Von wegen! Der Experte Professor Stefan Martin hat bewiesen: Eine Ernährungsumstellung lenkt den Stoffwechsel wieder in gesunde Bahnen. Erfahren Sie mehr über die richtige Ernährung bei Diabetes.

Über sechs Millionen Menschen leiden in Deutschland an Typ-2- Diabetes. Jahrzehntelang galt die Erkrankung als unheilbar, doch Mediziner sind mittlerweile überzeugt: Die richtige Ernährung ist bei Diabetes entscheidend!

"Mit einer Ernährungsumstellung kann bei übergewichtigen Patienten eine Diabetes-Vorstufe behoben werden. Wenn jemand die Erkrankung weniger als vier Jahre hat, kann er diese mit 90-prozentiger Wahrscheinlichkeit wieder loswerden", sagt Prof. Dr. Stephan Martin, Chefarzt für Diabetologie am Westdeutschen Diabetes-und Gesundheitszentrum vom Verbund der Katholischen Kliniken in Düsseldorf.

Ernährung bei Diabetes: Nudeln sind Gift für Typ-2-Diabetes

Ziel der Ess-Änderung ist es, den gestörten Stoffwechsel bei Typ-2-Diabetes umzuprogrammieren. "Dessen Entstehung wird durch kohlenhydratreiches Essen begünstigt", so Professor Martin. Einfache Kohlenhydrate in Nudeln oder Süßem lassen den Blutzuckerspiegel hochschnellen. Darauf wird viel des Hormons Insulin ausgeschüttet, das den Zucker in die Zellen einlagert. "Ist der Insulinspiegel ständig erhöht, werden die Zellen insulinresistent und nehmen keinen Zucker mehr auf", so der Experte.

Das Fatale: Der Körper arbeitet gegen, produziert mehr Insulin, oft wird es zusätzlich gespritzt. Doch: Insulin bremst den Fettabbau – und je mehr jemand wiegt, desto mehr Insulin produziert der Körper. Ein Teufelskreis, aber: "Forscher der Universität Newcastle haben gezeigt, dass man mit der richtigen Ernährung die gesunde Insulinempfindlichkeit der Zellen wiederherstellen kann", sagt Professor Martin.

In England setzten die Wissenschaftler die Patienten dabei auf eine Radikal-Diät: Sie nahmen acht Wochen lang nur 600 Kalorien am Tag in Form von Protein-Shakes zu sich. Alle verloren daraufhin ihren Typ-2-Diabetes, konnten die Medikamente absetzen. Das Prinzip funktioniert aber auch mit mehr Genuss: "Stellen Patienten ihre Ernährung über drei Monate konsequent auf kohlenhydratarme und eiweißreiche Kost um, lassen sich damit ungefähr die gleichen Erfolge erzielen", sagt Prof. Martin.

Viel Eiweiß bringt den Blutzuckerspiegel runter

Damit der Ernährungswechsel klappt, rät der Diabetologe, in der ersten Woche alle drei Mahlzeiten nach Absprache mit dem Arzt durch handelsübliche Protein-Shakes zu ersetzen: "Sie bringen die Blutzuckerwerte und damit den Insulinspiegel runter, und man sieht, was mit Ernährung bei Diabetes möglich ist."

In den nächsten drei Wochen gibt es zwei Shakes, danach wird damit noch zwei Monate das Abendessen ersetzt. Die übrigen Mahlzeiten werden mit Blutzuckerbremsen zubereitet: viel Eiweiß, Ballaststoffe und pflanzliche Fette.

Bei einer Studie mit 200 Teilnehmern, die durchschnittlich elf Jahre Diabetes hatten, zeigte die neue Küche Wirkung: "Viele konnte nach einer Woche bereits das Insulin absetzen - und ein Viertel kam auch noch ein Jahr danach ohne antidiabetische Medikamente aus", so Professor Martin.

Was bedeuten eigentlich die 3 verschiedenen Diabetes-Typen?

Diese Lebensmittel sollten Sie bei Diabetes essen

1. Perfekte Magenfüller

Gemüse und Blattsalate sind die Stars der Anti-Diabetes-Küche: "Sie haben kaum Kalorien, sättigen durch ihren hohen Wassergehalt und bewirken, dass Kohlenhydrate aus dem Darm langsamer ins Blut übergehen", sagt Professor Martin.

