09.11.2017 - 17:20

Körper-Frühwarnsystem Blut im Urin: Ursachen bei Frau und Mann

Ärztliche Hilfe suchen ist bei Blut im Urin immer eine gute Idee – und in den meisten Fällen auch dringend angeraten.

Foto: iStock/AJ_Watt

Ärztliche Hilfe suchen ist bei Blut im Urin immer eine gute Idee – und in den meisten Fällen auch dringend angeraten.

Wer Blut im Urin hat, erschreckt sich erst einmal. Deuten Sie das als frühes Warnzeichen, lassen sich ernsthafte Krankheiten aber meist gut behandeln.

Und plötzlich ist da Blut im Urin: Sie schauen nach dem Toilettengang nach unten und bekommen einen Schreck. Die Flüssigkeit in der Schüssel ist rötlich gefärbt. Das ist natürlich erst einmal beunruhigend. Dennoch heißt es Ruhe bewahren – und am besten einen Arzt aufsuchen.

Ist der Harn nicht mehr hell- bis dunkelgelb, sondern rötlich bis braun gefärbt, kann das viele Ursachen haben. Nicht alle weisen auf eine ernsthafte Krankheit hin. Dennoch sollten Sie einen Arzt zu Rate ziehen.

Bei Blut im Urin am besten einen Arzt aufsuchen

Rötlich gefärbter Urin kann auch einen ganz harmlosen Grund haben. Haben Sie kurz vorher viel rote Bete gegessen? Dann könnte der starke Pflanzenfarbstoff verantwortlich sein. Auch Rhabarber oder Blaubeeren können den Urin färben. Dennoch sollten Sie das Ganze beobachten und im besten Falle den Hausarzt oder gleich einen Urologen konsultieren.

Hinter der roten Färbung können nämlich auch ernste Gründe stecken. So kann Blut im Urin beispielsweise auf einen Harnwegsinfekt, umgangssprachlich Blasenentzündung, hinweisen, aber auch auf eine akute Nierenerkrankung, Zysten und Polypen oder auf Krebs.

Hämaturie kann viele Ursachen haben

Bei einer Untersuchung werden neben körperlichen Beschwerden Ihre Laborbefunde gecheckt. Ein Arzt wird Sie bei der Untersuchung auf Blut im Urin um eine Urinprobe bitten. Versuchen Sie also, den Toilettengang unmittelbar vor dem Arztbesuch zu vermeiden.

Der Fachbegriff für blutigen Urin heißt übrigens Hämaturie. Dabei unterscheiden Mediziner zwei Formen:

  • Mikrohämaturie: Tritt nur wenig Blut auf, ist eine Verfärbung des Urins nicht mit bloßem Auge zu erkennen, sondern lässt sich nur mit speziellen Teststreifen nachweisen.
  • Makrohämaturie: Hier ist die rötliche Färbung dagegen deutlich sichtbar. Dabei können Färbungen von rosa über rot bis braun auftreten. Schon geringe Mengen Blut machen sich im Pipi farblich bemerkbar.

Übrigens können auch bestimmte Medikamente als Nebenwirkung die Schleimhäute angreifen und so zu blutigem Harn führen – beispielsweise Penicillin. Und auch Blutverdünner wie Acetylsalicylsäure, die unter anderem Hauptwirkstoff von Aspirin ist, lassen normalerweise leichte Verletzungen schneller bluten.

Häufige Ursache: Blasenentzündung

Bei einer Blasenentzündung, fachsprachlich Zystitis genannt, sind die Harnwege meist durch Bakterien, manchmal durch Viren, Pilze oder Parasiten infiziert. Durch die Entzündung ist das Gewebe angegriffen und es kann zu Blutungen kommen. Häufig machen sich Blasenentzündungen aber schon vorher durch ständigen Harndrang und Schmerzen beim Wasserlassen bemerkbar.

In den meisten Fällen sind Frauen betroffen, da deren Harnleiter wesentlich kürzer sind als die von Männern. Besonders anfällig sind darüber hinaus Menschen mit bereits geschwächtem Immunsystem. Bei einer Blasenentzündung mit Blut sollten Sie immer einen Arzt aufsuchen. Dieser wird Ihnen in der Regel ein spezielles Antibiotikum verschreiben.

Was tun bei Blut im Urin durch eine Blasenentzündung?

Mit Antibiotika lassen sich akute Harnwegsinfekte am einfachsten behandeln. Tritt die Entzündung aber chronisch-rezidivierend, also immer wieder auf, sollten Sie Rücksprache mit Ihrem Arzt halten. Linderung verschaffen außerdem Nieren- und Blasentees. Allgemein sollten Sie auf ausreichend Flüssigkeitszufuhr (zwei bis drei Liter am Tag) achten, auch wenn Sie dann noch häufiger die Toilette aufsuchen müssen. So können Bakterien schneller aus den Harnwegsbereichen herausgespült werden und damit schlechter die Niere erreichen (aufsteigender Harnwegsinfekt). Auch Wärme tut gut, etwa durch eine Wärmflasche oder ein angenehm temperiertes Sitzbad. 13 wirksame Hausmittel gegen Blasenentzündung verraten wir Ihnen hier.

Sollten die Beschwerden nach ein paar Tagen nicht abklingen oder mit Rückenschmerzen im Bereich der Nieren, Gliederschmerzen und Fieber einhergehen, ist schnelles Handeln gefragt. Denn dann kann es sein, dass sich die Entzündung auf die Nieren ausgeweitet hat. In diesem Fall heißt es: Ab zum (Fach-)Arzt!

Entzündungen der Nieren und des Nierenbeckens: schnell handeln!

