29.06.2017

Komplexe Krankheit Persönlichkeitsstörung erkennen und behandeln

Persönlichkeitsstörungen sind schwere Störungen der Persönlichkeit und des Verhaltens.

Foto: ©iStock/AkilinaWinner

Persönlichkeitsstörungen sind schwere Störungen der Persönlichkeit und des Verhaltens.

Sie sind impulsiv, unberechenbar oder im Gegenteil eher ängstlich. Wer eine Persönlichkeitsstörung hat, leidet oft massiv – und sein Umfeld auch.

Was macht die Persönlichkeit aus? Teilweise liegt es in den Genen, ob wir eher temperamentvoll sind oder besonnen und ruhig. Doch Erfahrungen in der Kindheit und Jugend verändern unsere Persönlichkeit. Manchmal sind diese Erfahrungen so einschneidend, dass sie zu einer Persönlichkeitsstörung führen können.

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Schlechte Erfahrungen wie Mobbing oder Missbrauch als Auslöser

Dieses Risiko besteht etwa durch Mobbing in der Schule, den frühen Tod eines geliebten Menschen, Gewalt und sexuellen Missbrauch oder im Gegenteil Eltern, die ihr Kind überbehüten und ihm jede Anstrengung ersparen möchten. Selbstverständlich entwickelt nicht jeder Mensch dadurch zwangsläufig eine Persönlichkeitsstörung. Doch besonders sensible Menschen oder solche, die bereits genetisch vorbelastet sind, sind gefährdet.

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Persönlichkeitsstörung – der Test

Veränderungen der Persönlichkeit müssen nicht auf eine psychische Erkrankung hinweisen. Experten sprechen von einer echten Persönlichkeitsstörung, wenn diese drei Kriterien zutreffen:

  • starre, unflexible Verhaltensweisen

  • Impulsivität oder im Gegenteil ausgeprägte Ängstlichkeit

  • der Betroffene leidet unter seinem Verhalten

Beispiele der wichtigsten Formen der Persönlichkeitsstörung verdeutlichen die Krankheiten.

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Die häufigsten Formen

  • Schizoide Persönlichkeitsstörung – typische Einzelgänger, kontaktarm, wirken emotionslos, Denken und Wahrnehmung sind verzerrt. Oft besessen von Vorstellungen wie beispielsweise in der Vergangenheit schon einmal gelebt zu haben, über telepathische Kräfte zu verfügen etc.

  • Narzisstische Persönlichkeitsstörung – nach außen hin arrogant und selbstbewusst, innerlich jedoch leicht verletzlich. Eckt wegen seines Verhaltens ständig an, ist stark suizidgefährdet.

  • Borderline Persönlichkeitsstörung – starke Stimmungsschwankungen, beste Laune, dann gleich wieder zornig oder extrem traurig. Große Angst, verlassen zu werden, dabei jedoch meist unfähig zu einer längeren Beziehung, Neigung zu Selbstverletzungen wie Ritzen.

  • Dissoziale, antisoziale Persönlichkeitsstörung – aggressiv, gewalttätig, missachtet soziale Normen und Gesetze. Egoistisch und ständig auf der Suche nach neuem Nervenkitzel.

  • Selbstunsichere Persönlichkeitsstörung – schüchtern, gehemmt, ängstlich, sehr sensibel und hilfsbereit. Ist gefährdet, eine weitere psychische Erkrankung zu entwickeln, wie etwa eine Angststörung oder Depression.

  • Multiple Persönlichkeitsstörung – hier sind sich Experten nicht einig, ob es diese Krankheit überhaupt gibt. Es sollen viele verschiedene Teilidentitäten vorliegen, die abwechselnd die Kontrolle über das Verhalten des Betroffenen übernehmen.

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Therapie bei Persönlichkeitsstörung

Verschiedene psychotherapeutische Verfahren und Methoden können helfen, die Störung abzumildern, damit die Betroffenen normal und glücklich leben können. Für jede der Störungen gibt es inzwischen sozusagen maßgeschneiderte Konzepte.

In Deutschland leidet rund acht Prozent der Bevölkerung unter einer Persönlichkeitsstörung. Mit der entsprechenden Therapie sind die Heilungschancen sehr groß. Ansprechpartner ist der Hausarzt, der zu einem Psychologen überweisen wird.

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