26.05.2018

Große Männerbrust Gynäkomastie – welche Behandlung hilft Männern mit Busen?

Beratung beim Arzt kann bei einer echten Gynäkomastie helfen: Wenn der Männerbusen hormonell bedingt ist oder aufgrund einer Krankheit auftritt.

Foto: iStock/Milos Spasic

Beratung beim Arzt kann bei einer echten Gynäkomastie helfen: Wenn der Männerbusen hormonell bedingt ist oder aufgrund einer Krankheit auftritt.

Ein deutlicher Busen beim Mann gilt als extrem unmännlich. Ursache der Oberweite sind aber nicht nur Übergewicht und Bier. Warum auch Schlanke einen Männerbusen entwickeln können und wann eine OP die letzte Rettung ist.

Sixpack und harte, flache Brustmuskeln – so sieht das (Medien-)Idealbild des männlichen Oberkörpers aus. Doch ganz ehrlich: Die wenigsten Männer entsprechen dem nicht. Rund ein Drittel aller Männer haben sogar irgendwann im Leben einen richtigen Männerbusen (Gynäkomastie). Die psychische Belastung ist enorm, wenn das Brustgewebe auf einmal zu wachsen anfängt und der Oberkörper immer mehr wie der einer Frau aussieht.

Männerbusen: So erkennen Sie Gynäkomastie – die Symptome

Die Anzeichen für den Männerbusen, der Fachbegriff lautet Gynäkomastie, sind also einfach zu erkennen: Das Brustgewebe vergrößert sich, oft auch der Hof um die Brustwarze, sodass die Brust tatsächlich wie der Busen einer Frau aussieht. Die Vergrößerung kann nur eine, meist aber beide Brüste betreffen.

Zusätzlich können Spannungsgefühle auftreten und die Brustwarzen werden berührungsempfindlich.

Allerdings ist der Männerbusen keine Krankheit, sondern nur ein Symptom. Deshalb ist es wichtig, die Ursache dafür herauszufinden, damit eine entsprechende Therapie eingeleitet werden kann.

Oft ist Bier die Ursache für den Männerbusen

In vielen Fällen ist der Auslöser, warum die Brüste anschwellen, einfach Übergewicht. Fett lagert sich in der Brust ab, der Arzt spricht dann von einer Pseudogynäkomastie oder Lipomastie. Häufig treten Männerbusen und Bierbauch gemeinsam auf. Tatsächlich kann Bier eine entscheidende Rolle dabei spielen, wenn der Mann Busen ansetzt. Bier enthält Hopfen und Hopfen wiederum pflanzliche Östrogene, die auch beim Mann entsprechend wirken und den Busen schwellen lassen.

Ursachen für Gynäkomastie in der Pubertät und im Alter

Das weibliche Sexualhormon Östrogen produzieren in geringer Menge auch Männer. In der Pubertät, wenn sich der gesamte Hormonhaushalt umstellt, kann kurzfristig die Balance zwischen männlichen und weiblichen Sexualhormonen gestört sein. Dann wächst dem Jungen ein kleiner Busen, der jedoch in der Regel nach der Pubertät wieder verschwunden ist.

Ähnlich kann mit Einsetzen der Wechseljahre beim Mann die Oberweite wieder zunehmen.

Kosmetika, Medikamente und Drogen können am Männerbusen schuld sein

In beiden Fällen handelt es sich um eine echte Gynäkomastie, die durch das Wachstum von Brustdrüsengewebe und nicht durch Fetteinlagerungen ausgelöst wird. Doch wenn als Ursache Übergewicht, Pubertät oder Alter nicht zutreffen, gibt es noch weitere mögliche Auslöser für Gynäkomastie, die auch schlanke Männer betreffen können.

Das sind vor allem Pflegemittel mit folgenden Inhaltsstoffen:

  • Konservierungsstoffe wie Parabene
  • Lavendel
  • Teebaumöl
  • Soja

Auch Medikamente können als Nebenwirkung das Brustwachstum beim Mann fördern:

  • ACE-Hemmer und Kalziumantagonisten (Blutdrucksenker)
  • Omeprazol (Magensäureblocker)
  • Herzmedikamente, die Digitalis enthalten
  • bestimmte Antidepressiva
  • manche Mittel gegen Haarausfall

Auch Drogen wie Cannabis, Kokain und Amphetamine können Ursache für Gynäkomastie sein, weil diese Substanzen hormonähnlich wirken können. Das ist auch der Fall bei Anabolika, die Sportlern mehr Muskeln bescheren sollen.

Letztlich kann sogar die östrogenhaltige Vaginalcreme der Frau beim Mann zu Gynäkomastie führen, wie eine Studie der Uniklinik München warnt.

