07.03.2017

Neue Studie Darum steigt das Herzinfarkt-Risiko im Winter

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Im Winter steigt das Risiko für einen Herzinfarkt. Wir erklären, warum das so ist und wie Sie sich am besten schützen.

Foto: iStock/mikanaka

Im Winter steigt das Risiko für einen Herzinfarkt. Wir erklären, warum das so ist und wie Sie sich am besten schützen.

Mit der kalten Jahreszeit steigt das Risiko für einen Herzinfarkt. Wir erklären Ihnen, warum das so ist – und wie Sie sich im Winter am besten schützen können.

Mit der kalten Jahreszeit nehmen die Wehwehchen zu. Eine Erkältung jagt die nächste, jeder schnieft vor sich hin. Doch nicht nur grippale Infekte oder Verkühlungen setzen dem Körper zu. Die kalten Temperaturen haben eine enorme Auswirkung auf das Herz-Kreislauf-System. Forscher haben nun bestätigt, dass das Herzinfarkt-Risiko im Winter steigt.

Forscher der schwedischen Universität in Lund haben 274.000 Daten von Herzinfarkt-Patienten ausgewertet und diese mit den Wetterverhältnissen zum Zeitpunkt des Infarkts verglichen. Die Ergebnisse, die im Fachmagazin "Jama Cardiology" veröffentlicht wurden, sind erstaunlich: demnach ist das Herzinfarktrisiko am größten, wenn die Temperaturen unter null Grad Celsius liegen, wenig Sonnenlicht einfällt, der Luftdruck niedrig und der Wind stark ist.

Herzinfarkt-Risiko durch frostige Temperaturen

Vor allem die Temperatur scheint in diesem Zusammenhang am wichtigsten. Die schwedischen Forscher fanden nämlich heraus, dass eine Temperatursteigerung um jeweils 7,4 Grad den gegenteiligen Effekt hat – das Risiko sinkt messbar um rund 2,8 Prozent.

Eine ältere Langzeituntersuchung kam zu ähnlichen Ergebnissen. Die amerikanische Herzgesellschaft unter Leitung des US-Forschers Bryan Schwartz vom Good Samaritan Hospital in Los Angeles brachte ans Licht: Während der Wintermonate steigt das Risiko für Herz-Kreislauf-bedingte Todesfälle um bis zu 36 Prozent im Vergleich zu den Sommermonaten. Daten, die auch deutsche Kardiologen bestätigen.

Hoher Blutdruck führt zu Gefäßverengungen

Auf niedrige Temperaturen reagiert unser Körper mit Gefäßverengungen. Der Blutdruck steigt. Wer sich jetzt noch zusätzlich körperlich verausgabt, beispielsweise beim ungewohnten Schneeschippen, erhöht sein Risiko für Infarkt und Schlaganfall.

Bei Minustemperaturen sollten Sie auf adäquate Kleidung achten, Handschuhe, Schal und Mütze nicht vergessen. Wer bereits Herzrhythmusstörungen oder einen erhöhten Blutdruck hat, sollte auf Anstrengungen in der Kälte verzichten. Das heißt aber nicht, dass Sie sich nicht bewegen dürfen. Im Gegenteil.

Nur: Verlegen Sie sportliche Aktivitäten einfach nach drinnen – gehen Sie schwimmen, nehmen Sie an einem Gymnastikkurs teil, tun Sie etwas für Ausdauer und Fitness in einem Fitnessclub. Sie können Ihre Gefäße trainieren, damit sie weniger wetterempfindlich werden: Wechselduschen sind dafür ideal. Wichtig dabei: Temperaturwechsel vorsichtig beginnen, zunächst einmal von warm auf lauwarm wechseln, Beine und Arme immer vom Herzen weg abbrausen.

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Einsamkeit erhöht Herzinfarkt-Risiko

Schlechtes Wetter verleitet viele Menschen dazu, seltener aus dem Haus zu gehen – darunter leiden dann auch die sozialen Kontakte. Zahlreiche Studien belegen, dass Einsamkeit das Herz belastet. Eine Meta-Studie aus dem englischen York kam zu dem Ergebnis, dass einsame Menschen mit mangelnden sozialen Kontakten fast dreimal so häufig einen Herzinfarkt oder Schlaganfall erleiden wie Personen, die über ein gutes soziales Netz verfügen.

Tipps gegen Einsamkeit: Melden Sie sich für einen Kurs in der Volkshochschule an, lernen Sie eine Sprache, eine Maltechnik. Das bringt Sie unter Menschen. Oder laden Sie Freunde und Familie häufiger zu sich ein. Und auch moderne Kommunikationsmittel sind toll, um mit Kindern oder Enkelkindern in Austausch zu treten: WhatsApp-Nachrichten oder Skype-Telefonate zum Beispiel.

In einigen Ländern setzt sich die Politik aktiv für die Bekämpfung von Einsamkeit ein. Braucht Deutschland auch eine Ministerin für Einsamkeit?