Wird sie nicht rechtzeitig behandelt. kann eine Harnwegsinfektion also zu einer Nierenentzündung führen. Diese wie auch die Nierenbeckenentzündung können aber auch andere Auslöser haben. Beide machen sich schnell durch blutigen Harn bemerkbar und sollten zügig behandelt werden. Sonst können die Nieren einen Langzeitschaden davontragen!

Welche Symptome eine Nierenbeckenentzündung mit sich bringtund wie Sie reagieren müssen, lesen Sie hier.

Kratzige Angelegenheit: Kleine Steinchen in Nieren, Blase & Co.

Das empfindliche Gewebe der Harnwege kann auch durch spitze Kalkablagerungen verletzt werden. Nieren-, Blasen- und sonstige Harnleitersteine sitzen anfangs in der Regel irgendwo fest. Manchmal lösen sie sich aber und können dann in engen Passagen hängen bleiben und die Schleimhäute anritzen.

Sollte Ihnen Blut im Urin auffallen, obwohl sich eine Blasenentzündung ausschließen lässt, sollten Sie dennoch zum Arzt gehen und prüfen lassen, ob nicht solche kleinen Steinchen verantwortlich sein können. So lassen sich auch schmerzhafte Harnleiterverschlüsse vermeiden.

In der Regel kann der Urologe Harnleitersteine und auch Nierensteine recht einfach entfernen. Auch hier hilft übrigens viel trinken – allein schon als vorbeugende Maßnahme.

Zysten und Polypen: Gutartige Wucherungen sollten Sie beobachten

Unter Zysten oder Polypen versteht man gutartige Veränderungen der Schleimhäute. Hierbei handelt es sich nicht um Krebs, denn die Wucherungen wachsen selten weiter. Dennoch können sie durch Bewegung oder Einflüsse wie Nierensteine verletzt werden oder sogar platzen – und auch das führt zu blutigem Urin. Auch wenn Zysten und Polypen meist harmlos sind, sollten Sie sie trotzdem beobachten und im Zweifel entfernen lassen.

Frühwarnsystem Blut im Urin bei Blasenkrebs

Frühe Warnzeichen bei Krebserkrankungen können Schlimmeres verhindern – wenn sie als solche erkannt werden. Ein solches Signal ist Blut im Urin. Meist kommt es zu Blutungen aus der Blase, bevor andere Symptome auftreten. Daher kann der rechtzeitige Gang zum Urologen vor langwieriger Krankheit bewahren und sogar Leben retten. Denn wird Blasenkrebs früh genug erkannt, stehen die Heilungschancen gut. Übrigens sind hiervon vor allem Männer betroffen. Aber auch bei Frauen kann die Krankheit durchaus auftreten.

Bei Männern kann Blut im Urin zudem auf Entzündungen der Bläschendrüse oder der Prostata hinweisen – und somit wieder ein Warnzeichen für eine Krebserkrankung sein. Prostatakrebs ist die häufigste Krebsform beim Mann. Ab 45 Jahren sollten die Herren der Schöpfung daher regelmäßig zur Vorsorgeuntersuchung gehen.

Auch weniger häufige Diagnosen sind möglich

Seltener lässt sich Blut im Harn als Nebenwirkung bei einer Strahlentherapie erkennen. Außerdem kann das Symptom auf Gefäßerkrankungen der Nierenvene oder der Nierenarterien, eine Form der Endometriose sowie auf die seltene Sichelzellanämie hinweisen.

Auch leichte Verletzungen durch Stürze oder Schläge sowie durch starke körperliche Anstrengungen – beispielsweise einen langen Lauf – können die Harnwege bluten lassen.

Die Diagnose: Das kommt auf Sie zu

Ihr Arzt wird Ihnen bei der Untersuchung einige Fragen stellen, die Sie sich aber auch selbst schon im Vorfeld beantworten können: Wann ist Ihnen die rote Färbung erstmals aufgefallen? Welche Farbe hat der Urin? Schmerzt das Wasserlassen? Nehmen Sie Medikamente ein oder hatten Sie kürzlich einen Unfall? Leiden Sie bereits unter einer Krankheit wie Nieren- oder Blasensteinen?

Bei der Urinprobe, die Sie beim Arzt abgeben müssen, kann direkt festgestellt werden, ob es sich um einen Harnwegsinfekt oder um eine Nierenerkrankung handelt. Dann nämlich lassen sich im Harn besonders viele weiße Blutkörperchen nachweisen.

Die Behandlungsmöglichkeiten sind vielseitig und hängen von der Diagnose ab

Da Blut im Urin so viele Gründe haben kann, kommt die Therapie natürlich auf die jeweilige Diagnose an. Die Behandlung kann von viel trinken über Antibiotika bei Entzündungen bis zu Operationen und weiteren Maßnahmen bei ernsthaften Erkrankungen führen.

In Panik brauchen Sie nicht verfallen, wenn Ihnen eine Rotfärbung Ihres Ausscheidungsprodukts auffällt. Meist stecken leicht zu behandelnde Erkrankungen wie die Blasenentzündung dahinter – oder es lassen sich ernste Krankheiten frühzeitig entdecken. Blut im Urin ist also nicht nur Symptom, sondern vor allem auch eine wichtige Möglichkeit unseres Körpers, uns früh zu zeigen, dass etwas nicht stimmt.

Kommen die Beschwerden mit Fieber daher? Schauen Sie auf unsere Fieber-Themenseite – hier gibt es wertvolle Infos zu Linderungsmöglichkeiten.

Harnwegsinfekte können übrigens auch auftreten, wenn Sie ein Kind erwarten. Unsere Schwangerschafts-Themenseite versorgt Sie mit weiteren Tipps.

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