Aktualisiert: 10.01.2020 - 14:48

Vorsorge Gebärmutterhalskrebs: Das ändert sich für Frauen ab 35 Jahre

Lesen Sie, welche wichtigen Neuerungen es bei der Gebärmutterhalskrebs-Vorsorge für Frauen ab 35 Jahren nun gibt.

Foto: iStock/Clerkenwell

Lesen Sie, welche wichtigen Neuerungen es bei der Gebärmutterhalskrebs-Vorsorge für Frauen ab 35 Jahren nun gibt.

Frauen ab dem 35. Lebensjahr bekommen nun alle drei Jahre eine Gebärmutterhalskrebs-Vorsorge inklusive Pap-Test und HPV-Screening. Im Gespräch war die Änderung schon lange. Was wir jetzt beachten müssen.

In Deutschland erkranken rund 4300 Frauen jährlich an Gebärmutterhalskrebs. 90 Prozent der Erkrankungen werden durch Humane Papillom-Viren (HPV) ausgelöst. Insgesamt erkranken allerdings 75 Prozent weniger als noch Anfang der 70er-Jahre. Grund für diese positive Bilanz sowie die sehr niedrige Sterberate sind laut der Deutschen Krebsgesellschaft die regelmäßigen Maßnahmen zur Gebärmutterhalskrebs-Vorsorge und -Früherkennung.

Gebärmutterhalskrebs-Vorsorge bei Frauen ab 35: HPV-Abstrich ergänzt Krebsabstrich

Seit Januar 2020 erhalten gesetzlich versicherte Frauen im Alter von 20 bis 65 Jahren alle fünf Jahre ein Anschreiben der Krankenkasse mit Informationen zum organisierten Untersuchungsprogramm zur Früherkennung von Gebärmutterhalskrebs.

Jede erwachsene Frau sollte mindestens einmal pro Jahr zum Frauenarzt gehen. Bei diesem Termin wird bei Frauen zwischen dem 20. und 34. Lebensjahr die Gebärmutterhalskrebs-Vorsorge mit Abstrich durchgeführt. Beim sogenannten Pap-Test entnimmt der Arzt (schmerzfrei!) mit einem Spatel Zellen aus der Gebärmutter und untersucht die Zellen auf Veränderungen. Diese lassen sich unter dem Mikroskop so früh erkennen, dass in den meisten Fällen behandelt werden kann, bevor ein Karzinom entsteht. Seit 1971 wird der Pap-Test einmal pro Jahr von den gesetzlichen Krankenkassen bezahlt.

Frauen ab 35 Jahren, haben weiterhin den Anspruch auf die jährliche Untersuchung bei ihrem Frauenarzt, bei der die Brust, die Eierstöcke, die Gebärmutter und der gesamte Intimbereich untersucht werden. Der Krebsabstrich wird nun aber nur noch alle drei Jahre durchgeführt. Jedoch wird der Pap-Test seit Anfang 2020 mit einem HPV-Test beim Gynäkologen ergänzt (Ko-Testung). Dieser wurde von den Krankenkassen bislang nur bezahlt, wenn der Pap-Abstrich einen auffälligen Befund gezeigt hat. Zum HPV-Screening laden die Krankenkassen alle Frauen ab 35 Jahren ein – ohne obere Altersgrenze. Die kostenlose Untersuchung umfasst dann neben dem Pap-Absrich auch einen HPV-Abstrich. Er zeigt, ob der Gebärmutterhals überhaupt mit Viren infiziert ist, die einen Tumor verursachen können.

Auch für Frauen über 65 ist das Angebot der Tests alle drei Jahre und der jährlichen Untersuchung gegeben. Sie erhalten nur keine Erinnerung mehr. Für privat versicherte Frauen gelten diese Angebote normalerweise genauso, jedoch lohnt sich hier ein Blick in den Vertrag.

Warum gibt es die Änderungen?

Der Pap-Test der Gebärmutterhalskrebs-Vorsorge hat eine Schwäche: Er entlarvt nicht die HPV-Erreger selbst, kann also nicht zwischen krebserregenden und eher harmlosen Virus-Typen unterscheiden.

Lesen Sie auch, welche Therapien bei der Früherkennung von Gebärmutterhalskrebs möglich sind.

Warum kein HPV-Test für Frauen unter 35?

Der Gemeinsame Bundesausschuss der Ärzte begründet das damit, dass junge Frauen sehr häufig mit den HP-Viren infiziert sind, diese in den meisten Fällen aber sehr gut abwehren und die Infektion nach einem bis anderthalb Jahren wieder ausgeheilt ist, ohne dass sie zu Krebs führt. Ein HPV-Test würde hier in der Mehrzahl der Fälle nur blinden Alarm auslösen.

