12.04.2019 - 14:00

Ständig Verdauungsbeschwerden? Reizdarm: Elf Symptome und ihre Ursachen

Neues aus der Forschung zum "nervösen Darm": Was das Reizdarm-Syndrom ausmacht und was Sie tun können.

Foto: iStock/FilippoBacci

Neues aus der Forschung zum "nervösen Darm": Was das Reizdarm-Syndrom ausmacht und was Sie tun können.

Woher kommen die so extrem unterschiedlichen Anzeichen eines Reizdarmsyndroms? Neues aus der Forschung zum "nervösen Darm".

Beim Reizdarm-Syndrom von einem Volksleiden zu sprechen, trifft zu: Laut Barmer Arztreport leiden rund elf Millionen Menschen in Deutschland darunter. Bei jedem Dritten mit Verstopfung und Durchfall im Wechsel.

Doch während andere Volkskrankheiten wie Diabetes oder Bluthochdruck häufig angesprochen werden, wird das Thema Reizdarm meist verschwiegen. Denn die Symptome des Colon irritabile – so die medizinische Bezeichnung für Reizdarm – sind unangenehm bis peinlich und deshalb ist das Syndrom immer noch ein Tabuthema.

Reizdarm-Syndrom: Symptome sind vielschichtig

Dabei können die Anzeichen eines Reizdarms individuell sehr unterschiedlich sein:

  • unbestimmte Bauchschmerzen
  • Krämpfe im Bereich von Magen und Darm
  • Blähbauch
  • Völlegefühl
  • Blähungen
  • plötzlich einsetzender Durchfall
  • chronischer Durchfall
  • Verstopfung
  • Durchfall und Verstopfung im Wechsel
  • Stuhlveränderungen, etwa Schleim im Stuhl
  • Schmerzen treten oft vor dem Stuhlgang auf und bessern sich nach der Entleerung.

Zusätzlich haben viele Betroffene chronische Schmerzen, wie der Berufsverband Deutscher Internisten berichtet, etwa im Rücken-, Gelenk- oder Kopfbereich.

Reizdarm nicht mit Morbus Crohn verwechseln!

Viele dieser Symptome treten bei jedem mal auf, bleiben aber die Ausnahme. Von einem Reizdarm-Syndrom spricht der Arzt erst, wenn die Beschwerden mindestens drei Monate anhalten und andere Ursachen, etwa Morbus Crohn oder Laktose-Unverträglichkeit ausgeschlossen werden können. Nicht zuletzt kann auch Darmkrebs anfangs zu ähnlichen Symptomen führen.

Reizdarm hat keine organischen Ursachen

Zwar ist der Reizdarm keine gefährliche Erkrankung, weil ihm keine organischen Ursachen zugrundeliegen und auch etwa bei Darmspiegelungen keine Ursachen gefunden werden. Doch können ausgeprägte Symptome die Lebensqualität Betroffener stark einschränken.

Reizdarmpatienten berichten etwa, dass sie sicherheitshalber immer in der Nähe einer Toilette bleiben, ihren Einkauf, die Fahrt zur Arbeit und die Unternehmungen in der Freizeit darauf abstimmen. Viele versuchen auch, ihre Ernährung streng danach auszuwählen, dass sie auf keinen Fall schwer verdaulich ist oder Blähungen auslösen könnte.

Blähbauch vermeiden
Blähbauch vermeiden

Der Ursache des Reizdarms auf der Spur

Über die wahren Ursachen des Reizdarmsyndroms weiß die Medizin bislang wenig. Eine Störung der Darmflora mit einer Übermacht schädlicher Bakterien im Vergleich zu den nützlichen Darmbakterien soll eine Rolle spielen.

Schwedische Wissenschaftler haben vor kurzem entdeckt, worin die so unterschiedlichen Magen- und Darmbeschwerden begründet liegen könnten: in den Genen. In einer Studie fanden sie heraus, dass bei Reizdarm ein bestimmtes Gen defekt ist. Dieses enthält die Erbinformation für ein Enzym, das im Darm Stärke und Zucker spaltet. Fehlt das Enzym, kommt es zu Durchfall, Verstopfung, Schmerzen.

Die Forscher hoffen nun, dass ihre Entdeckung die Basis für ein neues Medikament gegen Reizdarm bilden könnte und man in Zukunft ähnlich wie bei Laktoseintoleranz einfach das fehlende Enzym in Form von Tabletten einnimmt. , Blähungen und Schmerzen wären dann Geschichte!

Weitere Ursache: gestörte Immunaktivität der Darmschleimhaut

Neueste Untersuchungen zeigen zudem: Auch wenn die Immunaktivität der gesamten Darmschleimhaut gestört ist – nämlich durch eine Fehlleitung der sogenannten T-Lyphozyten, kann es zu Reizdarmbeschwerden kommen. T-Lyphozyten sind körpereigene Abwehrzellen. Sie nisten sich fälschlicherweise in der Darmschleimhaut ein. Chronische Reizungen entstehen.

"Die gestörte Immunreaktion der Darmschleimhaut muss ausgeglichen und die gesunde Balance des Immunsystems wieder hergestellt werden", erklärt dazu Dr. med. Marie-Luise Hanus, Fachärztin für Allgemeinmedizin, Naturheilverfahren, Ernährungs- und Umweltmedizin.

Auch ein Mangel an Mikronährstoffen (Vitamin A, B, C, D, Zink und Kalzium) kann das Reizdarm-Syndrom hervorrufen. Denn der Organismus kann sich dann nicht mehr optimal regenerieren. Einfach so Nahrungsergänzungsmittel zu sich nehmen hilft hier aber nicht – im Gegenteil, diese können sich etwa gegenseitig blocken. Eine Rücksprache mit Hausärzten ist daher hier zu empfehlen.

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Bis dahin hilft gegen Durchfall etwa die Karottensuppe nach Dr. Moro als Hausmittel.

Mehr zu den Themen Verdauung und Verstopfung lesen Sie auf unseren Themenseiten. Und wer mit anderen Betroffenen in Kontakt treten und gemeinsam Hilfe suchen möchte, kann sich bei der Reizdarmselbsthilfe weiter informieren.

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