04.01.2018

Nicht immer harmlos Augenzucken – überraschende Ursachen und was dagegen hilft

Wer zu viel und lange auf den Computerbildschirm oder Handy-Displays schaut, riskiert Augenzucken.

Foto: iStock/AntonioGuillem

Wer zu viel und lange auf den Computerbildschirm oder Handy-Displays schaut, riskiert Augenzucken.

Wenn das Ober- oder Unterlid zuckt, sind die Auslöser meist banal. In seltenen Fällen ist Augenzucken aber das Symptom einer ernsten Krankheit.

Alle fünf Sekunden schließt sich das Auge mit einem unmerklichen Lidschlag. Das ist normal und sogar wichtig, denn dieser Mechanismus sorgt dafür, dass unser Auge mit Tränenflüssigkeit gut versorgt ist und nicht austrocknet. Wenn das Lid jedoch ständig zuckt oder flattert, verunsichert das und nervt.

Augenzucken hat jeder schon einmal erlebt

Denn das Augenzucken lässt sich nicht willentlich abstellen und je mehr man sich darauf konzentriert, desto stärker wird es auch wahrgenommen – bis es dann auf einmal wieder verschwunden ist, meist dann, wenn Sie nicht mehr daran denken. Also alles nur Einbildung? Noch dazu, weil das Augenzucken meist nur von einem selbst wahrgenommen wird, das Gegenüber bemerkt es oft gar nicht?

Nein, Lidzucken ist keine Einbildung, sondern ein Phänomen, das die meisten von uns schon mal erlebt haben. Mediziner sprechen dabei von Faszikulation, also unwillkürlicher Muskelzuckung.

Muskelkrampf löst Augenzucken aus

Dabei kann nur das Oberlid oder nur das Unterlid eines Auges betroffen sein, selten zucken beide gleichzeitig. Es kann nur für den Bruchteil einer Sekunde auftreten, aber auch wochenlang anhalten oder immer mal wieder auftreten.

Ausgelöst wird das Zucken übrigens von einem ringförmigen, winzigen Muskel am Auge, der für den Lidschluss verantwortlich ist. Er ist besonders empfindlich und damit anfällig für jede Art von Störungen und Reizen. Dann reagiert er mit einem Krampf, der sich in minimalem Flattern, Zucken oder Zittern äußert. Doch auch wenn diese Bewegungen noch so minimal sind – auf Dauer belastet das die Nerven ungemein. Das ist vor allem der Fall, wenn dabei das Gefühl entsteht, das ganze Auge würde vibrieren.

Die acht häufigsten Ursachen für Augenzucken

In vielen Fällen ist das Lidzucken sozusagen "hausgemacht", wird also durch Faktoren ausgelöst, die wir gut beeinflussen können. Das sind beispielsweise:

  1. Alkohol – wirkt vor allem auf die Nerven leicht toxisch, strapaziert diese also massiv. Augenzucken tritt deshalb oft bei regelmäßigem und/oder zu hohem Alkoholkonsum auf.
  2. Magnesiummangel – Zittern und Krämpfe sind das wichtigste Anzeichen dafür, dass dieser Mineralstoff fehlt. Dann ist die Zusammenarbeit zwischen Nerv und Muskel gestört. Übrigens gilt Alkohol als wichtiger Magnesiumräuber: Er regt die Nierentätigkeit an, wobei mehr Magnesium ausgeschieden wird. Alkoholkonsum und Magnesiummangel gehen also Hand in Hand.
  3. Nikotin – gilt wie Alkohol als starkes Nervengift.
  4. Zu viel Kaffee – Koffein setzt den Muskeltonus herauf, der Muskel steht also unter leichter Spannung.
  5. Schlafmangel – schadet den Nerven. Auch die Augen und damit der Ringmuskel um die Augen, findet zu wenig Erholung.
  6. Überlastete Augen – zu viel Computerarbeit, aber auch Sehschwäche, die nicht richtig ausgeglichen wird (falsche Brille), lassen die Lider zucken.
  7. Vitamin-B-Mangel – B-Vitamine sind verantwortlich für eine gute Nervenfunktion. Fehlen sie, kommt es dabei zu Schwäche und Zittern.
  8. Stress und Burnout – unter Stress produziert der Körper bestimmte Hormone wie Cortisol, Adrenalin und Noradrenalin, sie setzen den Muskeltonus herauf, ähnlich wie Koffein.