Im Winter isst man ungesünder als im Sommer

Im Sommer genießen wir Obst und Gemüse in rauen Mengen, ernähren uns meist leichter und fettärmer als im Winter. Doch zu fette, zu vitaminarme, zu zuckerreiche und ballaststoffarme Kost begünstigt erhöhte Blutfettwerte, Übergewicht und Diabetes.

Nichts gegen Eintöpfe – wenn Sie sie einfach mit magerem Fleisch und doppelt so viel Gemüse kochen. Als Vorspeise oder Nachtisch auf Salate und Obst setzen, um für einen Ausgleich zu einer etwas reichhaltigeren Leibspeise zu sorgen. Setzen Sie zusätzlich auf frisches Obst als gesunde Zwischenmahlzeit, essen Sie täglich Haferflocken, knabbern Sie Nüsse, ergänzen Sie Ihr Abendbrot mit Sardinen oder Hering – so tanken Sie u. a. jede Menge gesunde Omega-3-Fettsäuren, die das Herz schützen helfen und den Cholesterinspiegel positiv beeinflussen.

Trinken Sie öfter mal grünen Tee und Ingwerwasser statt Kaffee. Grüner Tee ist ein starkes Antioxidanz, das Entzündungsprozessen entgegenwirken kann. Ingwer wiederum trägt dazu bei, den Blutfluss zu unterstützen und gefährlichen Gerinnseln vorzubeugen.

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Depression begünstigt tödliche Herzerkrankungen

Wer bereits an einer koronaren Herzerkrankung leidet und zusätzlich eine Depression entwickelt, hat ein erhöhtes Sterberisiko gegenüber nicht-depressiven Menschen mit einer Herzerkrankung. Eine mögliche Ursache hat Dr. Christiane Waller von der Klinik für Psychosomatische Medizin der Universitätsklinik Ulm in einer Untersuchung aufgedeckt: Während bei Herzgesunden Stress zu einer erhöhten Ausschüttung des Stresshormons Cortisol führt, ist das bei Herzkranken umgekehrt. „Warum das so ist, ist bislang noch nicht geklärt“, so Dr. Waller.

Doch dafür kennt man die Folgen der verminderten Cortisol-Freisetzung: Entzündliche Prozesse werden begünstigt. Das trägt zu einer Verschlechterung der Herzerkrankung bei, Gefäßverschlüsse und Herzinfarkt werden begünstigt.

Sie fühlen sich schlecht, können aber keine Ursache dafür ausmachen? Hier erfahren Sie, woran Sie eine versteckte Depression erkennen.

So viele Sonnenstrahlen einfangen wie möglich

Gehen Sie, wenn die Sonne scheint, nach draußen an die Luft. Sonnenschein setzt Glückshormone frei. Nehmen Sie sich in der dunklen Jahreszeit besonders schöne Dinge vor, die Ihnen wohlige Gefühle schenken. Wer weiß, dass er im Winter immer wieder eine saisonale depressive Verstimmung entwickelt, kann eine Lichttherapie versuchen. Es gibt dafür Tageslichtlampen für zu Hause.

Und sprechen Sie, wenn Sie merken, dass eine unerklärliche Traurigkeit Sie häufig übermannt, mit Ihrem Hausarzt darüber. Er kann einschätzen, ob Ihnen zum Beispiel pflanzliche Medikamente helfen könnten, das Stimmungstief in den Griff zu bekommen.

Mehr über Herzinfarkte und andere Erkrankungen lesen Sie auf unserer Themenseite Herz-Kreislauf.

Sie wollen noch weitere Infos? Auf der nächsten Seite lesen Sie ein Interview mit einem Herz-Spezialisten über Herzinfarkt-Risiken.

 

3 Fragen an Dr. Norbert Henke, Chefarzt der Abteilung Kardiologie der HELIOS Rehaklinik Damp

BILD DER Frau: Haben Frauen ein ebenso hohes Herzinfarktrisiko wie Männer?

Dr. Norbert Henke: Herzinfarkte treffen Männer und Frauen mittlerweile fast gleich häufig. Denn bei den bekannten Risikofaktoren Rauchen, Übergewicht und Stress haben Frauen leider sehr aufgeholt. Bis etwa zehn Jahre nach der Menopause bietet das Hormon Östrogen Frauen einen gewissen Schutz. Dann steigt das Risiko für einen akuten Herzinfarkt deutlich an. Deswegen sind Frauen in der Regel älter als Männer, wenn sie erstmals einen Herzinfarkt erleiden.

Gibt es frauentypische Warnsignale für einen Infarkt?

Neben dem typischen Brustschmerz treten bei Frauen oft eher unspezifische Symptome wie Übelkeit, Erbrechen und Schmerzen in Oberbauch und Rücken auf.

Haben Sie einen herzgesunden Tipp?

Bewegung – deren Bedeutung kann man kaum hoch genug einschätzen. Ideal wären vier bis fünf Ausdauersporteinheiten von 30 bis 45 Minuten pro Woche. Bewegung ist das unterschätzte und zu wenig angewandte Medikament des Jahrhunderts, weil es sich auf alle Herz-Risikofaktoren positiv auswirkt.

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