12.01.2018

Fieber und Gliederschmerzen Hantavirus breitet sich rasant in Deutschland aus

Das Hantavirus kann grippeähnliche Symptome auslösen.

Foto: iStock/Tom Merton

Das Hantavirus kann grippeähnliche Symptome auslösen.

Immer mehr Menschen in Deutschland erkranken am Hantavirus. Mäuse übertragen die Viren, die im schlimmsten Fall zu Nierenversagen führen können.

Noch vor wenigen Jahren galt das Hantavirus als relativ unbekannt und stellte kaum eine Bedrohung dar. Jetzt verzeichnet das Robert-Koch-Institut einen starken Anstieg der meldepflichtigen Infektionskrankheit, speziell im Südwesten Deutschlands. Mehr als 3.000 registrierte Fälle gibt es bundesweit, die Dunkelziffer dürfte jedoch viel höher liegen. Allein in Baden-Württemberg infizierten sich knapp 1.000 Menschen, im Jahr davor waren es im Vergleichszeitraum nur knapp 80!

Überträger der Viren sind Nagetiere – Rötelmäuse, aber auch Ratten. Über Kot und Urin scheiden die Nager die Viren aus. Die Krankheitserreger sind extrem widerstandsfähig und bleiben auch in den getrockneten Exkrementen viele Tage virulent.

Ansteckung mit dem Hantavirus – schon mit einem Atemzug

Über die infektiösen Ausscheidungen werden nicht nur Lebensmittel kontaminiert. Beim Einatmen von aufgewirbeltem Staub, der Partikel der Exkremente enthält, gelangen die Viren ebenfalls in den Körper. Oft reicht dafür bereits ein einziger Atemzug, etwa beim Aufräumen des Kellers oder Dachbodens, auf dem Mäuse leben, beim Fegen der Garage, Umschichten von Holzstapeln oder beim Laub rechen im Garten. Eine Ansteckung von Mensch zu Mensch dagegen ist so gut wie ausgeschlossen.

Inkubationszeit und Symptome bei einer Hanta-Infektion

Zuerst die gute Nachricht: Bei 90 Prozent der Betroffenen verläuft die Hantavirus-Infektion so gut wie symptomlos. Das Immunsystem besiegt die Viren rasch. Bei den anderen kommt es jedoch nach einer Inkubationszeit von zwei bis vier Wochen zu einem Ausbruch der Krankheit. Die Symptome:

  • Plötzlich einsetzendes Fieber
  • Grippeähnliche Symptome wie Kopf- und Gliederschmerzen
  • Husten

Manchmal entsteht in Zusammenhang mit der Hantavirus-Infektion auch ein sogenanntes Hämorrhagisches Fieber mit renalem Syndrom (HFRS). Dann kommt es zu inneren Blutungen, sichtbar als winzige Einblutungen unter der Haut. Auch die Bindehaut und vor allem die Nieren sind beteiligt. Die Funktion der Nieren verschlechtert sich und im schlimmsten Fall kann es zu einem Nierenversagen kommen.

Wer also plötzlich hohes Fieber bekommt, grippeähnliche Beschwerden und womöglich kleine Blutpunkte unter der Haut oder gar Blut im Urin bemerkt, sollte auf jeden Fall zum Arzt gehen.

Die Behandlung bei Hantavirus

Mit speziellen Bluttests kann der Arzt im Labor abklären lassen, ob eine Infektion mit dem Hantavirus vorliegt. Allerdings: Medikamente gegen die Viren gibt es nicht. Das bedeutet, die Behandlung kann sich nur darauf beschränken, die Symptome zu lindern und falls nötig die Nieren zu entlasten. Ansonsten muss darauf vertraut werden, dass der Körper nach einigen Tagen bis Wochen mit dem Erreger selbstständig fertig wird.

Todesfälle durch den Hantavirus sind bei uns in Deutschland übrigens extrem selten und belaufen sich im letzten Jahrzehnt auf unter zehn. Das liegt daran, dass in Westeuropa unter Nagern Hantaviren grassieren, die relativ wenig aggressiv sind.

In Südamerika und Asien gibt es jedoch Virenstämme, die wesentlich gefährlicher sind und nicht selten zum Tode führen. Im Zuge der Klimaerwärmung breiten sich diese Hantaviren jedoch weiter aus, wie die Experten vom Robert-Koch-Institut befürchten. Zusätzlich bietet das immer wärmere Wetter für Nager beste Lebensbedingungen.

Vorbeugen – so schützen Sie sich vor dem Hanta-Virus

Einen Impfstoff, der vor der Hanta-Infektion schützt, gibt es nicht. Er wäre besonders sinnvoll für Waldarbeiter, Beschäftigte in der Landwirtschaft und Laborpersonal. Diese Risikogruppen können viel Kontakt mit Nagern haben. Da es keinen Impfstoff gibt, ist der beste Schutz, den Hantaviren aus dem Weg zu gehen:

  • Falls Sie in Ihrem Wohnbereich Mäuse haben: Bekämpfen Sie die Schädlinge intensiv. Haben Sie die Nager in einer Falle gefangen, benutzen Sie Einmalhandschuhe und einen Mundschutz, und besprühen Sie Falle und Tier, bevor Sie diese entsorgen, mit einem Desinfektionsmittel. Das verhindert aufsteigenden, infektiösen Staub. Die Entsorgung des Nagers erfolgt über einen Plastikbeutel, den Sie gut verschließen und so in die Mülltonne geben.
  • Bewahren Sie Lebensmittel am besten nicht offen auf, sondern in verschließbaren Behältern, damit keine Mäuse angelockt werden.
  • Werfen Sie keine Essensreste auf den Kompost, das zieht Ratten und Mäuse an.
  • Bevor Sie alte Häuser, Dachboden, Keller oder Garage räumen: Lüften Sie gut, befeuchten Sie dann den Raum, um das Aufwirbeln von Staub zu vermeiden. Tragen Sie bei allen Arbeiten Atemschutzmasken sowie Handschuhe. Benetzen Sie Mäuseexkremente und -kadaver mit Desinfektionsmittel und entsorgen Sie diese wie beschrieben.
  • Schützen Sie sich auch bei Garten- und Waldarbeiten vor Staub in der Luft, falls Mäuse dort siedeln könnten – mit Atemschutzmaske und Handschuhen.

Weitere Tipps dazu finden Sie beim Robert-Koch-Institut.

Der Name Hantavirus leitet sich übrigens vom koreanischen Fluss Hantangang ab. In den 1950er Jahren erkrankten dort während des Koreakrieges mehr als 3.000 Soldaten an einer besonders schweren Form der Infektion mit hämorrhagischem Fieber, wie es übrigens auch bei Ebola auftritt. Der erste Hantavirus, der in diesem Zusammenhang identifiziert wurde, erhielt deshalb den Namen Hanta, nach dem betreffenden Fluss.

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