Anders ist es bei Frauen über 35 Jahre. Weist der Test bei ihnen die Viren nach, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass es sich um eine Infektion handelt, die nicht von allein heilt. Die Einführung des HPV-Tests in die Routineuntersuchung und der verlängerte Untersuchungsintervall sollen daher vor allem dafür sorgen, die Diagnose zu verbessern.

Die Altersgrenze ab 35 könnte aber vor allem für 30-jährige Frauen Nachteile haben, erklärte die Expertengruppe "Zervita" des Krebsinformationsdienstes Heidelberg. Denn auch wenn das Risiko für Gebärmutterhalskrebs kleiner ist als bei Frauen ab 35, haben die etwas jüngeren Frauen häufiger Krebsvorstufen. Deswegen sollte überlegt werden, ob nicht auch sie in das Screening eingeschlossen werden sollten.

Beunruhigung: Ist das Zeitintervall von drei Jahres zu groß?

Viele Frauen sind beunruhigt, weil das Screening nur alle drei Jahr stattfinden soll. Aber: Gebärmutterhalskrebs wächst in aller Regel nur sehr langsam. Es dauert mehr als zehn Jahre, manchmal sogar Jahrzehnte, bis sich Zellen einer Krebs-Vorstufe in einen Tumor umwandeln. Der Untersuchungsabstand von drei Jahren reicht also aus, um bösartige Veränderungen immer rechtzeitig zu erkennen und zu behandeln.

Neue Vorsorge ab sofort

Die Neuerung der Gebärmutterhalskrebs-Vorsorge wurde bereits vor rund drei Jahren vom Gemeinsamen Bundesausschuss der Ärzte und Krankenkassen beschlossen. Sie sollte umgesetzt werden, sobald das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen einen Patienten-Flyer dazu fertiggestellt hat. Letztendlich kamen aber noch Befürchtungen dazu, dass die Gynäkologinnen und Gynäkologen, die für solche Tests qualifiziert sind, nun so viel Arbeit erwartet, dass mit wochen- oder monatelangen Wartezeiten zu rechnen ist oder das System sogar vollständig zusammenbricht. Und ob die neue Vorsorge besser ist, darüber haben Experten bisher geteilte Meinungen.

Die HPV-Schutz-Impfung – leider zu wenig genutzt

Noch recht neu ist ein Impfstoff gegen die neun am häufigsten krebserregenden Humanen Papillom-Virus-Typen. Damit könnten 90 Prozent aller Fälle von Gebärmutterhalskrebs verhindert werden. Die Impf-Erfolge sind weltweit beachtlich, die Risiken minimal. In Australien bekommen seit 2007 neun von zehn Mädchen einen zehn Jahre wirksamen Impfstoff gegen nur zwei Erreger. Dennoch sind seitdem auffällige Abstriche vom Gebärmutterhals um 60 Prozent zurückgegangen. Gesunder Nebeneffekt: Die Zahl von Genitalwarzen, die ebenfalls durch HP-Viren verursacht werden, ist um 80 Prozent gesunken.

In den USA wurden bisher mehr als 56 Millionen Impfdosen verabreicht. Doch in Deutschland gibt es immer noch eine große Impf-Lücke: Seit zehn Jahren empfiehlt die Ständige Impfkommission (STIKO) allen Mädchen die HPV-Impfung zum Krebsschutz. Aber laut STIKO-Analyse waren Ende 2016 nur 31 Prozent der 15-jährigen Mädchen und 43 Prozent der 17-jährigen vollständig geimpft. Dabei hat gut jedes dritte Mädchen heute mit 14 oder 15 Jahren zum ersten Mal Sex –und kann sich so mit HP-Viren infizieren.

Was tun bei Beschwerden?

Ein Zervixkarzinom entwickelt sich wie erwähnt in der Regel nur sehr langsam, Beschwerden entstehen daher erst sehr spät. Sollten Sie ungewohnten Ausfluss sowie irreguläre Blutungen sowie Schmerzen im Unterleib oder auch andere Probleme in diesem Bereich bemerken, zögern Sie nicht, sich einen Termin bei Ihrer Gynäkologin oder Ihrem Gynäkologen zu machen! Meist stecken nur Entzündungen oder hormonelle Probleme dahinter, aber es können neben Gebärmutterhalskrebs auch andere Erkrankungen, etwa ein Scheidenpilz oder eine Auslöser der Beschwerden sein.

Viele weitere Ratgeber-Texte zur Vorsorge, Früherkennung, Symptomen und Therapiemöglichkeiten von Krebserkrankungen finden Sie auf unserer umfassenden Themenseite.

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