28.05.2018

Fieses Geräusch Ist Fingerknacken schädlich? Alles zu Ursachen und Folgen

Ob Fingerknacken schädlich ist, darüber wurde lange diskutiert. Es scheint aber nicht so zu sein.

Foto: iStock/Tharakorn

Ob Fingerknacken schädlich ist, darüber wurde lange diskutiert. Es scheint aber nicht so zu sein.

Fingerknacken macht Spaß, so sagen die einen, Fingerknacken macht die Gelenke kaputt, führt zu Rheuma und Arthrose, warnen andere. Was Sie über die Angewohnheit wissen sollten.

Beim Fingerknacken scheiden sich die Geister – bei wem es funktioniert, der findet es meist entspannend und lustig. Doch wer daneben sitzt, fühlt sich einfach nur genervt oder findet das Geräusch gar extrem unangenehm. Auch Mediziner waren sich bis vor Kurzem uneins: Ist Fingerknacken harmlos oder schadet es den Gelenken? Und warum knacken die Finger überhaupt?

Blasen sind schuld am Fingerknacken

Die Fingergelenke knacken, wenn sie auseinandergezogen werden. Dabei entstehen zunächst kleine Gasbläschen. Dieses Gas ist normalerweise in der Gelenkschmiere gelöst, also in der Flüssigkeit zwischen Gelenkspalt und Knochen, medizinisch Synovia.

Wird das Gelenk gedehnt, entsteht zuerst ein Unterdruck im Gelenkspalt und das Gas perlt als kleine Blasen aus der Gelenkschmiere heraus. Vergleichbar ist das mit dem Sprudeln der Kohlensäure, wenn man eine Flasche öffnet. Dann bildet sich Unterdruck und die Gasbläschen fallen in sich zusammen – das ist das Geräusch, das wir als Fingerknacken hören.

Auf diese Erklärung sind übrigens Forscher der Universität Stanford in den USA gekommen, die dazu Berechnungen angestellt haben und ihre Arbeit im Fachjournal Nature veröffentlicht haben.

Fingerknacken so laut wie ein Rasenmäher

Zusätzlich berechneten die Wissenschaftler, dass Fingerknacken bis zu 83 Dezibel laut sein kann. Das ist ein Geräuschpegel, wie ihn ein lautes Gespräch oder der Rasenmäher erreicht. Damit ist durchaus verständlich, dass Fingerknacken auf die Umgebung häufig nervig wirken kann.

Fingerknacken geht (nicht) auf die Gelenke

Die Ursache für das Fingerknacken ist also gefunden. Bleibt nur noch zu klären, ob Fingerknacken die Gelenke schädigt, etwa zu Arthrose, also Knorpelabnutzung führt, Rheuma auslöst oder womöglich Sehnen sowie Gelenkkapseln überanstrengt. All diese schädliche Folgen wären durchaus denkbar. Gewisse Anzeichen weisen auf Rheuma und Arthritis hin.

Experten sehen deshalb die Möglichkeit, dass Fingerknacken die Gelenke überdehnt. Allerdings gibt es dazu keine Studien – und wenn Fingerknacken tatsächlich schädlich wäre, würden in den Wartezimmern der Orthopäden sicher viele Patienten mit Fingerproblemen sitzen. Dem ist aber nicht so.

Kalifornischer Arzt macht Selbstversuch mit Fingerknacken

Dass Fingerknacken – und zwar exzessives – vermutlich gar nicht schädlich ist, hat der amerikanische Arzt Donald Unger im Selbstversuch herausgefunden.

Schon als Kind hatte ihn seine Mutter ständig ermahnt, nicht mit den Fingern zu knacken, weil er sonst seine Finger ruinieren würde. Um der Mutter das Gegenteil zu beweisen knackte er über 50 Jahre hinweg jeden Tag zweimal mit seinen Fingergelenken – und zwar nur mit der linken Hand. Doch auch nach diesem halben Jahrhundert waren die Gelenke seiner linken Hand genauso gesund wie die seiner rechten.

Die Studie des Fachjournal Nature finden Sie hier.

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