12.12.2017

Der heimliche "Raucherkrebs" Blasenkrebs: Die Symptome und Heilungschancen

Nach Urintest, Ultraschall und Röntgen kann eine Blasenspiegelung und schließlich Gewebeprobe den Verdacht auf Blasenkrebs entkräften oder bestätigen.

Foto: iStock/M_a_y_a

Nach Urintest, Ultraschall und Röntgen kann eine Blasenspiegelung und schließlich Gewebeprobe den Verdacht auf Blasenkrebs entkräften oder bestätigen.

Der wichtigste Risikofaktor für Blasenkrebs ist Rauchen und Passivrauchen. Auf welche Anzeichen Sie achten sollten und wie die Prognose aussieht.

Blasenkrebs sei relativ selten, so die allgemeine Überzeugung. Doch mit rund 30.000 Neuerkrankungen pro Jahr wird das Harnblasenkarzinom öfter diagnostiziert als viele denken. Bei Frauen etwa tritt Blasenkrebs sogar doppelt so häufig auf wie Gebärmutterhalskrebs (Zervixkarzinom).

Blasenkrebs-Risiko: Warum Rauchen und Passivrauchen der Blase schaden

Über die Vorbeugung des Letzteren – etwa mittels einer HPV-Impfung – gibt es viele Informationen. Ganz anders beim Blasenkrebs! Dass er nach dem Lungenkrebs der häufigste Krebs durch Rauchen, aber auch Passivrauchen ist, wissen nur wenige.

Die Giftstoffe aus dem Rauch gelangen bei den Verarbeitungsprozessen des Körpers auch in den Urin, über den sie dann ausgeschieden werden. Der Urin sammelt sich in der Blase. Die Blasenschleimhaut hat also ständig Kontakt mit zahlreichen Toxinen. Ist ihnen die Blase über Jahre hinweg ausgesetzt, kann sich Krebs entwickeln.

Blasenkrebs als Berufsrisiko bei Frisör(inn)en?

Auch Haarefärben galt früher als wichtiger Risikofaktor für Blasenkrebs, denn viele Farbstoffe enthielten aromatische Amine. Das sind Substanzen, die Blasenkrebs begünstigen können. Heute sind die bedenklichen Stoffe aus vielen permanenten Haarfarben verschwunden.

Wer alle sechs bis acht Wochen seine Haare färbt, setzt sich keinem erhöhten Risiko aus. Falls Sie beruflich mit bedenklichen Stoffen wie aromatischen Aminen zu tun haben: Beachten Sie die Sicherheitsvorschriften penibel.

Neu als Blasenkrebs-Risikofaktor in den Fokus gerückt ist auch die Schadstoffbelastung der Luft. Zwar gibt es dazu noch keine aussagekräftigen Studien, doch es leuchtet ein, dass sich winzige, lungengängige Partikel aus den Abgasen auch in der Blase sammeln und das Organ schädigen könnten.

Jedes dieser drei Symptome ist ein Alarmzeichen für Blasenkrebs!

Eine spezielle Untersuchung zur Früherkennung – wie die Mammographie bei Brustkrebs oder einen Abstrich auf Gebärmutterhalskrebs – gibt es bei Blasenkrebs nicht. Außerdem ist diese Krebsart besonders gefährlich, weil sie anfangs kaum Anzeichen hervorruft. Meist treten erst dann Symptome auf, wenn sich der Krebs aus der Schleimhaut der Blase in die darunter liegenden Gewebeschichten ausgebreitet hat. Noch dazu können die Krankheitszeichen so ausfallen, dass Frauen sie mit denen einer Blasenentzündung verwechseln und deshalb nicht gleich zum Arzt gehen.

