06.04.2018

Rätselhafte Nervenerkrankung Multiple Sklerose – achten Sie auf diese Symptome!

Schwindel kann ein Symptom der Multiplen Sklerose sein und schon im frühen Stadium der Autoimmunkrankheit auftreten.

Foto: imago/Science Photo Library

Schwindel kann ein Symptom der Multiplen Sklerose sein und schon im frühen Stadium der Autoimmunkrankheit auftreten.

Über Multiple Sklerose ist immer noch wenig bekannt – welche Anzeichen es gibt, ob die Nervenkrankheit vererbbar ist und die Lebenserwartung einschränkt.

Die Ursachen von Multipler Sklerose (MS) sind bis heute nicht ganz erforscht. Fest steht, dass das Immunsystem dabei fälschlicherweise körpereigene Strukturen angreift. Daher zählt Multiple Sklerose zu den Autoimmunkrankheiten.

Bei MS bekämpfen die Abwehrkräfte in Gehirn und Rückenmark irrtümlich körpereigene Strukturen. Dabei handelt es sich um die Schutzschicht – Myelin genannt –, die unsere Nerven umgibt. Bei MS entzünden sich diese Myelinhüllen an verschiedenen Stellen. Heilen die Entzündungen wieder ab, bleiben winzige Narben in der Nervenhülle.

Multiple Sklerose: Diese Symptome sind möglich

Im Gehirn und Rückenmark ist jede Nervenzelle und -faser von Myelin umgeben. Bei Multipler Sklerose kann sich jede dieser Strukturen entzünden. Daher gibt es eine ganze Reihe von möglichen Anzeichen für die Autoimmunkrankheit und eine ganze Palette von unterschiedlichen Verläufen. Man spricht deshalb bei MS oft von der Krankheit mit den 1000 Gesichtern.

Mögliche erste Anzeichen von Multipler Sklerose sind:

  • Motorische Störungen, vorübergehende Lähmungen (zum Beispiel beim Halten einer Tasse)
  • Unsicherheit beim Gehen
  • Sehstörungen wie Doppelbilder oder verschwommenes Sehen
  • Sensibilitätsstörungen der Haut
  • Kribbeln, Taubheitsgefühl, schmerzhafte Missempfindungen ohne äußeren Anlass
  • Schwindel
  • Schluckstörungen
  • Sprachstörungen (verwaschenes Sprechen)

All diese Symptome können sich nach einiger Zeit aber wieder legen. Denn die Anzeichen von Multipler Sklerose treten meist schubweise auf: mal stärker, mal schwächer.

Multiple Sklerose vererbbar – wie hoch ist das Risiko?

Dabei ist MS nicht ansteckend, allerdings gibt es eine geringfügige familiäre Belastung. Forscher gehen davon aus, dass Kinder von MS-Patienten ein Risiko von 0,3 bis 0,4 Prozent haben, ebenfalls Multiple Sklerose zu bekommen. Das Risiko in der Gesamtbevölkerung für diese Autoimmunkrankheit der Nerven liegt bei 0,1 Prozent. In Deutschland leiden derzeit rund 200.000 Menschen an Multipler Sklerose.

Lebenserwartung bei Multipler Sklerose

Die Angst, dass Multiple Sklerose unweigerlich in den Rollstuhl zwingt und MS-Kranke wenige Jahre nach der Diagnose versterben, ist jedoch heute nicht mehr berechtigt. Vier von fünf Patienten können auch zehn Jahre nach der Diagnose noch laufen und brauchen keinen Rollstuhl. Allerdings raubt die Krankheit durchschnittlich sieben Lebensjahre, wie eine Studie zeigte.

Dabei spielen vor allem Zusatzerkrankungen eine Rolle, die bei Multipler Sklerose etwas häufiger auftreten als in der restlichen Bevölkerung. Dazu zählen etwa Herzerkrankungen, Depressionen und chronische Atemwegserkrankungen, wie die Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft informiert.