Männerbusen kann Hinweis auf ernsthafte Krankheit sein

Nicht zuletzt kann der Männerbusen auch Anzeichen einer behandlungsbedürftigen Krankheit sein. Das sind:

  • Lebererkrankungen
  • Schilddrüsenfunktionsstörungen
  • Nierenprobleme
  • Brustkrebs

Auch wenn Brustkrebs beim Mann mit rund 650 Neuerkrankungen pro Jahr sehr selten ist – dieser Krebs ist für "ihn" besonders gefährlich, weil er meist spät entdeckt wird und damit die Behandlung wenig Erfolg verspricht.

Deshalb sollten Männer auf jeden Fall zum Arzt gehen, wenn sich ihre Brust verändert, etwa deutlich zunimmt. Mit einfachen Blutuntersuchungen und Ultraschall lässt sich herausfinden, ob eine ernsthafte Krankheit Auslöser ist und die entsprechende Behandlung eingeleitet werden. Zusätzlich kann der Mediziner bereits durch Abtasten erkennen, ob es sich um eine Pseudogynäkomastie oder eine echte Gynäkomastie handelt.

Ansprechpartner ist dabei der Hausarzt. Mit ihm können Sie auch abklären, ob eines der von Ihnen rezeptfrei gekauften Arzneimittel oder Kosmetika Ursache für den Männerbusen sein könnte. Nach Bedarf wird der Hausarzt zum Urologen oder Endokrinologen überweisen, um den Hormonstatus genau abklären zu lassen.

Diese Behandlungsmöglichkeiten helfen bei Gynäkomastie

Liegt eine echte Hormonstörung vor, kann der Arzt Tabletten verschreiben, die die Produktion von Östrogen drosseln oder Testosteron-Tabletten. Medikamente, die jedoch die Bildung des Männerbusens ausgelöst haben, sollten so rasch wie möglich abgesetzt und durch andere Wirkstoffe ersetzt werden.

All diese Maßnahmen sollten Männer auf keinen Fall eigenmächtig vornehmen, sondern nur in Rücksprache mit dem Arzt. Alle genannten Medikamente sind verschreibungspflichtig.

Ist Fett die Ursache für den Männerbusen, hilft vor allem eines: Abnehmen und Sport treiben.

Operation bei Männerbusen – die letzte Behandlungsoption

Manchmal helfen all diese Maßnahmen jedoch zu wenig und die Oberweite zeigt sich hartnäckig. Fühlt sich der Mann dadurch psychisch sehr belastet, kann eine Gynäkomastie-OP helfen, die das überschüssige Gewebe entfernt Dabei handelt es sich also letztendlich um eine Schönheitsoperation, weil die Ursache für die Brustvergrößerung nicht beseitigt wird, sondern nur das äußere Erscheinungsbild verbessert.

Die Krankenkassen übernehmen deshalb die Kosten dafür nur in Ausnahmefällen. Dabei kann es sich um einen Betrag ab etwa 2.000 Euro handeln, je nachdem, wie hoch der Aufwand ist, wie stark ausgeprägt der Männerbusen also ist.

Das passiert bei der Gynäkomastie-OP

Der Spezialist für die Brustoperation ist der plastische Chirurg.

Der Eingriff kann unter örtlicher Betäubung oder Vollnarkose durchgeführt werden und dauert je nach Aufwand rund eineinhalb Stunden. Falls nur Fettgewebe entfernt werden muss, nimmt der Chirurg eine Fettabsaugung (Liposuktion) vor. Dabei wird über einen kleinen Schnitt eine Kanüle in das Gewebe eingeführt. Über dieses Röhrchen werden Substanzen eingeleitet, die das Fettgewebe lockern und auflösen, danach lässt es sich problemlos absaugen. Eine anschließende Straffung sorgt dafür, dass die Männerbrust wieder optimal männlich geformt ist.

In anderen Fällen entfernt der Chirurg zusätzlich Drüsengewebe. Sicherheitshalber wird eine Probe ins Labor geschickt, um abzuklären, ob womöglich nicht doch Brustkrebszellen vorhanden sind.

Die winzigen Schnitte bei diesen Brustoperationen erfolgen meist im Hof der Brustwarze oder am unteren Brustansatz. Nach dem Verheilen sind sie so gut wie unsichtbar.

Ausschlaggebend für den Erfolg der Gynäkomastie-Operation ist jedoch auch, ob der Mann sich nach dem Eingriff an die Ratschläge des Arztes gehalten hat: Ein Mieder sollte sechs Wochen lang getragen werden und in diesem Zeitraum ist Sport tabu, damit sich das Gewebe festigt und alles gut verwächst.

In der Regel bleibt die Brust dann flach – denn einmal entferntes Drüsengewebe und Fettzellen wachsen an dieser Stelle nicht mehr nach.

Manchmal ist eine Liposuktion, eine Fettabsaugung, leider also doch notwendig, in diesem Falle beim Mann. Aber auch bei Frauen kann diese eigentlich als Schönheits-Operation geltende Behandlung nötig sein und starkes Leiden senken, etwa wenn die Betroffene an Lipödem erkrankt und Bewegung ohne Schmerzen nicht mehr möglich ist.

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