11.09.2019

Ständige Unruhe Restless-Legs-Syndrom: Wenn die Beine zappeln müssen

Die rastlosen Beine beim Restless-Legs-Syndrom lassen an Schlafen kaum denken. Auf bestimmte Symptome sollten Sie achten – und dann mit Ihrem Hausarzt sprechen.

Foto: Shutterstock/Vladimir Badaev

Die rastlosen Beine beim Restless-Legs-Syndrom lassen an Schlafen kaum denken. Auf bestimmte Symptome sollten Sie achten – und dann mit Ihrem Hausarzt sprechen.

Das Restless-Legs-Syndrom kommt weit häufiger vor als gedacht. Vor allem Frauen in der Schwangerschaft sind betroffen. Alles über Symptome und Hilfen!

Zuerst ist es nur ein Kribbeln, Prickeln, Brennen und Ziehen, dann beginnen die Beine zu zucken, müssen ständig bewegt werden. Das sind typische Anzeichen für das Restless-Legs-Syndrom (RLS), übersetzt etwa unruhige Beine. Rund zehn Prozent der Deutschen sind betroffen. Vor allem Frauen im letzten Drittel der Schwangerschaft leiden unter massiven Beschwerden, die keinen erholsamen Schlaf mehr erlauben.

Symptome des Restless-Legs-Syndroms

Es gibt mehrere Symptome von RLS, die bei jedem und jeder Betroffenen etwas unterschiedlich ausgeprägt sind:

  • Die unangenehmen Empfindungen in den Beinen – häufig werden sie mit Ameisenlaufen verglichen – treten vor allem in Ruhephasen auf, also nachts oder tagsüber beim Sitzen oder Ausruhen.
  • Die unangenehmen Gefühle in den Beinen lassen sich nur durch Bewegungen kurzfristig lindern. Oft stehen die Betroffenen deshalb nachts auf und laufen herum.
  • Die Beine beginnen unwillkürlich zu zucken, was das Ein- und Durchschlafen erheblich behindert.
  • Die Beschwerden können nur ein Bein betreffen, aber auch beide. Manchmal setzt sich die Unruhe auch bis in die Arme fort.

Neues über Ursachen und Auslöser des Restless-Legs-Syndroms

Lange Zeit war unbekannt, welche Ursache hinter dieser Nervenkrankheit steckt. Vermutlich funktioniert dabei der Gehirnstoffwechsel teilweise fehlerhaft, vor allem der Botenstoff Dopamin kommt nicht zum Zug. Schon vor einigen Jahren haben Forscher des Instituts für Neurogenomik am Helmholtz-Zentrum München in einer großen Studie herausgefunden, dass es 19 Varianten auf Genen gibt, die mit dem Restless-Legs-Syndrom in Zusammenhang stehen. Es existiert also eine familiäre Veranlagung für die unruhigen Beine. Neurologen sprechen in diesem Fall von einem familiären RLS.

Daneben gibt es das sogenannte idiopathische RLS, dessen Ursachen noch unbekannt sind.

Zusätzlich kennen Fachleute einige Krankheiten, die das Restless-Legs-Syndrom auslösen können. In diesem Fall spricht der Arzt von einem sekundären RLS oder symptomatischem RLS:

Restless Legs können außerdem als Nebenwirkung mancher Medikamente (etwa Antidepressiva) auftreten.

Restless Legs sind alles andere als harmlos

Auch wenn nicht Betroffene diese Symptome als eher harmlos und primär nicht lebensbedrohlich einstufen würden – in der Realität mindern sie die Lebensqualität erheblich. Die Unruhe und der Schlafmangel können eine Reihe von weiteren Krankheiten nach sich ziehen, weil die Nerven einfach blank liegen. Im harmlosesten Fall kommt es zu Tagesmüdigkeit. Gefährlicher ist der daraus resultierende Sekundenschlaf, der Betroffene plötzlich überfallen kann und etwa beim Autofahren fatal ist. Nicht zuletzt ist bekannt, dass Schlafmangel Depressionen und Bluthochdruck begünstigt, sowie einen vorzeitigen Abbau der Gehirnleistung.

Wenn Sie die Anzeichen eines Restless-Legs-Syndroms an sich bemerken, sollten Sie deshalb nicht zögern, Ihre Ärztin oder Ihren Arzt aufzusuchen. Das ist wichtig, damit die Ursache gefunden wird, entsprechende Grunderkrankungen zielgerichtet behandelt und die entsprechende Therapie gegen das RLS eingeleitet werden kann.

Diagnose beim Restless-Legs-Syndrom nicht immer einfach

Rund 5 bis 10 Prozent der Bevölkerung leiden an RLS, dabei sind die Beschwerden jedoch nur bei 1 bis 2 Prozent so stark, dass eine Behandlung nötig wird, erklärt die Deutsche Restless Legs Vereinigung. Frauen sind etwa doppelt so oft betroffen wie Männer.

Treten die Probleme mit den Beinen mehrmals auf, sollte der Weg also zum Hausarzt führen. Ihre Beschreibung der Beschwerden gibt in der Regel bereits einen ersten Hinweis auf RLS. Mit Bluttests, die Eisen- und Nierenwerte sowie die Schilddrüsenhormone überprüfen, lässt sich ein Mangel erkennen – und damit vielleicht schon die Ursache für die unruhigen Beine dingfest machen. Mit den entsprechenden Medikamenten verschwinden die Beschwerden dann.

