04.05.2017

Wenn die Venen leiden Volkskrankheit Krampfadern: Frauen sind viel öfter betroffen

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Frauen sind dreimal häufiger als Männer von venösen Veränderungen an den Beinen betroffen.

Foto: iStock/AMR Image

Frauen sind dreimal häufiger als Männer von venösen Veränderungen an den Beinen betroffen.

Millionen Menschen leiden unter Krampfadern. Ein Experte erklärt, was es damit auf sich hat, wann sie gefährlich werden – und wie man vorbeugt.

Zu den häufigsten Erkrankungen überhaupt gehören Venenleiden: Allein in Deutschland sind circa fünf Millionen Menschen von einer chronischen Erkrankung betroffen. Krampfadern – oder Varizen, wie sie im Fachjargon heißen treten dabei am häufigsten auf.

bildderfrau.de hat mit Dr. med. Michael Knop, Chefarzt des Zentrums für Venenchirurgie in der Havelklinik Berlin, über die weit verbreitete Volkskrankheit gesprochen.

Warum sind Erkrankungen der Venen so gefährlich?

Zum einen können Entzündungen der betroffenen Venen und des umliegenden Gewebes Schmerzen und sogar ein Blutgerinnsel (Thrombose) verursachen. Der Blutkreislauf in den Beinen wird dadurch wesentlich beeinträchtigt. Zum anderen können Blutgerinnsel, die sich wieder auflösen, auf ihrem Weg über das Herz im Körper verteilt werden und feine Blutgefäße verstopfen, etwa in der Lunge. Im ungünstigen Verlauf kann es so zu einer Lungenembolie kommen.

Auch Ödeme und im weiteren Verlauf Eiweißablagerungen mit einer chronischen, venösen Insuffizienz der Beine können die Folge sein. Unbehandelt rufen diese Venenentzündungen starken Juckreiz hervor, viele fangen dann an zu kratzen. Das Ganze endet oft mit einem offenen Bein – deutschlandweit sind davon gut eine Millionen Menschen betroffen.

Was genau sind Krampfadern?

Die sogenannte Varikose ist nicht nur ein kosmetisches Problem, sondern eine Erweiterung der Beinvenen, die den Blutkreislauf beeinträchtigt. Man unterscheidet bei Krampfadern maßgeblich zwischen der Stammvarikosis, einem Defekt in den Venenklappen der Stammvenen der Beine, und den Retikulären Varizen, eine netzförmige, oberflächliche Erweiterung des Venensystems.

>> Krampfadern entfernen: veröden, verkleben oder ziehen?

Warum entstehen Krampfadern?

Es gibt viele Studien, die Übergewicht, eine Bindegewebsschwäche, die Wirkung der Schwangerschaft bei der Frau oder lange Tätigkeiten im Sitzen und Stehen als Hauptursachen für Venenleiden identifiziert haben. Allerdings deutet einiges darauf hin, dass die Genetik eine entscheidende Rolle spielt.

Krampfader richtig behandeln

Wie können Krampfadern behandelt werden?

Die richtige Therapie ist abhängig vom Einzelfall. Wir raten daher allen Betroffenen, sich vor der Behandlung eine zweite Meinung einzuholen. Das Stripping-Verfahren ist weltweit die am häufigsten angewandte Therapie – bei dieser klassischen Operation werden die betroffenen Krampfadern gezogen.

>> Ziehen oder veröden: Besenreiser und Krampfadern loswerden

Bei endoluminalen Verfahren wie Laser, Radiowelle oder Schaumverödung werden die erkrankten Venen im Körper wärmebehandelt und nicht gezogen. Studien geben Anlass zur Annahme, dass diese Verfahren eine höhere Rate an Rezidiven (Wiederauftreten) aufweisen.

Was kann ich tun, damit ich erst gar keine Krampfadern bekomme?

Die genetische Veranlagung ist ein entscheidender Faktor, da kann sich ein Teil der Betroffenen leider nicht komplett wehren. Dennoch gilt: der Blutkreislauf kann durch angemessene Beanspruchung der Muskelpumpen in den Beinen gestärkt werden. Ausdauersport wie Fahrradfahren, Schwimmen, Aquagymnastik oder lange Spaziergänge sind geeigneter als Sportarten, in denen man lange steht oder sitzt und dann in ruckartige Bewegungen übergeht, wie etwa beim Badminton.

Kneippsche Fußwechselbäder können zusätzlich den Kreislauf stimulieren. Langes Saunieren hingegen ist gerade für betroffene Patienten eher kontraproduktiv: Bei großer Hitze weiten sich die Gefäße, und der Blutfluss wird verlangsamt. Ballaststoffreiche und ausgewogene Ernährung mit geringem Zucker- und Fettanteil fördert die Gefäßgesundheit.

Dann sollten Sie einen Arzt aufsuchen

Bei welchen Beschwerden sollte ich einen Arzt aufsuchen?

Erste Anzeichen für eine Venenkrankheit können müde, geschwollene Beine und juckende Haut sein. Speziell Krampfadern zeichnen sich auch optisch an einer Verformung der Haut und deutlichem Hervortreten der Venen ab. Treten diese Anzeichen vermehrt und regelmäßig auf oder gibt es weitere, nicht zuzuordnende Beschwerden, sollte man die Gefäße von einem Spezialisten etwa per schmerzlosem Ultraschall untersuchen lassen.

Allerdings ist nicht jede sichtbare Vene am Bein ein gesundheitliches Problem: Besenreiser – sichtbare, dünn verästelte Venen an der Hautoberfläche – sind häufig ein rein kosmetisches Problem.

Gibt es Unterschiede zwischen Männern und Frauen bei Venenerkrankungen?

Frauen sind dreimal häufiger als Männer von venösen Veränderungen an den Beinen betroffen. Sie leiden vor allem an defekten Venenklappen und einer Bindegewebsschwäche. Ein Grund dafür ist unter anderem während und nach der Schwangerschaft zu finden: Frauen sind dann hormonellen Veränderungen und auch einem erhöhtem Druck auf die untere Hohlvene durch das Austragen des Kindes ausgesetzt. Dadurch steigt das Risiko für einen Defekt der Venenklappen und somit der Bildung von Krampfadern.

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