Multiple Sklerose – Diagnose in mehreren Schritten

Es gibt keinen alleinigen Test, mit dem sich Multiple Sklerose eindeutig feststellen lässt. Mehrere Methoden sind nötig, damit die Diagnose gesichert werden kann. Die wichtigsten Untersuchungen sind neben der Anamnese, dem ausführlichen Patientengespräch, bei dem der Betroffene über seine Beschwerden und Symptome berichtet, folgende:

  • neurologische körperliche Untersuchung
  • Messung der Nervenleitfähigkeit sowie der Geschwindigkeit der Nervenleitungen (evozierte Potentiale)
  • MRT (Magnetresonanztomografie) des Gehirns und des Rückenmarks
  • Lumbalpunktion (Untersuchung des Nervenwassers)

Wie Mosaiksteinchen fügen sich dann die einzelnen Untersuchungsergebnisse zusammen und ermöglichen die Diagnose Multiple Sklerose.

Multiple Sklerose verläuft typischerweise in Schüben

Dabei kann die Krankheit bei jedem Patienten etwas anders verlaufen. In den meisten Fällen beginnt die Krankheit in Schüben. Sie kann sich dann wieder vollständig bessern, sodass alle Symptome verschwunden sind und oft erst Jahre später wieder auftreten. Diese Form nennen Mediziner schubförmig-remittierenden Verlauf.

Daneben kann die Erkrankung einen primär beziehungsweise sekundär progredienten Verlauf nehmen. Bei letzterem geht die schubförmige Entwicklung in eine chronische, fortschreitende Form über. Die Symptome und Behinderungen bilden sich in diesem Fall nicht mehr zurück, sondern bleiben bestehen. Nur ein Zehntel der Patienten hat die andere Form der MS, die primär progrediente Verlaufsform. Hier schreiten die Nervenschäden von Beginn an langsam fort, ohne sich dazwischen wieder zu bessern.

Eine Methode, um den Verlauf von Multipler Sklerose gleich zu Beginn festzustellen, gibt es jedoch nicht.

Behandlung: Keine Heilung, aber Verzögern der Krankheit

Multiple Sklerose lässt sich immer noch nicht heilen. Allerdings gibt es wirksame Medikamente, die Schübe hemmen können, das Fortschreiten der Krankheit abbremsen und die beschwerdefreie Zeit verlängern. So stehen etwa zur Basistherapie Medikamente zur Verfügung, die das Immunsystem gezielt daran hindern sollen, die Myelinhülle der Nervenzellen anzugreifen. Dazu gehören etwa die Wirkstoffe Glatirameracetat und verschiedene Zytokine, die Abwehrzellen hemmen können. Diese Medikamente werden meist regelmäßig als Injektion verabreicht.

Eine wichtige Rolle spielt Kortison. Hoch dosiert über einen kurzen Zeitraum gegeben, kann der Entzündungshemmer dabei helfen, dass der MS-Schub schwächer und kürzer ausgeprägt ist als sonst. Dabei wird der Wirkstoff ebenfalls als Injektion gegeben. Diese Behandlung nennt sich GKS-Pulstherapie oder GKS-Stoßtherapie. Das Kortison wird auf diese Weise vom Patienten besser vertragen als niedrig dosiertes, über einen langen Zeitraum eingesetztes.

Abgerundet wird die Behandlung bei Multipler Sklerose von einer symptomatischen Therapie. Diese Behandlung richtet sich gegen die Symptome. Dazu gehört Physiotherapie um Verspannungen zu lösen, Ergotherapie um die Alltagshandgriffe gut einzutrainieren sowie Logopädie um Sprechstörungen auszugleichen.

Viele Prominente haben MS, doch kaum einer will darüber sprechen

Im Idealfall ist die Behandlung insgesamt so erfolgreich, dass sich damit ein fast normales Leben führen lässt. Allerdings trauen sich viele Betroffene nicht, über ihre Krankheit zu sprechen. So gibt es etwa viele Schauspieler und andere Prominente, die an Multipler Sklerose erkrankt sind – das jedoch verschweigen. Nur wenige haben den Mut – so wie Malu Dreyer, Ministerpräsidentin von Rheinland-Pfalz, die offen über ihre Krankheit spricht und erfolgreich ihre Frau im Beruf steht.

Weitere Informationen gibt es unter anderem bei der Deutschen Multiple Sklerose Gesellschaft und aMSel, das Multiple Sklerose Portal, sowie MSlife.

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