30.10.2019

#WirHabenVerstopfung Warum Frauen so oft unter Verstopfung leiden

Bei Frauen meldet sich der Darm gerne nach dem morgendlichen Kaffee. Ist dann keine Zeit für den Toilettengang, kann das zu Verstopfung führen.

Foto: iStock/NKS_Imagery

Bei Frauen meldet sich der Darm gerne nach dem morgendlichen Kaffee. Ist dann keine Zeit für den Toilettengang, kann das zu Verstopfung führen.

Frauen sind in der Regel gesundheitsbewusster als Männer, leiden aber trotzdem viel häufiger unter Verstopfung (Obstipation). Ein Leiden, über das aber nicht so gerne gesprochen wird. Die Ursachen – und was hilft. #GesundOhneTabus

Millionen Menschen in Deutschland leiden an Verstopfung, medizinisch Obstipation. Zwei Drittel der Betroffenen sind Frauen. Häufig schweigen sie aus Scham, statt über ihr Problem zu sprechen. Dabei gibt es für das stille Leiden in vielen Fällen zuverlässige und gut verträgliche Hilfe!

#GesundOhneTabus: Sprechen wir über Verstopfung

Wenn wir einmal niesen oder husten bei der Arbeit, dann haben die lieben Kollegen in der Regel jede Menge Tipps parat: Welcher Tee am besten ist oder welches Medikament oder Hausmittel schnell hilft. Doch wer fragt im Büro um Rat, wenn der Stuhl tagelang ausbleibt oder man vermehrt unter Völlegefühl und Blähungen zu leiden hat? Über den Darm und das, was ihn verlässt, wird kaum gesprochen. Dabei ist eine gesunde Verdauung wichtig für unsere Gesundheit und vor allem auch für unser Wohlbefinden. Allerhöchste Zeit, mit dem unnötigen Tabu zu brechen. Ein Indiz dafür, dass viele Menschen das starke Bedürfnis haben, sich zu informieren und endlich Hilfe zu bekommen, ist der große Erfolg des Buches "Darm mit Charme". Das Aufklärungswerk von Autorin Giulia Enders wurde schnell zum Millionen-Bestseller.

Was genau ist Verstopfung?

Von chronischer Verstopfung oder auch Obstipation bei Erwachsenen spricht man laut der Leitlinie der Deutschen Fachgesellschaften1, wenn Betroffene seit mindestens drei Monaten von unbefriedigenden Stuhlentleerungen berichten und mindestens zwei der folgenden Leitsymptome aufweisen:

  • starkes Pressen,
  • klumpiger oder harter Stuhl,
  • Eindruck einer unvollständigen Entleerung,
  • Gefühl der Blockierung (trotz Stuhldrang kein Stuhlgang) oder
  • es muss manuell nachgeholfen werden.

Akute Verstopfungen beschränken sich hingegen auf wenige Tage und sind meist auf veränderte Essgewohnheiten (zum Beispiel im Urlaub), Unregelmäßigkeiten im Tagesrhythmus oder übermäßigen Stress zurückzuführen. Generell gilt: Stuhlgang zwischen dreimal täglich und dreimal die Woche ist ganz normal.

Wie funktioniert eigentlich die Verdauung?

Die Nährstoffe, die wir mit den Mahlzeiten aufnehmen und bereits im Mund und Magen zerlegen, werden von der Dünndarmwand mithilfe von sogenannten Falten und Zotten resorbiert. Tausende von Ein- und Ausstülpungen vergrößern hier die Oberfläche des Dünndarms um ein Vielfaches. Was der Dünndarm nicht verarbeitet hat, wandert weiter in den Dickdarm, wo dem Nahrungsbrei Wasser entzogen wird. Normalerweise schiebt der Darm den Nahrungsbrei durch Muskelbewegungen vorwärts. Kommt es zu einer Transportstörung des Dickdarms, dauert dieser Vorgang länger. Je länger der Stuhl dann im Dickdarm verweilt, desto mehr Wasser wird ihm entzogen. Der Darminhalt wird dadurch hart und trocken und die Entleerung entsprechend schwieriger.

