Aktualisiert: 16.09.2020 - 09:56

Polyzystisches Ovarialsyndrom PCOS: So kann die Ernährung die Erkrankung beeinflussen

Eine Auswirkung des PCO-Syndroms ist der unerfüllte Kinderwunsch – denn die Eizellen reifen nicht ausreichend heran.

Foto: iStock.com/Rawpixel

Eine Auswirkung des PCO-Syndroms ist der unerfüllte Kinderwunsch – denn die Eizellen reifen nicht ausreichend heran.

Weltweit sind etwa fünf bis zehn Prozent aller Frauen betroffen – vor allem junge Frauen: Das PCO-Syndrom löst Menstruationsstörungen aus und erschwert das Schwangerwerden. Das sollten Sie über PCOS wissen!

Von Akne, Übergewicht und unregelmäßigen Regelblutungen bis hin zu unerfülltem Kinderwunsch: Hinter all diesen Symptomen kann ein- und dieselbe Krankheit stecken: das PCO-Syndrom, auch PCOS genannt.

PCOS: Unreife Eizellen übersensibel für männliche Hormone

Die Abkürzung steht für Polyzystisches Ovarialsyndrom. Das bedeutet, dass die Eierstöcke von zahlreichen, nicht ausgereiften Eizellen durchsetzt sind, die wie kleine Zysten aussehen. Allerdings zeigt nicht jede betroffene Frau dieses Symptom – es betrifft nur rund 70 Prozent.

Das Problem: Die Eierstöcke arbeiten bedingt durch das PCO-Syndrom nicht richtig:

  • Die Eizellen reifen nicht, weil es am Hormon mangelt, das diesen Prozess anregen würde.
  • Die Eierstöcke wandeln Testosteron, das auch der weibliche Körper produziert, nicht ausreichend in Östrogen um. So steigt der Testosteron-Spiegel überdurchschnittlich an.
  • Im Grunde werden männliche Hormone überproduziert bzw. sind in zu hoher Konzentration im Körper vorhanden. Betroffene Frauen leiden daher oft auch an männlicher Körperstatur und ausgeprägterer, männlicherer Körperbehaarung.

Zusätzlich sind drei von vier Frauen mit PCO-Syndrom übergewichtig und weisen eine Insulinresistenz auf. Das heißt, sie haben leicht erhöhte Insulinwerte und damit Prädiabetes (die Vorstufe des Diabetes). Das Risiko, an Diabetes Typ 2 zu erkranken, steigt daher auch.

Das PCO-Syndrom ist eine der häufigsten Ursachen für Unfruchtbarkeit. Und das ist neben der Belastung für den Körper durch die auftretenden Probleme auch eine große Belastung für die Psyche.

Diese 4 Symptome verraten das PCO-Syndrom
Diese 4 Symptome verraten das PCO-Syndrom

Die Symptome von PCOS

Zusammengefasst lassen sich die Symptome wie folgt beschreiben:

  • unregelmäßige, sogar ausbleibende Regelblutung
  • im Ultraschall oft kleine Bläschen an den Eierstöcken
  • Haarausfall am Kopf – von Geheimratsecken bis hin zur Glatze
  • Verstärkter Haarwuchs am Körper (Oberschenkel, Bauch, Brust, Rücken, Kinn, Wangen)
  • Fettige Haut bis hin zur Akne, über die Pubertät hinaus
  • Dunkle Hautverfärbungen (Hals, Nacken, unter der Brust, Achseln)
  • Übergewicht
  • Unfruchtbarkeit

Immerhin: Die Beschwerden gehen bei den meisten Frauen nach den Wechseljahren deutlich zurück, da sich hier der Hormonhaushalt verändert.

Blutuntersuchung und Ultraschall, um PCO-Syndrom zu erkennen

Der Arzt kann mit verschiedenen Tests und anhand der Symptome schnell feststellen, ob das PCO-Syndrom vorliegt, unter anderem durch eine Blutuntersuchung sowie einen Ultraschall der Eierstöcke. Bei der Blutuntersuchung wird umfangreich getestet auf männliche Hormone, auf weibliche (Zyklus-)Hormone sowie auf das sogenannte Anti-Müller-Hormon – bei betroffenen Frauen häufig erhöht. Zudem werden die Blutfettwerte überprüft und möglicherweise gibt es noch einen Glukose-Toleranz-Test (oGTT).

