11.12.2018

Blutvergiftung Toxisches Schocksyndrom – so gefährlich können Tampons sein

Tampons, aber auch Menstruationstassen, bergen bei falscher Anwendung das Risiko eines Toxischen Schocksyndroms, kurz TSS. Was Sie bei der Anwendung beachten sollten und warum schnelles Handeln bei Symptomen lebenswichtig ist.

Foto: iStock/doble-d

Tampons, aber auch Menstruationstassen, bergen bei falscher Anwendung das Risiko eines Toxischen Schocksyndroms, kurz TSS. Was Sie bei der Anwendung beachten sollten und warum schnelles Handeln bei Symptomen lebenswichtig ist.

Werden manche Produkte für die Monatshygiene oder Verhütung falsch angewendet, droht die "Tamponkrankheit" TSS, die sogar tödlich ausgehen kann.

Tampons und Menstruationstassen, aber auch Diaphragma oder Verhütungskappe: Wer bestimmte Regeln bei der Anwendung nicht beachtet, riskiert Infektionen wie das Toxische Schocksyndrom (TSS), umgangssprachlich auch Tamponkrankheit genannt.

Toxisches Schocksyndrom – was ist das?

Beim TSS handelt es sich im Grunde um eine Form der Blutvergiftung. Bekannt ist die Sepsis etwa durch eine Infektion von Wunden oder, wenn eine Lungenentzündung ausufert. Bakterien gelangen ins Blut und überschwemmen den Körper. Nicht rechtzeitig behandelt, führt das zu Organversagen und Tod. Während Sepsis insgesamt sehr häufig ist, wird das TSS sehr selten beobachtet, ist aber besonders gefährlich.

Beim Toxischen Schocksyndrom spielen vor allem Giftstoffe (Toxine), die von den Bakterien produziert werden, eine Rolle. Vereinfacht gesprochen, vergiften sie den Körper. Das TSS tritt vor allem nach chirurgischen Eingriffen auf, stellt aber auch nach Verbrennungen ein großes Risiko dar. "Beim Toxischen Schocksyndrom handelt es sich meist um eine Infektionskrankheit mit dem Bakterium Staphylococcus aureus", erklärt Dr. Klaus Doubek vom Berufsverband der Frauenärzte.

15-Jährige schwebte durch TSS in Lebensgefahr

Diese Bakterien leben bei rund jedem dritten Menschen auf der Haut oder den Schleimhäuten der oberen Atemwege. In geringer Menge besiedeln sie auch die Scheidenschleimhaut. Das Immunsystem mit seinen Antikörpern sowie nützliche Bakterien auf der Haut halten sie in Schach. In seltenen Fällen gelingt das aber nicht.

"Es gibt wenige Fälle, bei der die Erkrankung mit der Verwendung von Tampons in Verbindung gebracht wurde", berichtet Experte Doubek weiter. So musste beispielsweise eine 15-jährige US-Amerikanerin wegen des Toxischen Schocksyndroms auf die Intensivstation. Das Mädchen überlebte zwar, trug aber einen Nierenschaden davon, wie die "Daily Mail" berichtete. Und kürzlich erkrankte in den USA eine 33-Jährige an TSS, heißt es im "Mirror". Vor einigen Jahren ist zudem eine 13-jährige Engländerin an dieser Art der Blutvergiftung gestorben.

Diese Symptome verraten das Toxische Schocksyndrom

Ursache für die lebensgefährliche Erkrankung: Die beiden jungen Mädchen hatten einen Tampon zu lange getragen. Das gestaute Menstruationsblut bot den Bakterien eine ideale Brutstätte, woraufhin sie den gesamten Körper mit ihren Toxinen überfluten konnten. Bei der Frau aus den USA lässt sich die Krankheit dagegen wahrscheinlich auf einen zu saugfähigen, zu trockenen Bio-Tampon zurückführen.

Bei allen ähnelten die ersten Anzeichen denen einer Grippe – Schwäche, Abgeschlagenheit, Kopfschmerzen und Fieber. Die Symptome verschlechtern sich dabei jedoch innerhalb von kürzester Zeit. Weitere mögliche Symptome des Toxischen Schocksyndroms sind:

  • Schüttelfrost
  • Übelkeit
  • Erbrechen
  • Muskelschmerzen
  • Schwindel
  • Blutdruckabfall
  • roter Ausschlag, der einem Sonnenbrand ähnelt

"Frauen, die während der Menstruation aus voller Gesundheit heraus plötzlich unter diesen Beschwerden leiden, sollten sofort den Tampon vorsorglich entfernen und unverzüglich einen Arzt oder eine Klinik aufsuchen", rät der Gynäkologe. Der 33-jährigen Amerikanerin hätten die Ärzte fast ein Bein abnehmen müssen – sie konnten das aber mit einer Operation noch verhindern. Bei dem 13-jährigen Mädchen aus England kam damals jede Hilfe zu spät – vor allem, da die Symptome so unspezifisch sind.

