17.01.2020

Juckende Hautkrankheit Wieder neue Krätze-Fälle aufgetaucht: So erkennen Sie sie

Die Krätze ist eine ansteckende Hauterkrankung, die von Milben verursacht wird. Richtig gefährlich wird sie in der Regel aber glücklicherweise nicht.

Foto: imago images / Panthermedia

Die Krätze ist eine ansteckende Hauterkrankung, die von Milben verursacht wird. Richtig gefährlich wird sie in der Regel aber glücklicherweise nicht.

Wenn Sie plötzlich rote juckende Punkte an Ihrer Haut entdecken, könnten Sie die Krätze haben: Gerade sind wieder neue Fälle in Deutschland aufgetaucht. Wie Sie die lästige Hautkrankheit erkennen.

Lange war Krätze kaum ein Thema in Deutschland, doch seit einigen Jahren häufen sich Fälle an Patienten, die von der lästigen Parasiten-Hautkrankheit geplagt werden. Aktuell sind zwei Schulen betroffen, die Zahl der Erkrankten steigt fast überall an. Zum Glück lässt sich Krätze erkennen und recht einfach behandeln.

Krätze erkennen und melden: Zahl der Betroffenen nimmt zu

Aktuell ist die Zahl der Krätze-Fälle wieder steigend, vor allem in Kindergärten und Schulen ist die Ansteckungsgefahr groß. So hat eine Duisburger Grundschule gerade vermeldet, dass zwei Kinder dort an Krätze erkrankt sind. 2015 zählte das Duisburger Gesundheitsamt noch 85 gemeldete Fälle in der gesamten Region, in den ersten zwei Wochen des neuen Jahres sind jetzt schon 37 gemeldet worden! Auch an einer Oberschule im brandenburgischen Kremmen ist jetzt ein Fall von Krätze aufgetaucht. Und im sächsischen Vogtland- und Erzgebirgskreis steigen die Zahlen seit Jahren kontinuierlich, wie der MDR berichtet. Beim Landratsamt in Plauen heißt es, man könne sich die Ursachen des Anstiegs nicht erklären.

Skabies gibt es seit Menschengedenken

Mit der Krätze, im Fachjargon auch Skabies genannt, müssen sich Menschen – und Tiere, dann wird sie Räude genannt – allerdings schon seit Urzeiten herumplagen. Bei der parasitären Erkrankung lassen sich Krätzmilben auf Menschen als deren Wirt nieder – die Weibchen bohren sich in die Oberhaut und legen dort Kotballen und Eier ab, wodurch sich extrem juckende Bläschen oder Pusteln bilden. Daher kommt auch der Name: Das lateinische Wort scabere bedeutet kratzen und abreiben. Erkennen lässt sich der Befall vor allem durch die typischen hakenförmigen Tunnel unter der Haut.

Die typischen Krätze-Symptome treten erst zwei bis fünf Wochen nach der ersten Infektion auf. Ohne Therapie lässt sich die Erkrankung in der Regel nicht vollständig heilen.

Unklar, woher die steigenden Zahlen kommen

Seit einigen Jahren sind in Deutschland wieder mehr Krätze-Fälle aufgetreten, die Erkrankung ist leider wieder ein Thema. Dabei kam sie in Mitteleuropa bislang eher selten vor, wohingegen in einigen Entwicklungsländern bis zu dreißig Prozent der Bevölkerung mit Krätze infiziert sind. Aber: "Krätze war nie weg", weiß Susanne Glasmacher, Pressesprecherin des Robert-Koch-Instituts. "Die Krankheit war bloß nicht so im Fokus."

Jetzt ist die Krätze jedenfalls wieder ein Thema. "Man kann schon von einer mittelgroßen Epidemie sprechen", zitierte der Focus 2017 den Dermatologen Herbert Kirchesch aus Pulheim. Damals musste beispielsweise eine ganze Station in einer Bonner Klinik wegen Krätze-Befall geschlossen werden. Woher der bundesweite Trend rührt, darüber sind sich die Experten allerdings uneins.

Während ihn die einen der Zuwanderung aus Balkanländern und aus den Kriegsgebieten im Mittleren Osten zuschreiben, sehen andere keinen Zusammenhang zwischen Flüchtlingen und der Krankheit – zumal 2016 deutlich mehr Krätze-Fälle aufgetreten seien, die hohen Flüchtlingszahlen gab es aber 2015.

Dr. Klaus Schmidt vom Kreisgesundheitsamt im Hochsauerlandkreis gab in der "Westfalenpost" ebenfalls Entwarnung. Zwar bestätigte er, dass die Zahlen deutlich gestiegen sind – Krätze komme über die Jahre aber in Wellenbewegungen, sagt er. Heißt: Die Anzahl verebbt im Laufe der Zeit wieder.

Die Parasiten werden von Mensch zu Mensch übertragen

Fest steht: Ein erhöhtes Ansteckungsrisiko besteht in Gemeinschaftsunterkünften – das gilt für Heime aller Art, etwa Alten und Obdachlosenheime, aber auch für Krankenhäuser und Kitas oder eben Schulen.

Grundsätzlich muss aber längerer Körperkontakt bestehen, bevor die Milben von einem Wirt auf den nächsten überspringen können. Kurze Berührungen wie etwa Händeschütteln reichen nicht aus. Allerdings nimmt die Überlebenszeit der Milben zu, haben Hautärzte laut einem Bericht auf kurier.at beobachtet. Das könnte mit ein Grund für den Anstieg der Hautkrankheitsfälle sein. Und: Erwiesen sei das saisonale Auftreten der Krätze, heißt es dort weiter. In der kalten Jahreszeit würden mehr Fälle registriert als im Sommer. Eine Erklärung dafür haben die Experten allerdings nicht. Wie Sie eine Krätze-Übertragung vermeiden, lesen Sie hier.

Nicht gefährlich, aber lästig

Immmerhin: Als gefährlich gilt die Krätze nicht, sie kann höchstens problematisch werden, wenn durchs Kratzen Bakterien in die Haut gelangen, die zu weiteren Infektionen führen können. Wird Krätze diagnostiziert, rückt man ihr in der Regel mit einer Salbe, gelegentlich auch mit Tabletten zu Leibe. Ähnlich wie beim Läusebefall – Kopfläuse erkennen und behandeln – wird die Behandlung nach etwa einer Woche wiederholt, um auch die neu geschlüpften Milben zu erwischen.

Ebenfalls wie bei Läusen auch erweckt die Krätze schnell den Anschein von mangelnder Hygiene – dabei hat der Befall absolut nichts damit zu tun, wie häufig man sich wäscht und wie sehr man sich pflegt. Wohl aber, wie stark die Krätze sich ausprägt, wie die Netzeitung auf Grundlage von Studien berichtete.

Wenn sich die Erkrankung nicht als Krätze erkennen und diagnostizieren lässt: Reaktionen der Haut können auch aus anderen Gründen auftreten. 5 mögliche Ursachen für Hautausschlag haben wir für Sie zusammengetragen. Auf unserer Themenseite finden Sie noch mehr zum Thema Hautpflege.

Ebenfalls noch nicht ausgerottet: die Pest – Übertragung und Symptome des "schwarzen Todes".

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