16.11.2018

Meist junge Frauen betroffen Raynaud-Syndrom: Was tun gegen "Leichenfinger"?

Beim Raynaud-Syndrom werden die Finger urplötzlich weiß, kalt und gefühllos. Was Sie dagegen tun können...

Foto: iStock/rustemgurler

Beim Raynaud-Syndrom werden die Finger urplötzlich weiß, kalt und gefühllos. Was Sie dagegen tun können...

Dass Frauen eiskalte Hände haben, ist häufig der Fall. Dramatisch wird es, wenn die Finger auch noch taub werden – und dieser Zustand stundenlang anhält!

Das kennen viele Frauen: Die Hände werden plötzlich schneeweiß, eiskalt und gefühllos. Ursache ist eine plötzliche Durchblutungsstörung in den Händen, ausgelöst durch einen Kältereiz wie etwa

  • in der Tiefkühltruhe suchen
  • kaltes Wasser
  • eisiger Wind

Dieser Kältereiz führt dazu, dass sich die Blutgefäße in den Händen krampfartig zusammenziehen. Ist der Blutdruck sowieso zu niedrig – wie das bei jungen Frauen häufig der Fall ist –, werden die Finger fast blutleer und taub. Sie erscheinen weiß, später auch blau, mit scharfer Abgrenzung zu den durchbluteten Bereichen, der Arzt spricht dann vom Raynaud-Syndrom, der Weißfingerkrankheit, medizinisch "Morbus Raynaud".

Meist treten die Attacken in der Pubertät zum ersten Mal auf, mit den Jahren verlieren sie sich wieder – dann, wenn der Blutdruck langsam steigt.

Woher kommt das Raynaud-Syndrom?

Mittlerweile unterscheiden Ärzte zwei Formen des Raynaud-Syndroms:

  • Beim primären Raynaud-Syndrom ist die Ursache nicht bekannt. Diese Form tritt meist bei Frauen zwischen 20 und 40 Jahren auf – fünf mal mehr Frauen erkranken daran. Rund drei Prozent der Bevölkerung leiden unter dieser Form.
  • Beim sekundären Raynaud-Syndrom handelt es sich eher um ein Symptom einer anderen Erkrankung wie Sklerodermie, einer vererbbaren Bindegewebserkrankung, oder nach Verletzungen sowie Überdosen einiger Medikamente wie Betablocker, Empfängnisverhütungsmittel oder Zytostatika. Auch das Karpaltunnelsyndrom kann dafür verantwortlich sein, ebenso wie Multiple Sklerose oder Arteriosklerose.

Tritt das Phänomen an beiden Händen auf, leidet der Patient in der Regel an der primären Form, ist nur eine Hand oder ein Fuß betroffen, liegt meist das sekundäre Raynaud-Syndrom vor.

Die Therapie: Was hilft beim Raynaud-Syndrom?

Die meisten Betroffenen versuchen, ihre Hände unter heißem Wasser wieder "aufzutauen". Doch Vorsicht: Die Hände sind gefühllos, Sie spüren also nicht, ob das Wasser zu heiß ist und können sich rasch verbrühen. Weitere Gefahr: Wenn die Hände zu schnell großer Wärme ausgesetzt werden, kribbeln sie und tun richtig weh.

Besser: Reiben Sie die Hände vorsichtig mit einem warmen Handtuch ab und massieren Sie die Finger sanft, damit die Durchblutung wieder in Gang kommt. Damit die Finger in Zukunft nicht mehr weiß werden, sollten Sie auf gute Handschuhe setzen – am besten beheizbare. Sinnvoll sind auch Pulswärmer, weil warme Handgelenke die Durchblutung in den Händen verbessern.Gegen kalte Füße helfen unsere 8 Tipps.

Wie gefährlich ist das Raynaud-Syndrom?

Normalerweise sind die Durchblutungsstörungen der Hände ungefährlich. Wenn sie zum ersten Mal auftreten oder Sie bereits über 40 Jahre alt sind, sollten Sie jedoch einen Gefäßspezialisten befragen.

Denn manchmal kann auch eine andere, oben bereits erwähnte Krankheit hinter dem sonst harmlosen Raynaud-Syndrom stecken: Sklerodermie. Diese Autoimmunerkrankung führt dazu, dass Bereiche der Haut und auch innere Organe verhärten und damit ihre Funktion einbüßen.

Die Weißfingerkrankheit wurde nach ihrem Entdecker benannt, dem französischen Arzt Maurice Raynaud (1834 bis 1881).

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