Allerdings ist das Toxische Schocksyndrom in Europa, anders als in den USA, extrem selten. Die Ursache dafür könnte, so vermuten Experten, darin liegen, dass die Keimflora von Europäern anders aufgebaut und deshalb den Krankmachern gegenüber widerstandsfähiger ist. Neben Staphylokokken sind manchmal auch Streptokokken Auslöser der rasant verlaufenden Infektion.

Bei Verdacht auf TSS rasch handeln, die Inkubationszeit ist kurz!

Bei den ersten Anzeichen der Tamponkrankheit gilt: Zeit ist Leben und Lebensqualität. Kommt bei der Blutvergiftung sofort ärztliche Hilfe zum Tragen, können permanente Schäden meist vermieden werden. Kommt sie zu spät, kann es zu bleibenden Funktionsstörungen an Organen kommen, im schlimmsten Fall zum tödlichen Schock mit Organ- und Kreislaufversagen. Oft bleibt nur ein Zeitfenster von wenigen Stunden für die erfolgreiche Behandlung des TSS.

Dabei sind Antibiotika die Mittel der Wahl. Oft werden sie im Krankenhaus per Tropf verabreicht, zusätzlich kommen kreislaufstabilisierende Mittel und eine Blutwäsche zum Einsatz.

Was Sie beachten sollten, wenn Sie Tampons benutzen

Mit einfachen Hygieneregeln können Sie TSS und übrigens auch andere – zwar harmlosere, aber unangenehme – bakterielle Infektionen der Scheide wie die Vaginose vermeiden:

  • Waschen Sie sich vor dem Einführen des Tampons gründlich die Hände.
  • Benutzen Sie nur Tampons mit unbeschädigter Hülle, die originalverpackt sind.
  • Wer ganz sicher gehen möchte: Wählen Sie Tampons mit Applikator zum Einführen, aber keine duftenden, gefärbten Exemplare.
  • Nehmen Sie die kleinste Tampongröße für Ihre Blutungsstärke. Das verhindert, dass Sie einen Tampon zu lange tragen.
  • Wechseln Sie den Tampon häufig, spätestens nach acht Stunden.
  • Tragen Sie nachts Binden oder Perioden-Unterwäsche, vor allem, wenn Sie länger schlafen. Dann kommt es zu keinem Blutstau in der Vagina.

Wie der Fall der 33-jährigen Amerikanerin zeigt, schützen auch Bio-Tampons nicht hunderprozentig vor dem Toxischen Schocksyndrom. Bisher war man davon ausgegangen, dass die synthetischen Fasern in normalen Tampons das Entstehen der Krankheit begünstigen könnten. Das kann auch sein, jedoch darf die Gefahr von zu saugfähigen Bio-Tampons auch nicht unterschätzt werden. Im Falle der Amerikanerin hatte ein zu trockener Tampon wahrscheinlich beim Herausziehen die Scheideninnenwand verletzt, wodurch es Bakterien leichter hatten, in den Körper einzudringen und sich zu vermehren.

Risiko bei Menstruationstasse und Verhütungsmitteln

Neben Tampons können auch andere Hygieneartikel oder Produkte zur Verhütung ein gewisses Risiko bergen, wenn sie nicht sorgfältig angewendet werden. Dazu gehören zum Beispiel Diaphragmen und Menstruationstassen, die auch hierzulande immer beliebter werden.

Um dem Toxischen Schocksyndrom vorzubeugen, sollten Sie daher

  • ein Diaphragma nicht länger als 24 Stunden tragen.
  • die Verhütungskappe höchstens 48 Stunden eingesetzt lassen.
  • eine Menstruationstasse nach spätestens 12 Stunden wieder aus der Vagina entfernen.

Selbstverständlich gehört auch dazu, die Produkte nach Anweisung des Herstellers penibel zu reinigen, und beim Einsetzen heißt es: Einmalhandschuhe tragen und/oder Hände vorher und hinterher gründlich waschen.

Wenn Sie diese Dinge beachten, ist das Risiko, die Tamponkrankheit zu bekommen, noch viel geringer als sowieso schon: Nur eine von 200.000 Frauen ist in Deutschland betroffen. Trotzdem sollten Frauen nicht vergessen, dass diese Gefahr existiert, zumal das Toxische Schocksyndrom so dramatisch verlaufen kann.

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