Augenzucken als Symptom einer ernsthaften Krankheit

Daneben kann das Muskelzucken am Ober- oder Unterlid auch auf eine behandlungsbedürftige Krankheit hinweisen. Das sind etwa Bluthochdruck, der gesenkt werden sollte, Schilddrüsenüberfunktion oder neurologische Erkrankungen wie eine Neuropathie, beispielsweise bei Diabetes. In sehr seltenen Fällen kann das Augenzucken durch einen Hirntumor ausgelöst werden: Der Tumor benötigt Platz und bedrängt damit Nerven, die den Ringmuskel am Auge versorgen.

Wenn das Zucken also sehr ausgeprägt und hartnäckig ist, sollten Sie es von einem Arzt abklären lassen. Ansprechpartner dabei ist zuerst der Hausarzt. Mit verschiedenen Tests kann er überprüfen, ob etwa Bluthochdruck oder eine Schilddrüsenfunktionsstörung hinter dem Lidzucken steckt. Dann wird die entsprechende Behandlung eingeleitet und das Lidzucken sollte wieder verschwinden. Gegebenenfalls wird der Hausarzt zu einem Neurologen überweisen. Als Behandlungsoption von Muskelzucken am Augenlid kann der Facharzt beispielsweise mit einer Botox-Injektion helfen.

Augenzucken – das können Sie tun

In den meisten Fällen jedoch lässt sich das nervige Augenzucken durch folgende Maßnahmen abstellen:

  • Schließen Sie das betroffene Auge und kühlen Sie den überreizten Muskel mit einem Eiswürfel, den Sie in eine saubere Plastiktüte gepackt haben.
  • Gähnen Sie ausgiebig. Das entspannt verkrampfte Augenmuskeln.
  • Machen Sie ein erstauntes Gesicht, öffnen Sie die Augen weit und ziehen Sie die Augenbrauen nach oben – kurz innehalten, danach entspannen und im Ganzen dreimal wiederholen.
  • Probieren Sie es mit Augen-Yoga. Stützen Sie dazu Ihr Kinn in beide Hände. Entspannen Sie sich und rollen Sie Ihre Augen langsam einmal rechts, dann links herum. Denken Sie dabei an etwas Angenehmes.
  • Nehmen Sie täglich Magnesium ein. Oft legt sich die Muskelanspannung dadurch bereits nach wenigen Tagen. Damit Ihre Magnesiumspeicher in Zukunft gut gefüllt bleiben, sollten Sie Lebensmittel mit einem hohen Gehalt an diesem Mineralstoff essen, wie Nüsse, Haferflocken, Bohnen und Sonnenblumenkerne.
  • Unterstützen Sie Ihre Nerven mit Vitamin B. Reich an diesen Vitaminen sind Fleisch und Eigelb. Wer davon nicht zu viel oder gar nicht (Vegetarier, Veganer) essen möchte, kann auf Nahrungsergänzungsmitteln zurückgreifen. Besonders gut vom Körper resorbiert werden B-Vitamine übrigens als Injektion. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt darüber.
  • Schlafen Sie ausreichend, falls Sie zu sehr unter Druck stehen und deshalb nachts keine Ruhe finden: Baldrian, Hopfen und Passionsblume sind bewährte, gut verträgliche Heilkräuter, die überreizte Nerven beruhigen und die Schlafbereitschaft fördern. Es gibt sie als Tropfen, Dragees und Tee. Besonders gut wirken sie bei kurmäßiger Anwendung, also über mindestens vier Wochen hinweg.
  • Verzichten Sie auf Kaffee. Manche Menschen reagieren sehr sensibel auf Koffein. Schon mehr als zwei Tassen pro Tag können bei ihnen Augenzucken auslösen.
  • Falls Sie Alkohol trinken und/oder . Wenn das nicht gelingt, reduzieren Sie wenigstens die Menge.
  • Erlernen Sie eine Entspannungstechnik wie autogenes Training oder Muskelentspannung nach Jacobson. Dadurch werden Sie auf Dauer ruhiger.

Yoga entspanntund kann bei Augenzucken helfen. Dennoch sollten Sie die Ursachen von einem Arzt abklären lassen – vor allem wenn das Augenzucken nicht nachlässt.

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