Aktualisiert: 26.01.2021 - 15:37

Meist junge Frauen betroffen Raynaud-Syndrom: Was tun gegen "Leichenfinger"?

Wenn die Finger so kalt sind, dass nur noch die Heizung hilft: Beim Raynaud-Syndrom, umgangssprachlich "Leichenfingern", sind die Hände plötzlich eiskalt. Woran liegt das – und was hilft?

Foto: Getty Images/zvonko1959

Wenn die Finger so kalt sind, dass nur noch die Heizung hilft: Beim Raynaud-Syndrom, umgangssprachlich "Leichenfingern", sind die Hände plötzlich eiskalt. Woran liegt das – und was hilft?

Dass Frauen oft eiskalte Hände haben, ist nicht nur blödes Schubladendenken – tatsächlich leiden ganz schön viele immer mal wieder unter Eisfingern. Dramatisch wird es, wenn die Finger auch noch taub werden – und dieser Zustand stundenlang anhält!

Das kennen viele Frauen: Die Hände werden plötzlich schneeweiß, eiskalt und gefühllos. Mediziner sprechen dabei von "Morbus Raynaud" oder Raynaud-Syndrom. Umgangssprachlich wird die Weißfingerkrankheit auch "Leichenfinger" genannt – denn genauso sehen die Hände dann aus.

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Raynaud-Syndrom: Ursachen der "Leichenfinger"

Ursache des Raynaud-Syndroms ist eine plötzliche Durchblutungsstörung in den Händen, ausgelöst durch einen Kältereiz wie etwa

  • kaltes Wasser
  • eisigen Wind
  • in der Tiefkühltruhe wühlen.

Dieser Kältereiz führt dazu, dass sich die Blutgefäße in den Händen krampfartig zusammenziehen. Diese Gefäßkrämpfe nennt man auch Vasospasmen.

Aber auch langes Ausharren in einer Position, etwa bei Arbeit am Bildschirm kann dazu führen, dass die Durchblutung gestört wird, ebenso wie psychische Belastung oder Schwankungen im Hormonhaushalt. Rauchen kann ebenso ausschlaggebend sein, da Nikotin die Durchblutung ebenfalls einschränkt.

Ist der Blutdruck sowieso zu niedrig – wie das bei jungen Frauen häufig der Fall ist –, werden die Finger fast blutleer und taub. Sie erscheinen weiß, später auch blau, mit scharfer Abgrenzung zu den durchbluteten Bereichen.

Meist treten die Attacken in der Pubertät zum ersten Mal auf, mit den Jahren verlieren sie sich wieder – dann, wenn der Blutdruck langsam steigt. Seltener kann das Phänomen auch in den Zehen auftreten.

Zwei Formen sind bekannt

Mittlerweile unterscheiden Ärzte zwei Formen des Raynaud-Syndroms:

  • Beim primären Raynaud-Syndrom ist die Ursache nicht bekannt. Diese Form tritt meist bei Frauen zwischen 20 und 40 Jahren auf – fünf mal mehr Frauen als Männer erkranken daran. Rund drei Prozent der Bevölkerung leiden unter dieser Form, es kommt öfter gehäuft in der Familie vor.
  • Beim sekundären Raynaud-Syndrom handelt es sich eher um ein Symptom einer anderen Erkrankung wie Sklerodermie, einer vererbbaren Bindegewebserkrankung, oder nach Verletzungen sowie Überdosen einiger Medikamente wie Betablocker, Empfängnisverhütungsmittel oder Zytostatika. Auch das Karpaltunnelsyndrom kann dafür verantwortlich sein, ebenso wie Multiple Sklerose oder Arteriosklerose.

Tritt das Phänomen an beiden Händen auf, leidet der Patient in der Regel an der primären Form, ist nur eine Hand oder ein Fuß betroffen, liegt meist das sekundäre Raynaud-Syndrom vor.

Die Therapie: Was hilft beim Raynaud-Syndrom?

Die meisten Betroffenen versuchen, ihre Hände unter heißem Wasser wieder "aufzutauen". Doch Vorsicht, wenn die Hände gefühllos sind: Sie spüren also möglicherweise nicht, ob das Wasser zu heiß ist, und können sich rasch verbrühen. Weiteres Problem: Wenn die Hände zu schnell großer Wärme ausgesetzt werden, kribbeln sie und tun richtig weh.

Besser: Reiben Sie die Hände vorsichtig mit einem warmen Handtuch ab und massieren Sie die Finger sanft, damit die Durchblutung wieder in Gang kommt. Auch eine warme Tasse Tee kann durchaus helfen.

Damit die Finger in Zukunft nicht mehr weiß werden, sollten Sie auf gute Handschuhe setzen – vielleicht sogar beheizbare. Sinnvoll sind auch Pulswärmer, weil warme Handgelenke die Durchblutung in den Händen verbessern. Auf das Rauchen sollten Sie als Raynaud-Patientin verzichten..

Wie gefährlich ist das Raynaud-Syndrom?

Normalerweise sind die Durchblutungsstörungen der Hände ungefährlich. Der Leichenfinger-Zustand dauert normalerweise nicht länger als eine halbe Stunde, in seltenen Fällen aber auch mal länger. Wenn sie zum ersten Mal auftreten oder Sie bereits über 40 Jahre alt sind, sollten Sie jedoch einen Gefäßspezialisten befragen.

Denn manchmal kann auch eine andere, oben bereits erwähnte Krankheit hinter dem sonst harmlosen Raynaud-Syndrom stecken: Sklerodermie. Diese Autoimmunerkrankung führt dazu, dass Bereiche der Haut und auch innere Organe verhärten und damit ihre Funktion einbüßen. Ein Symptom dabei ist, dass die Haut an Händen, Armen oder im Gesicht eben verdickt und dadurch spannt.

Vor allem beim sekundären Raynaud-Syndrom, kann es sein, dass Gefäße auf Dauer geschädigt werden, wenn die Verkrampfungen über längere Zeit bestehen bleiben. Das Gewebe kann absterben und es können sich Nekrosen bilden.

Die Weißfingerkrankheit wurde übrigens nach ihrem Entdecker benannt, dem französischen Arzt Maurice Raynaud (1834 bis 1881), der das Syndrom im Jahr 1862 während seines Medizinstudiums erstmals beschrieb.

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Mehr zum Thema Durchblutung gesucht? Schauen Sie auf unsere Themenseite Herz-Kreislauf.

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