Eine neue US-Studie zeigte gerade: Bei Übergewicht kann vegane Ernährung die Insulinempfindlichkeit der Körperzellen erhöhen.

2. Proteinhaltige Sattmacher

Eiweißlieferanten wie Fisch, Geflügel, Eier, Pilze, Tofu, Hülsenfrüchte und Milchprodukte halten die Insulinproduktion in Schach: Da sie nicht so schnell verdaut werden, bleibt der Blutzuckerspiegel länger stabil. Forscher fanden heraus: Vier Eier pro Woche senken das Diabetes-Risiko um 37 Prozent, 29 Gramm Hülsenfrüchte täglich um 35 Prozent. Besonderen Schutz bieten Linsen. Wie gesund Eiweiß für Ihren Körper ist, lesen Sie übrigens hier.

3. Gesunde Fette

"Walnussöl, Hanföl oder Leinöl, Samen, Nüsse sowie Avocados verbessern mit ihren gesunden Omega-3-Fettsäuren oder ungesättigten Fettsäuren die Blutzuckerregulierung", sagt Prof. Martin. Jeden Tag eine Handvoll Nüsse knabbern! "Das Magnesium darin optimiert die Wirkung von Insulin", sagt Prof. Martin. Zum Braten Olivenöl verwenden.

4. Gute Kohlenhydrate

Komplexe Kohlenhydrate in Vollkornbrot oder Vollkornreis lassen den Blutzuckerspiegel nicht so schnell in die Höhe schießen. Zum Naschen sind Erdbeeren und Äpfel erlaubt: Sie enthalten im Vergleich zu anderem Obst wenig Kohlenhydrate. Mit ihren Polyphenolen können sie Blutzuckerspitzen unterdrücken – diese sekundären Pflanzenstoffe stecken auch in Trauben und dunkler Schokolade.

5. Flüssige Helfer

Ein Glas Flüssigkeit vor dem Essen sorgt für ein schnelleres Sättigungsgefühl. Ideal sind Wasser, ungesüßte Kräutertees und Ingwerwasser. Die Gingerole aus dem Ingwer verbessern die Zuckeraufnahme der Muskelzellen. Antioxidantien wie Chlorogensäure aus Kaffee verzögern die Glukoseaufnahme aus dem Darm, verhindern Blutzuckerspitzen nach den Mahlzeiten.

6. Clevere Würze

Die richtige Ernährung bei Diabetes setzt auch auf Gewürze. "Zimt und Kurkuma wirken blutzuckersenkend", sagt Prof. Martin. Nicht mehr als eine Messerspitze pro Tag nehmen! Auch Senföle in Meerrettich und Kresse beeinflussen den Zuckerstoffwechsel positiv und verringern in den Leberzellen die Produktion von Enzymen, die für die Zuckerneubildung notwendig sind.

7. Hauptgerichte frisch und selbst zubereiten

"Der Teller sollte immer zur Hälfte mit Gemüse oder Salat gefüllt sein, ein Drittel mit Eiweißlieferanten. Den Rest dürfen Kohlenhydrate einnehmen", rät Prof. Martin.

Rezepte aus der Anti-Diabetes-Küche

Knäckebrot Spezial

  • 2 Scheiben Vollkornknäckebrot mit 4 EL Frischkäse (Magerstufe) bestreichen. Mit Gurkenscheiben, Cherrytomaten und Scheiben von 2 hart gekochten Eiern garnieren. Pfeffern, salzen und mit Frühlingszwiebeln bestreuen.

Hackbraten mit Gemüse

  • 250 g Tatar mit 1 Ei, 1 EL Instant- Haferflocken, 1 EL gehackter Petersilie, 1 TL Majoran und 1 EL Senf mischen. Alles pfeffern und salzen, in eine gefettete Kastenform geben, bei 175 Grad ca. 30 Min. backen. Kurz vor Ende der Garzeit 600 g Gemüse, z. B. Brokkoli oder Erbsen, in etwas Wasser dünsten, in Olivenöl schwenken, mit 2 EL Kräutern bestreuen und servieren.

Diabetes kann sich mit ganz unterschiedlichen Symptomen bemerkbar machen. Auf unserer Themenseite finden Sie hilfreiche Informationen rund um Diabetes.

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