18.04.2017

Immer müde? So wird die gefährliche Schlafapnoe behandelt

Wird eine Schlafapnoe nicht behandelt, kann sie lebensbedrohlich werden.

Foto: iStock/Wavebreakmedia

Wird eine Schlafapnoe nicht behandelt, kann sie lebensbedrohlich werden.

Die Schlafapnoe ist eine lebensbedrohliche Krankheit. Warum die nächtlichen Atemaussetzer so gefährlich sind und welche Therapien es gibt.

 

Mindestens jedes zweite Paar in Deutschland hat Probleme, weil einer schnarcht oder sogar beide. Dabei ist Schnarchen manchmal mehr als eine harmlose nächtliche Ruhestörung, denn es kann auch eine ernsthafte Krankheit dahinter stecken.

Kommt es neben dem Schnarchen immer wieder zu nächtlichen Atmenaussetzern, kann eine Schlafapnoe die Ursache sein. Eine eher unbekannte aber gefährliche Krankheit, die unbehandelt ernsthafte Folgen haben kann. bildderfrau.de hat mit Dietmar Hensel, dem Vorsitzenden vom Verein zur Selbsthilfe Schlafapnoe e.V. Sachsen, über Schlafapnoe sowie die Folgen und Behandlungsmöglichkeiten gesprochen.

bildderfrau.de: Was ist eine Schlafapnoe?

Hensel: Ein Verschluss der oberen Atemwege. Die Schlundmuskulatur erschlafft durch die nächtliche Entspannung. Es kommt zu Atemstillständen, die länger als zehn Sekunden bis zu mehreren Minuten dauern können. Aufgrund vermehrter Atemanstrengung kommt es zu Weckreaktionen, die keinen erholsamen Schlaf zulassen.

Ist die Krankheit gefährlich?

Diese Krankheit ist sehr gefährlich, wenn sie nicht behandelt wird!

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Wie kann ich erkennen, dass ich an einer Schlafapnoe leide?

Wer einen Bettpartner hat, ist da eindeutig im Vorteil. Sie bekommen meistens die Atemaussetzer und die anschließenden Weckreaktionen mit. Tagesmüdigkeit, Kopfschmerzen, nächtliches Schwitzen, vermehrter Harndrang, Konzentrations- und Gedächtnisstörungen, Impotenz, Depression und ein Gefühl „wie gerädert“ sind die häufigsten Auswirkungen.

Welche körperlichen Folgen entstehen durch eine Schlafapnoe?

Durch die Atemstillstände sinkt der Sauerstoffgehalt im Blut. Herz und Gehirn sind unterversorgt. Aufkommender Stress und das oftmalige Aufwecken lassen keinen erholsamen Schlaf zu. Es kommt unweigerlich zu chronischen Gesundheitsschäden. Von Bluthochdruck, Depressionen, Hirnschäden, Herzinfarkte bis hin zu einem plötzlichen Herztod und Stresserkrankungen.

Das „Unausgeschlafensein“ führt zu Müdigkeit den ganzen Tag über. Das plötzliche Einschlafen ist vorprogrammiert. Wer im Büro einnickt hat noch Glück, aber am Steuer eines PKW oder Laster kann das tödlich enden! (Sekundenschlaf)

Wann sollte ich einen Arzt kontaktieren?

Wenn die Müdigkeit trotz normaler „zu Bett geh Zeiten“ den ganzen Tag nervt. Unkonzentriertheit, Herzschmerzen, Migräne und das Gefühl, abends eher ins Bett gehen zu müssen. Als erstes reden sie mit ihrem Hausarzt darüber. Aber Vorsicht! Leider kennen sich viele Ärzte mit dieser Krankheit nicht aus. Regional sehr unterschiedlich sind Pneumologen, Neurologen, HNO-Fachärzte oder auch andere die richtigen Ansprechpartner. Fragen sie lieber noch mal nach, wer ihnen helfen kann! Wenn Sie ein Arzt in ein Schlaflabor überweisen möchte, sind sie richtig.

