10.02.2017

Etwa eine Million Betroffene Vorhofflimmern – unbekannte Symptome und neue Therapien

Bestehenden Bluthochdruck zu normalisieren, gehört zur Therapie des Vorhofflimmerns.

Foto: ©iStock/Peopleimages

Bestehenden Bluthochdruck zu normalisieren, gehört zur Therapie des Vorhofflimmerns.

Vorhofflimmern ist eine oft unterschätze Herzrhythmusstörung. Denn es erhöht vor allem für Frauen das Schlaganfall-Risiko. Wie Sie es erkennen, was Sie dagegen unternehmen können...

Manchmal stolpert das Herz oder setzt für einen Schlag aus. Kein Wunder, denn pro Tag schlägt es bis zu 150.000 Mal. Meist sind gelegentliche Unregelmäßigkeiten kein Anlass zur Sorge, sollten jedoch von einem Arzt abgeklärt werden. Denn hinter dem vermeintlich harmlosen Taktwechsel des Herzschlags kann auch Vorhofflimmern stecken.

Symptome bei Vorhofflimmern

Das Heimtückische an dieser Form der Herzrhythmusstörung: Die meisten Betroffenen bemerken davon nichts, außer anfangs eine leichte Leistungsschwäche, die erst nach und nach zunimmt.

Symptome für Vorhofflimmern sind außerdem:

  • Puls rast plötzlich

  • Herzstolpern

  • Schwindel

  • Schwitzen

  • Atemnot

  • Angstgefühle

  • Brustenge

Diese Symptome können nur wenige Minuten (paroxysmales Vorhofflimmern, anfallsartig, wird oft nicht als solches wahrgenommen), aber auch Tage andauern und in diesem Fall die Lebensqualität erheblich einschränken.

Das Problem: Die Herzkammern arbeiten nicht mehr richtig im Team. Normalerweise ziehen sich die Herzvorhöfe zusammen, so dass Blut in die Herzkammern strömt. Diese ziehen sich dann zeitlich abgestimmt zusammen und pumpen das Blut in den Kreislauf. Wenn die Herzzellen, die diesen Ablauf koordinieren, aber nicht mehr richtig funktionieren und ihre elektrischen Signale nicht mehr richtig ankommen, kommen die Herzkammern durcheinander. Die Vorhöfe zucken dann eher als dass sie pumpen – daher die Bezeichnung "Flimmern". So fehlt den Herzkammern die richtige Unterstützung durch die Vorhöfe.

Im Video wird noch einmal erklärt, was Vorhofflimmern eigentlich ist und warum es gefährlich werden kann:

Vorhofflimmern: Was ist das überhaupt?

Vorhofflimmern mit EKG erkennen

Per EKG (Elektrokardiogramm) und Echokardiographie (Herz-Ultraschall) kann der Kardiologe feststellen, ob es sich um die Herzrhythmusstörung handelt. Zwar ist die Erkrankung, anders wie das Kammerflimmern, per se nicht lebensbedrohlich. Gefährlich ist sie aber dennoch – und zwar deshalb, weil der unregelmäßige Herzschlag dazu führt, dass sich Blut in den Vorhöfen des Herzens stauen kann. Dieser Stau wiederum bewirkt, dass sich ein Gerinnsel (Thrombus) bilden kann. Wird das Gerinnsel mit dem Blutstrom ins Gehirn geschwemmt, droht ein Schlaganfall, der schnell erkannt werden sollte. Somit ist Vorhofflimmern einer der wichtigsten Risikofaktoren für den Hirnschlag: rund 15 Prozent aller Schlaganfälle entstehen durch Vorhofflimmern. Aber auch eine Herzschwäche kann daraus resultieren.

Vorhofflimmern ist für Frauen besonders gefährlich

Untersuchungen haben gezeigt, dass Vorhofflimmern bei Männern das Risiko für einen Schlaganfall verdoppelt. Eine Studie deckte auf, dass dieses Risiko für Frauen sogar noch viel höher liegt: Demnach verdreifacht Vorhofflimmern ihre Schlaganfall-Gefährdung. Warum das so ist, wissen Mediziner noch nicht.