Häufige Ursachen für Verstopfung

Obwohl Frauen sich im Vergleich zu Männern meist gesünder ernähren, mehr Obst und Gemüse essen und weniger Fast-Food, haben sie häufiger mit Verstopfung zu kämpfen. Dafür gibt es verschiedene mögliche Ursachen:

  • Hormone – vor allem in der zweiten Zyklushälfte, wenn der Hormonspiegel abnimmt, klagen viele Frauen über Obstipation. Die Abnahme der Hormone soll übrigens auch verantwortlich dafür sein, dass so auffallend viele Frauen in den Wechseljahren von chronischer Verstopfung betroffen sind.
  • Zeitmangel – viele Frauen nehmen sich nicht genügend Zeit für den Toilettengang. Wenn sich morgens, eine halbe Stunde nach dem Kaffee, der Darm meldet, bringen sie gerade die Kinder zur Schule, sind auf dem Weg zur Arbeit oder anderweitig eingespannt. Dieses auf später Vertrösten nimmt der Darm jedoch übel und reagiert möglicherweise mit Verstopfung. Verstärkt wird dieses Problem zusätzlich, weil viele Frauen es meiden, eine „fremde“ Toilette zu benutzen, sogar am Arbeitsplatz.
  • Bewegungsmangel – ein generelles Problem unserer Zeit ist zu wenig Bewegung. Auch die Verdauung nimmt es uns krumm, wenn wir beispielsweise auf der Arbeit acht Stunden kontinuierlich sitzen und abends dann auch eher nur noch auf der Couch Platz nehmen. Auch krankheitsbedingte Bettlägerigkeit kann dementsprechend für chronische Verstopfung sorgen.
  • Organische Erkrankungen wie z.B. Reizdarmsyndrom – Menschen mit Reizdarm leiden abwechselnd unter Verstopfung und Durchfall (Diarrhoe). Als Ursachen hierfür stehen u.a. eine gestörte Darmbewegung oder auch eine gestörte Darmflora in Verdacht.
  • Diabetes - der dauerhaft erhöhte Blutzuckerspiegel kann Nerven schädigen. Diese diabetische Neuropathie betrifft häufig auch die Nerven, die die inneren Organe steuern und wirkt sich so auch auf die Darmtätigkeit aus.
  • Erkrankungen der Psyche - z.B. Depressionen. Patienten mit Depressionen haben wohl eine viel langsamere Verdauung als gesunde Personen. Die verlängerte Zeit der Darmpassage kann wiederum zu verhärtetem Stuhl führen.
  • Schilddrüsenerkrankung – die Schilddrüse ist u.a. für den Stoffwechsel verantwortlich. Eine Unterfunktion verlangsamt den Stoffwechsel, was auch Verstopfung auslösen kann.
  • Unklar: In vielen Fällen kann allerdings keine wirkliche Ursache festgestellt werden.