Welche Symptome als Alarmzeichen für Blasenkrebs gelten:

  • Blut im Urin – anders als bei der Blasenentzündung aber keine Schmerzen beim Wasserlassen
  • allgemeine Veränderungen beim Wasserlassen, etwa Druck auf die Blase, Harnverhalt, Tröpfeln
  • das sogenannte Blasengefühl (Sie spüren plötzlich deutlich, dass Sie eine Blase haben)

Urintest auf Krebszellen

Zögern Sie nicht, deshalb zum Arzt zu gehen. Übrigens auch, wenn Sie innerhalb von drei Monaten wiederholt eine vermeintliche Blasenentzündung bekommen. Mit einem Urintest können Fachleute feststellen, ob Bakterien vorliegen und in einer weiteren Laboruntersuchung erkennen, ob sich bösartige Schleimhautzellen im Urin befinden.

Sicherheit gibt dann die Blasenspiegelung. Die Untersuchung dauert nur wenige Minuten. Ihr Arzt/Ihre Ärztin kann dabei Zellmaterial entnehmen, das im Labor auf verdächtige Zellen untersucht wird.

Blasenkrebs hat oft gute Heilungschancen

Drei Viertel der Blasenkarzinome beschränken sich auf die erste Schicht im Hohlorgan Blase, die Schleimhaut. In diesem Fall kann der Chirurg diese über die Harnröhre mit einer winzigen Elektroschlinge abhobeln und entfernen. Diese Methode heißt transurethrale Resektion (TUR). Allerdings bildet sich der Krebs danach häufig erneut. Neuere Behandlungsmethoden setzen deshalb darauf, den Tumor mit dem Laser präzise aus der Blasenwand herauszuschneiden.

Eine lokale Immun- und Chemotherapie hilft außerdem dabei, dass der Blasenkrebs innerhalb der ersten fünf Jahre nach der Diagnose bei immerhin 80 Prozent der Betroffenen nicht wiederkommt.

Anders sieht es aus, wenn der Krebs bereits fortgeschritten ist und die tieferen Schichten der Blase (Muskeln) erreicht hat. Dann muss meistens die gesamte Blase entfernt werden (Zystektomie). Aus einem Stück Dünndarm kann der Chirurg oder die Chirurgin eine Ersatzblase anlegen. Meist funktioniert sie jedoch nicht so gut wie die natürliche Blase. Es kommt vor allem zu Inkontinenz.

Die Überlebenschancen nach einer Zystektomie stehen relativ gut. Rund 80 Prozent der ehemaligen Blasenkrebs-Patienten leben nach fünf Jahren noch.

Daneben gibt es noch weitere Behandlungsoptionen, die alle darauf abzielen, die Blase zu erhalten. Das sind neben Chemo- und Strahlentherapie auch neue Immunbehandlungen. Dabei kommen Arzneistoffe zum Einsatz, die das Abwehrsystem des Körpers sozusagen gezielt scharf gegen die Krebszellen machen. Dabei handelt es sich etwa um Pembrolizumab. Dieser Antikörper hat sich in einer Studie bei fortgeschrittenem Blasenkrebs als sehr effektiv erwiesen.

Blasenkrebs vorbeugen – das sollten Sie beachten

Doch auch, wenn damit die Heilungschancen bei Blasenkrebs steigen: Besser ist es, erst gar nicht daran zu erkranken. Folgende Tipps können Ihnen dabei helfen:

  • Falls Sie Raucher sind: Hören Sie auf – um sich und Ihre Umgebung zu schützen.
  • Wenn Sie Passivrauch ausgesetzt sind: Versuchen Sie, die Quelle zu beeinflussen und meiden Sie den Qualm so weit wie möglich.
  • Trinken Sie viel Wasser, damit die Blase immer gut durchgespült wird und sich Schadstoffe nicht lange in ihr sammeln können.
  • Zögern Sie das Wasserlassen nicht unnötig lange hinaus, sondern gehorchen Sie Ihrem Harndrang.
  • Gehen Sie zum Arzt, wenn Sie auch nur eines der oben aufgeführten Symptome an sich bemerken – Blut im Urin oder häufige Blasenentzündung.

Mehr zu den verschiedenen Tumorarten, ihren Symptomen und Heilungschancen lesen Sie auf unserer Themenseite zu Krebs!

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