20.02.2017

Wundliegen Dekubitus – je nach Grad die richtige Prophylaxe

Die Behandlung des Dekubitus mit seinen chronischen Wunden und Druckgeschwüren ist sehr schwierig und dauert lange.

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Die Behandlung des Dekubitus mit seinen chronischen Wunden und Druckgeschwüren ist sehr schwierig und dauert lange.

Sind erst mal Hautschäden eingetreten, ist die Behandlung meist schwierig. Wie sich Dekubitus vermeiden lässt und was Sie darüber wissen sollten.

Dekubitus, das Wundliegen, betrifft vor allem bettlägerige Menschen. Ursache für die Hautveränderungen, die letztlich zu unheilbaren Gewebeschäden führen können, ist der ständige Druck auf bestimmte Körperbereiche. Die Blutversorgung stoppt in diesen Arealen, das Gewebe stirbt nach und nach ab.

Doppelter Druck auf Haut und Gewebe

Dabei lastet beim Liegen sogar zweifacher Druck auf Haut und Gewebe: einerseits von außen, also von der Unterlage, andererseits von innen durch die Knochen. Gefährdet für Dekubitus sind daher Stellen, wo zwischen Haut und Knochen wenig Muskeln und Fett liegen. Das sind beim Liegen auf dem Rücken etwa Hinterkopf, Steißbein und Ferse, im Sitzen (hier sind etwa Rollstuhlfahrer gefährdet) Steißbein und Ferse.

Dekubitus – Einteilung bis Grad 4

Je nach Ausmaß der Haut- und Gewebeschäden gilt folgende Einteilung:

  • Grad 1: Haut ist an der Druckstelle gerötet, wobei die Haut auch dann nicht mehr ihre normale Farbe zurückgewinnt, wenn sie zwei Stunden nicht mehr mit Druck belastet wurde. Die Röte verschwindet auch auf Fingerdruck nicht.

  • Grad 2: Die Haut wird nicht mehr durchblutet. An den Druckstellen entstehen kleine Hautschäden, Blasen und oberflächliche, offene Geschwüre ohne Schorf – ähnlich wie eine Abschürfung.

  • Grad 3: Die Schädigung weitet sich in tiefere Haut- und Gewebeschichten aus, ein offenes Geschwür hat sich gebildet, Teile sterben ab (Nekrose).

  • Grad 4: ausgedehnte Zerstörung des Gewebes, tiefe Löcher entstehen, Muskeln und Knochen sterben ab.

Dekubitusprophylaxe, aber richtig

Die Behandlung des Dekubitus mit seinen chronischen Wunden und Druckgeschwüren ist sehr schwierig und dauert lange. Das richtige Wundmanagement und Schmerzbehandlung gehören dazu. Besser ist deshalb auf jeden Fall, mit gezielter Prophylaxe das Wundliegen von vornherein zu verhindern. Experten gehen davon aus, dass auf diese Weise 95 Prozent aller Dekubitus-Fälle vermieden werden könnten. Die wichtigsten Vorbeugemaßnahmen:

  • Druckentlastung durch Umlagern

  • Mobilisation

  • Hautpflege

Eine druckverteilende Unterlage (Dekubitusmatratze) sowie Kissen und gerollte Handtücher sind dabei hilfreich. Zusätzlich sollte der Patient so oft wie möglich umgelagert werden, wobei bereits kleine Veränderungen die gefährdeten Bereiche entlasten können. Bei einem bettlägerigen Patienten, der vor allem auf dem Rücken ruht, ist das etwa eine Lagerung leicht auf der Seite, wobei Kissen beim Abstützen helfen.

Als zweite Maßnahme der Dekubitusprophylaxe gilt Bewegung. Dabei sind bereits kleine Übungen wirkungsvoll, weil sie nicht nur die Durchblutung im aktiven Körperteil verbessern, sondern im gesamten Organismus. Zur Hautpflege als Schutz vor dem Wundliegen eignen sich Wasser-in-Öl-Pflegeprodukte. Sie sollten parfümfrei und pH-neutral sein.

Zahl der Dekubitus-Fälle nimmt dramatisch zu

Jährlich rund 460.000 Menschen in Deutschland erleiden ein Dekubitalgeschwür. Das sind fast 50 Prozent mehr als vor zehn Jahren, obwohl die Zahl der Risikopatienten nur um gut 20 Prozent gestiegen ist. Ursache dafür ist, dass in vielen Pflegeheimen die Dekubitusprophylxe versäumt wird.

Darauf weisen die gesetzlichen Krankenkassen hin. Laut deren Statistik litten bei Qualitätskontrollen in Heimen knapp vier Prozent der Betreuten an Dekubitus, bei einem Drittel dieser Kranken wurde die Wundversorgung nicht richtig durchgeführt und bei 25 Prozent der für Wundliegen gefährdeten Patienten wurde keine Dekubitusprophylaxe vorgenommen.

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