Es gibt aber einige Tricks, wie Frauen Herz-Kreislauf-Erkrankungen am besten vorbeugen können.

Die Ursachen für Vorhofflimmern sollten bekämpft werden

Die Ursachen sind vielseitig. So kann hoher Blutdruck zu Vorhofflimmern führen, aber auch eine bestehende Herzmuskelschwäche. Die koronare Herzkrankheit, häufigste Herzerkrankung, gehört ebenfalls zu den Auslösern. Gefährdet sind zudem Menschen, die unter Diabetes mellitus, einem Herzklappenfehler oder einer Herzmuskelentzündung leiden. Zudem sollten Patienten mit Schilddrüsenüberfunktion aufpassen. Übermäßiger Alkoholkonsum gilt ebenfalls als Risikofaktor.

Mit voranschreitendem Alter tritt die Diagnose übrigens häufiger auf. In der Allgemeinbevölkerung leiden etwa 2,2 Prozent an Vorhofflimmern, unter den 70- bis 80-Jährigen allerdings rund 16 Prozent.

Die fünf Therapien gegen Vorhofflimmern

Vorhofflimmern lässt sich jedoch in den meisten Fällen erfolgreich behandeln. Oft ist nur ein winziger Eingriff nötig, damit das Herz dauerhaft wieder in seinen Takt findet. Dabei empfiehlt die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie je nach Ausprägung und Dauer des Vorhofflimmerns folgende Therapien, um den normalen Herzrhythmus, den Sinusrhythmus, wieder herzustellen:

  1. Akuttherapie mit Kardioversion: Dabei sollen Elektrostöße den Herzschlag normalisieren, ähnlich wie der Defibrillator bei Herzstillstand.

  2. Risikofaktoren für Vorhofflimmern abschätzen – etwa bestehenden Bluthochdruck oder eine Herzklappenerkrankung. Wird die optimale Behandlung dieser Krankheit eingeleitet, beruhigt sich das Herz oft auch wieder.

  3. Zur Vorbeugung von Schlaganfall Medikamente einsetzen, die die Blutgerinnung hemmen (orale Antikoagulation).

  4. Dauerhafte Kontrolle der Herzfrequenz, um Veränderungen zu erkennen und zu behandeln.

  5. Falls nötig, Katheterablation: Bei dieser Therapie des Vorhofflimmerns werden mithilfe eines Katheters, den der Arzt über die Blutgefäße zum Herzen führt, bestimmte Stellen auf der Herzinnenseite behandelt. Dort wird die Spitze des Katheters mit Hochfrequenzstrom erhitzt. Die Hitze verödet gezielt die Bereiche, die die Reize für den falschen Herzschlag aussenden. Oft ist nach dieser Behandlung das Vorhofflimmern für immer verschwunden.

Bei allen Herzrhythmusstörungen ist es wichtig, die Symptome zu beachten und richtig abklären zu lassen, so auch beim Vorhofflimmern. Ihr Arzt kann Ihnen die für Sie richtige Therapiemöglichkeit nennen, so dass Folgerisiken eingegrenzt werden können.

Hier finden Sie die Studie zum erhöhten Risiko für Schlaganfälle aufgrund von Vorhofflimmern bei Frauen.

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Über Vorhofflimmern und Gerinnungshemmung informieren die bundesweiten Herzwochen in über 1.000 Veranstaltungen u. a. in Kliniken, Krankenkassen und Betrieben. Termine in Ihrer Nähe finden Sie unter www.herzstiftung.de oder sind zu erfragen unter Tel. 069 955128400. Der Herzstiftungs-Ratgeber "Herz außer Takt: Vorhofflimmern" informiert über Ursachen, Diagnose- und Therapiemöglichkeiten sowie über die Gerinnungshemmung bei Vorhofflimmern. Der Band (136 S.) kann kostenfrei unter www.herzstiftung.de (oder Tel. 069 955128400) angefordert werden.

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