Sind die Blutwerte jedoch in Ordnung, wird der Hausarzt in der Regel zum Neurologen überweisen. Mit verschiedenen Diagnoseverfahren kann er etwa bei Diabetes erkennen, ob eine Neuropathie vorliegt. Dabei handelt es sich um Nervenschäden, die zu Empfindungsstörungen in Beinen und Füßen führen.

L-Dopa-Test kann bei RLS-Verdacht Klarheit bringen

Allerdings: Ein bestimmtes Testverfahren, das RLS mit hundertprozentiger Sicherheit nachweist, steht auch dem Facharzt nicht zur Verfügung. Vergleichsweise große Aussagekraft hat jedoch der sogenannte L-Dopa-Test. Dabei nimmt der Patient, wenn die Beschwerden auftreten, einmal das Medikament L-Dopa ein. Dieser Wirkstoff wird im Gehirn in den Botenstoff L-Dopamin umgewandelt, dessen Mangel im Zusammenhang mit RLS in Verbindung stehen kann. Werden die Beine dadurch ruhiger, handelt es sich mit großer Wahrscheinlichkeit um RLS.

Therapie: Was hilft gegen Restless Legs?

In diesem Fall verschreibt der Arzt ein Dopamin-Präparat, wie es auch bei der Therapie von Parkinson zum Einsatz kommt. Das Medikament verbessert die Kommunikation zwischen den Nervenzellen. Je nachdem, wie gut das Medikament vertragen wird und wie ausgeprägt die Beschwerden sind, stehen noch weitere Wirkstoffe zur Verfügung, etwa Epilepsie-Medikamente und niedrig dosierte Opiate.

Selbstverständlich sind alle Arzneimittel gegen RLS verschreibungspflichtig und müssen genau nach den Anweisungen des Arztes angewendet werden.

Neue Wirkstoffe lassen hoffen

Die Beschwerden nehmen durch die medikamentöse Therapie deutlich ab, heilen lässt sich das RLS damit jedoch nicht. Werden die Medikamente abgesetzt, kommen die Beschwerden wieder. Denn RLS ist eine chronische Krankheit.

Doch die neuen Erkenntnisse aus der anfangs aufgeführten Studie über die Genveränderungen als Ursache für das RLS lassen hoffen. Studienleiterin Prof. Juliane Winkelmann sagt: "Unsere Ergebnisse sind ein wichtiger Schritt zur Entwicklung neuer und verbesserter Behandlungsmöglichkeiten für unsere Patienten.“ In den Fokus der Forscher ist dabei der Wirkstoff Thalidomid gerückt.

Er wird heute bei bestimmten Krebserkrankungen eingesetzt, darf jedoch wegen einer fruchtschädigenden Wirkung nicht bei Frauen im gebärfähigen Alter angewendet werden. Bei dem Wirkstoff handelt sich um ein Schlaf- und Beruhigungsmittel, das gleichzeitig Entzündungen hemmt, früher bekannt unter dem Markennamen Contergan und Softenon.

Sanfte Hilfe mit alternativen Behandlungsmethoden und worauf Restless-Legs-Betroffene achten sollten

Weil es sich in der Regel um starke Medikamente handelt, die nebenwirkungsreich sein können, versuchen viele RLS-Patienten, die Beschwerden durch andere, weniger belastende Therapien in den Griff zu bekommen. Alternative Behandlungsmaßnahmen sind dabei auf jeden Fall einen Versuch wert – dazu zählen etwa Akupunktur und Magnetfeldtherapie, eventuell auch Homöopathie.

Daneben gibt es mehrere Dinge, die Sie selbst tun können: Manche schwören etwa darauf, die Unterschenkel kalt abzuduschen, danach mit dem Handtuch nur trockenzutupfen und mit warmen Socken zurück ins Bett zu gehen (Kneippsche Methode). Oft sind die Beine dann ruhig und es gelingt, einzuschlafen.

Auf jeden Fall sollten Sie, wenn Sie unter RLS leiden, möglichst auf alles verzichten, was die Nerven belastet:

  • Stress
  • Kaffee
  • Alkohol
  • hohe körperliche Anstrengungen wie Leistungssport
  • Schlafmangel

Oft helfen bereits einfache Maßnahmen, RLS in den Griff zu bekommen, wenn es nicht zu stark ausgeprägt ist. Zusätzlich kann der Austausch mit anderen Betroffenen in einer Selbsthilfegruppe sinnvoll sein, etwa der Deutschen Restless-Legs-Vereinigung.

Die Deutsche Restless Legs Vereinigung bietet zudem zwei Selbsttests an. Der erste soll bei der Diagnose helfen, der zweite richtet sich an Betroffene, die sich fragen, ob ihre Therapie noch ausreicht. Achtung: Diese Tests ersetzen keine ärztliche Diagnose! Sie sollten Ihre Beschwerden immer zusätzlich vom Facharzt abklären lassen. Erste Anlaufstelle ist der Hausarzt, der dann im Verdachtsfall auf den Neurologen überweist. Am besten fragen Sie bei potentiellen Neurologen zuvor telefonisch nach, ob sich diese mit dem Restless Legs Syndrom auskennen.

9 Krankheiten, die eine Schwangerschaft heilen kann

Hier finden Sie die Studie des Instituts für Neurogenomik am Helmholtz-Zentrum München zum Nachlesen in englischer Sprache.

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