Und vor allen Dingen warten sie nicht zu lange, die Wartezeiten haben sich durch das Ansteigen der Schlafapnoe-Fälle verlängert.

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Sollte jeder Schnarcher einen Arzt aufsuchen und das abklären lassen?

Nein! Wenn sie einigermaßen rhythmisch schnarchen und morgens ausgeschlafen sind, dürfte dies kein großes Problem werden. Aber da ich kein Arzt bin, bitte mit dem abklären! Geschnarcht wird in allen Altersgruppen und niemand ist dagegen gefeit. Mit dem Alter nimmt die Zahl der Schnarcher zu!

Wie wird eine Schlafapnoe behandelt?

Der sogenannte „Goldstandard“ ist zweifelsfrei das Atemgerät mit Schlauch und Maske. Eine Turbine saugt Umgebungsluft (kein Sauerstoff) an und bläst ihn mit dem im Schlaflabor eingestellten Druck über die Nase oder Nase und Mund (je nach Maskenart) in den Rachenraum. Und wie durch ein Wunder kann man damit hervorragend schlafen. Man könnte auch sagen, „wie früher“. So eine Maske ist natürlich am Anfang gewöhnungsbedürftig. Viele Therapien wurden deswegen schon abgebrochen!

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Man muss sich darüber Gedanken machen: Was will ich? Wieder gesund werden und ordentlich schlafen, den Zusammenhang erkennen und versuchen mit der Maske klar zukommen? Wer das schafft, betrachtet das locker, wie zum Beispiel das „Zähne putzen“ oder Haare kämmen. Es gab schon Betroffene, die vor Freude geweint haben, weil sie endlich wieder richtig ausgeschlafen waren!

Nun gibt es auch Alternativen zur Maske: Der Zungenschrittmacher, ähnlich wie bei einem Herzschrittmacher, wird schonend operativ eingepflanzt, und die Unterkieferprotrusionsschiene, ein labortechnisch einstellbares Schienensystem. Es existieren noch andere operative Varianten.

Aber Achtung: Lassen sie sich in jedem Fall von einem Arzt beraten! Planen Sie keine Alleingänge und keine „Fortbildung“ im Internet!

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Warum gibt es so viele Irrtümer und welche Folgen können diese haben?

Wie bei vielen Problemen: wegen Unwissenheit und falscher Beratung. Es gibt Operationen, die nicht notwendig waren und nichts gebracht haben. Sie sind meistens auch nicht wieder rückgängig zu machen. Man sollte vorher versuchen, alles Machbare abzuklären. Auch mit einer zweiten Arzt-Meinung.

Warum ist die Krankheit in Deutschland so unbekannt, obwohl sie relativ häufig vorkommt?

Viele unserer Ärzte haben im Studium nichts von dieser Erkrankung gehört, da man die Schlafapnoe früher nicht kannte, obwohl sie schon vor unserer Zeitrechnung existierte. Erst in den letzten 20 Jahren hat man in der Schlafmedizin intensiver geforscht und neue Erkenntnisse gewonnen. Das bedeutet für die Ärzte persönliche Fortbildung.

Als nächstes bringt die Krankheit kein Geld, sie kostet und das nicht wenig. Da die Zahl der Betroffenen stetig gestiegen ist, erhöhen sich auch die Ausgaben. Was uns als ehrenamtliche Helfer stört, ist die Tatsache, dass die Schlafapnoe in der Gesellschaft kaum vorkommt! Wir wissen aber durch unsere Arbeit, dass das Informationsbedürfnis durchaus vorhanden ist.

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Kann eine Schlafapnoe geheilt werden?

Ja, zum Glück für alle Betroffenen – man kann sich wieder „gesund schlafen“. Es existiert die Möglichkeit, sich in Selbsthilfegruppen bundesweit über die Probleme einer Schlafapnoe zu erkundigen oder auszutauschen!

Hinzu kommt unser Dachverband, der BSD (Bundesverband Schlafapnoe und Schlafstörungen Deutschlands e.V.), der kompetent in allen Belangen aussagefähig ist!

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