30.11.2017

Blasenentzündung oder mehr? Harnwegsinfekt: Kinder und Frauen sind besonders gefährdet

Bei einem komplizierten Harnwegsinfekt kommen Sie um die Einnahme von Antibiotika kaum herum.

Foto: iStock/Ridofranz

Bei einem komplizierten Harnwegsinfekt kommen Sie um die Einnahme von Antibiotika kaum herum.

Meist verläuft ein Harnwegsinfekt unkompliziert. Wenn die Blasenentzündung jedoch weiter aufsteigt und sich auf andere Organe ausbreitet, ist Vorsicht geboten!

Unkomplizierte Harnwegsinfekte wie zum Beispiel Blasenentzündungen bekommen vor allem Frauen. Die kurze Harnröhre und ihre Nähe zum Anus machen es den auslösenden Keimen aus der Afterregion leicht, hierher aufzusteigen.

In drei Lebenssituationen sind Frauen besonders gefährdet:

  • sexuell aktive Phase (beim Sex können Bakterien in die Harnröhre "einmassiert" werden)
  • Schwangerschaft (durch die veränderte Hormonsituation)
  • während der Wechseljahre und danach (aufgrund des Östrogenmangels)

Bei Babys und Kleinkindern Windeln möglichst rasch wechseln

Doch auch Kleinkinder – Mädchen ebenso wie Jungen – können sich leicht einen Harnwegsinfekt zuziehen. Denn die Kolibakterien aus dem Darm können durch Schmierinfektion in die Harnröhre gelangen. Dieses Risiko besteht etwa bei einer vollen Windel.

Harnwegsinfekt und Blasenentzündung: Was ist der Unterschied?

Umgangssprachlich werden die beiden Begriffe gern gleichgesetzt. Genau genommen kann ein Harnwegsinfekt jedoch mehr Organe betreffen als nur die Blase. Zum Beispiel die Harnleiter, also die Verbindung zwischen Blase und Nieren.

Sind die Bakterien bis hierher vorgedrungen, besteht das Risiko einer Nierenbeckenentzündung. Die Anzeichen dafür: Neben den für eine Blasenentzündung typischen Symptomen wie Schmerzen und Brennen beim Wasserlassen sowie häufigem Harndrang mit wenig Urin kommt es zu Schmerzen in der Nierengegend (rechts und links am Rücken im Taillenhöhe) sowie Fieber.

Harnwegsinfekt richtig behandeln

Bei jedem dieser Symptome sollten Sie den Arzt aufsuchen. Denn mit Hausmitteln, wie sie bei einer unkomplizierten Blasenentzündung (Zystitis) manchmal ausreichen, kommen Sie hier nicht weiter. Oft sind Antibiotika nötig, um die Bakterien abzutöten. Das trifft besonders dann zu, wenn Sie bereits Blut im Urin beobachtet haben.

Mit einer Urinprobe und manchmal auch Ultraschall stellen Mediziner fest, welche Behandlung die richtige ist. Bei einem komplizierten Harnwegsinfekt – wenn auch die Harnleiter oder womöglich bereits die Nieren von der Entzündung in Mitleidenschaft gezogen wurden –, wird Ihr Arzt oder Ihre Ärztin das zum auslösenden Keim passende Antibiotikum verschreiben.

Betroffene sollten deshalb bereits bei den ersten Anzeichen einer Blasenentzündung aktiv werden – viel trinken, den Bauch warm halten und am besten einen Tag Ruhe einlegen, damit der Körper sich auf die Abwehr der Keime am falschen Platz konzentrieren kann. Dann klettern die Erreger meist nicht noch weiter nach oben – ein komplizierter Harnwegsinfekt lässt sich abwenden.

Sie leiden insbesondere an Blasenentzündungen? Im Video sehen Sie die besten Hausmittel gegen das Leiden:

Hausmittel gegen Blasenentzündung

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Warum Männer seltener, aber schwerer an Harnwegsinfekten leiden

Übrigens können auch Männer eine Blasenentzündung bekommen! Sie sind zwar durch ihre lange Harnröhre anatomisch besser davor geschützt als Frauen. Auf dem weiten Weg vom Harnröhreneingang nach oben werden die Erreger ständig von Abwehrzellen angegriffen und kommen deshalb kaum weiter.

Haben die Bakterien jedoch erst die Oberhand gewonnen, sind die Schmerzen besonders intensiv – denn die Harnröhre ist auf ihrer gesamten Länge entzündet, dazu natürlich die Blase und bisweilen weitere Bereiche wie die Prostata oder Nebenhoden.

Frauen sind jedoch ungleich häufiger betroffen: Statistisch gesehen bekommt jede zweite Frau mindestens einmal in ihrem Leben einen Harnwegsinfekt, unter Männern ist es nur jeder hundertste.

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