Eine Untersuchung der Schilddrüse ist ebenfalls ratsam, da im Schnitt jede dritte Betroffene zusätzlich unter der Autoimmunerkrankung Hashimoto Thyreoditis leidet – die ebenfalls zu Unfruchtbarkeit führen kann.

Doch weil die Ursachen für diese rätselhafte Frauenkrankheit noch unbekannt sind, ist auch Heilung schwierig. Klar ist mittlerweile, dass die Gene einen Einfluss haben: Hatte die Mutter bereits PCOS oder neigte der Vater hormonell bedingt zur Glatze, ist das Risiko für die Tochter, am PCOS zu leiden, höher.

Behandlung: Am besten hilft eine Ernährungsumstellung

Heilbar ist das Polyzystische Ovarialsyndrom nicht. Klar ist aber inzwischen, dass Abnehmen eine Vielzahl der PCOS-Symptome lindert und sogar dabei helfen kann, den Kinderwunsch zu erfüllen. Das gilt aber natürlich nur, wenn Sie übergewichtig sind und Ihr Frauenarzt/Ihre Frauenärztin das PCO-Syndrom bei Ihnen festgestellt hat!

Dass sich Gewichtsreduktion bei PCOS positiv auswirkt, hängt vermutlich damit zusammen, dass Abnehmen den Stoffwechsel reguliert. Dadurch könnte auch die Hormonproduktion wieder in normale Bahnen gelenkt werden. Allerdings ist das Abnehmen aufgrund des gestörten Hormonhaushaltes nicht sehr einfach, daher sollten die Ernährungsgewohnheiten in den meisten Fällen grundlegend überdacht werden. Verschwindet das hormonproduzierende Bauchfett, können die Zellen besser auf Insulin reagieren. Das reguliert den Blutzuckerspiegel, was sich wiederum auf die Produktion der männlichen Hormone auswirkt.

Bei nachgewiesener Insulinresistenz kann zeitweise auch eine Therapie mit einem Diabetes-Medikament helfen. Das sollten Sie auf jeden Fall ärztlich absprechen.

Der Ernährungsplan bei PCO-Syndrom

Verzichten sollten Sie auf Weißbrot, Fast Food, Pommes, Wurst und Süßigkeiten.

Zugreifen dürfen Sie jedoch bei:

  • Vollkornprodukten
  • frischem Obst (Äpfel, Aprikosen, Brombeeren, Grapefruit, Himbeeren, Johannisbeeren, Papaya, Orangen, Zwetschgen)
  • frischem Gemüse (alle Salatsorten, Hülsenfrüchte, Paprika, Möhren, Kohl, Pilze, Tomaten, Gurke)
  • Nüssen (vor allem Walnüsse, Mandeln, aber weniger Erdnüsse)
  • Fisch (Krustentiere, Heilbutt, Hering, Lachs, Makrele)
  • Fleisch (mageres Schweine- und Rindfleisch, Geflügel)
  • Milch und Milchprodukten (Milch und Joghurt am besten mit niedrigem Fettgehalt)

Wichtig ist neben gesunder, kalorienreduzierter Vollwertkost auch ausreichend Bewegung. Denn Muskelarbeit normalisiert den Blutzuckerspiegel und senkt das Diabetesrisiko. All das sind Faktoren, die das PCO-Syndrom mildern und die Fruchtbarkeit einer betroffenen Frau erhöhen können.

Wie hoch ist Ihr Diabetes-Risiko?

Da die psychischen Beschwerden bei PCOS sehr hoch sein können, hilft es auch, sich mit anderen Betroffenen auszutauschen oder sich psychologisch beraten zu lassen. Infos gibt es etwa bei der PCOS-Selbsthilfe.

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