Hausmittel für eine geregelte Verdauung

  • Ernährung – damit der Darm produktiv ist, sollten wir mindestens 30 Gramm Ballaststoffe täglich zu uns nehmen und dazu 1,5 Liter trinken empfiehlt die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE). Ein Beispiel: 100 Gramm Früchtemüsli haben knapp 8 Gramm Ballaststoffe, 100 Gramm Möhren knapp 4 Gramm, 100 Gramm Vollkornbrot 2 Gramm und damit so viel wie ein Apfel. Alles zusammen liefert knapp die Hälfte der täglich erforderlichen Ballaststoffe. Wer Schwierigkeiten hat, die empfohlene Balaststoffmenge zu erreichen, kann auf Quellmittel wie Flohsamen oder Weizenkleie zurückgreifen. Auch diese müssen mit ausreichend Flüssigkeit eingenommen werden.
    Leicht abführend wirken auch Sauermilchprodukte wie Buttermilch oder Backpflaumen.
    Koffein regt den Darm beispielsweise an, während etwa Schokolade oder Kakao ihn bremsen. Alle Nahrungsmittel die eher in die Kategroie verstopfend fallen, beispielsweise auch Weißbrot, sollten bei Neigung zu Obstipation natürlich gemieden werden.
  • Massagen – eine morgendliche Bauchmassage im Bett unterstützt die Darmtätigkeit und den Weitertransport des Speisebreis im Darm. Dafür den Bauch zehn Minuten lang sanft im Uhrzeigersinn massieren.
  • Darmtraining – zusätzlich sollten Sie Ihren Darm erziehen. Nehmen Sie sich beispielsweise morgens, wenn er wie bei den meisten Menschen zum Toilettengang drängt, genau dafür ausreichend Zeit. Damit alles in Ihren Tagesplan passt, bedeutet das vielleicht, etwa den Kaffee früher zu trinken und nach einer halben Stunde auf die Toilette zu gehen. Regelmäßige Toilettenbesuche und regelmäßige Mahlzeiten führen meist nach einiger Zeit dazu, dass die „Sitzung“ pünktlich und erfolgreich ist!
  • Entspannung – achten Sie auf ausreichend Zeit für sich selbst als Ausgleich zum Stress Ihres Alltags, sei es beruflich oder privat. Yoga und autogenes Training können dabei unterstützen.

Verstopfungen lösen mit Abführmitteln

Wenn Allgemeinmaßnahmen, wie z.B. ausreichend Bewegung, erhöhte Zufuhr von Ballaststoffen und erhöhte Trinkmenge, nicht greifen, können Abführmittel (Laxanzien) helfen, den Darm in Bewegung zu bringen. Abführmittel mit den Wirkstoffen Natriumpicosulfat und Bisacodyl gelten als gut verträglich. Sie erhöhen den Flüssigkeitsgehalt im Darm, was die Stuhlkonsistenz verbessert und den Darmtransport erleichtert. Die Wirksamkeit wurde in Studien nachgewiesen.

Auch salinische Abführmittel können helfen. Zu diesen natürlichen Abführmitteln gehören beispielsweise Bittersalze oder Glaubersalz, die in lauwarmem Wasser auflöst getrunken werden und ebenfalls bewirken, dass der Stuhl weich wird und sich der Darm entleert. Wichtig: 1. den Flüssigkeitsverlust ausreichend ausgleichen! 2. Da die Wirkung bis zu Stunden anhalten kann, ist es empfehlenswert, sich nach der Einnahme in der Nähe einer Toilette aufzuhalten!

Vorbeugen heißt: Darm gut, alles gut!

Um nicht nur die belastenden Verstopfungen zu vermeiden, sondern auch unangenehme Begleiterscheinungen wie Hämorrhoiden oder Analfissuren, die aufgrund von hartem Stuhl, der nur unter großem Druck herausgepresst werden kann, entstehen können, sollten wir also ein paar Dinge beherzigen: Wenn wir auf eine ballastoffreiche Ernährung sowie ausreichende Flüssigkeitszufuhr achten, regelmäßig für Stressausgleich sorgen, genügend Entspannung einplanen und uns vor allem ganz bewusst Zeit für die Toilettengänge nehmen – dann machen wir schon ganz viel richtig. Denn: Darm gut, alles gut!

Sie leiden unter Verstopfung? Im Video erfahren sie mehr über bewährte Hausmittel:

Hausmittel gegen Verstopfung

Hausmittel gegen Verstopfung

Beschreibung anzeigen

#GesundOhneTabus

1 Gemeinsame Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Neurogastroenterologie und Motilität (DGNM) und der Deutschen Gesellschaft für Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS)

Seite
Die neuesten Videos von BILD der FRAU

Die neuesten Videos von BILD der FRAU

Beschreibung anzeigen